Die Kommunalwahl am 25. Mai rückt immer näher. Was machen da verantwortungsvolle Journalisten? Richtig: Sie spielen Quizduell – und zwar mit den wählbaren Politiker. Die chilli-Redaktion hat Kandidaten aus allen Listen herausgefordert, die zum ersten Mal bei der Wahl dabei sind, um gegen sie im bekannten Handy-Spiel anzutreten. Das kam dabei heraus:

 

Politik-Profi

Gregor Mohlberg, 36, Linke Liste, wissenschaftlicher Angestellter, Listenplatz 9

 

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Runde 1: Medien & Unterhaltung. „Oh je, da habe ich keine Ahnung“, stöhnt Mohlberg alias intercosmos, „ich bin kein großer Fernsehgucker.“ Und tatsächlich kommt sofort eine TV-Frage: Welche der folgenden Sprüche kam fortwährend in der Comedysendung „Wochenshow“ vor? A. Komm ich jetzt im Fernsehen? B. Bin ich schon drin? c. Hat jemand mein Fahrrad gesehen? D. Wat? Wer bist du denn?

Mohlberg macht ein ratloses Gesicht und tippt prompt auf die falsche Antwort: „Wat? Wer bist du denn?“ ist natürlich aus TV Total, was dem Kandidaten kurz nach dem Drücken auch auffällt. Zu spät – die erste Runde geht mit einem 0:0 für beide Spieler wenig schmeichelhaft aus. Mohlberg bleibt gelassen.

Computerspiele, Bücher & Wörter oder Kinofilme? „Diese Auswahl ist eine Katastrophe“, so Mohlberg. Hätte er die Hände nicht am Smartphone, würde er sich jetzt wohl die Haare raufen. „Bei ‚Computerspiele’ hilft mir normalerweise mein 16-jähriger Sohn“, sagt der zweifache Familienvater, „meine Computerspielzeit hat vor zehn Jahren aufgehört.“ So wählt er Bücher & Wörter: Nur eine Antwort stimmt.

Dann die Überraschung: Die beste Runde des Linken ist „Macht & Geld“. Welches dieser Länder gehörte nicht zu den Gründungsmitgliedern der EU? Da braucht Mohlberg nicht lange nachdenken und tippt zügig auf „Großbritannien“. Mit 3:0 entscheidet er die Runde haushoch für sich. Ein Linker, der sich mit Macht & Geld auskennt? „Klar, das sind schließlich Politikfragen“, erklärt Mohlberg, „da ich Geschichte und Politik studiert habe, bin ich in der Kategorie ganz gut.“

 

Ergebnis: 8:2

 

Angst vor Parteistrukturen

Evgeniya Scherer, 37, Freie Wähler, Rechtsanwältin, Listenplatz 11

 

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Evgeniya Scherer ist in Sofia geboren und im Kommunismus groß geworden. „Genau deswegen bin ich jetzt bei den Freien Wählern, ich habe Angst vor parteilichen Strukturen“, sagt sie und geht als Izbori2014 (Wahl2014) bei „Essen und Trinken“ mit 2:1 in Führung.

Jetzt kommt „Medien und Unterhaltung“. Sie hat im Medienbereich promoviert. Sie will es gut machen. Die erste Frage rät sie, richtig, die zweite weiß sie, 4:3. Seit eineinhalb Jahren geht sie nicht nur drei Lehraufträgen in Kehl, Offenburg und Freiburg nach, sondern kümmert sich auch ums Töchterchen Bea. Und trotzdem will sie in die Politik. „Wir kriegen mehr als die drei aktuellen Plätze“, ist sie überzeugt.

Sie wartet zu lange, die Zeit läuft ab, sie tippt zu spät richtig, „Ach Mensch, das wusst‘ ich doch, das ärgert mich jetzt“, sagte sie – lacht aber dabei. Sie, die fünf Jahre in Hamburg Jura auf Magister studiert hat, geht das Duell nicht ohne Ehrgeiz an. Vor der finalen Partie führt sie 7:6. Es kommt „Macht und Geld“ – sie verliert 2:3. Sie ist mit dem Remis aber zufrieden. Auch in der Politik kommt es ja zuweilen aufs Teilen an.

 

 

Ergebnis: 9:9

 

 

In Geldfragen bewandert

Hermann Dittmers, 54, CDU, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse, Listenplatz 15

 

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Kaum erscheint eine Frage auf dem Handy-Bildschirm, schnellt Dittmers Zeigefinger nach unten und tippt die Antwort an. Die Quizduell-Westentaschenpsychologie bemüht, könnte man jetzt sagen: Der CDU-Politiker ist ein Macher, kein Zweifler. Vielleicht beeilt er sich aber auch so, um mehr Zeit zum witzeln zu haben, denn es braucht nicht die komplette Länge eines Quizduells, um zu merken: Dittmers ist ein Mensch, der gerne und herzlich lacht.

Und auch ohne in die Untiefen der Psychologie zu waten, erfährt man einiges über den CDU-Politiker. Etwa, dass ihm die Themen „Im Labor“ und „Comics“ nicht liegen, „Macht & Geld“ aber sein Thema ist. Typisch Politiker eben? „Wir haben zwar Einfluss, aber keine Macht“, spricht der Kappler Ortsvorsteher aus Erfahrung. „Zwar sind wir dazu legitimiert, bestimmte Rechte wahrzunehmen, unsere Entscheidungen haben aber nichts mit persönlichen Vorlieben zu tun.“

Doch die Kategorie liegt ihm: drei Richtige. „Ich hatte Glück, dass nur Geldfragen kamen“, so Dittmers. Schließlich habe er Wirtschaftswissenschaften und Jura studiert und lange im Bankenbereich gearbeitet. „Ja, ja, schreiben Sie ruhig, dass ich total eindimensional bin“, witzelt der 54-Jährige. Erledigt.

Doch schon wenige Fragen später zeigt sich ein zweites Steckenpferd: Musik & Hits. Zwar kann Dittmers hier nur einmal punkten, das mag aber auch an der Geschwindigkeit liegen, mit der er durch die Fragen klickt, damit er gleich seine Lieblingssongs vom Handy abspielen kann. Und hier zeigt er sich alles andere als eindimensional – mit Rock, Country und Helene Fischer.

 

Ergebnis: 7:6