Freiburg wird zur Riesenbühne: Hunderte Musiker werden am 2. Juli beim Mitmachfestival „Freiburg Stimmt Ein“ (FSE) die Stadt zum Klangraum machen. Damit nicht genug. In der siebten FSE-Auflage gibt’s erstmals ein Dreitagesprogramm. Es soll mehr Raum für soziokulturelle Initiativen und Kultur bieten, wünschen sich die FSE-Macher Stefan Sinn (65) und ­Matthias Gänswein (29). Das „größte ­Mitmachfestival Baden-Württembergs“ bricht damit weiter die eigenen Rekorde.

 

Den Auftakt macht am Freitag, 30. Juni, ein Tanzworkshop zum Thema „Bewegte Klänge“. Am Samstag folgt eine Konferenz über Kunst, Kultur, Leben, Politik und Gesellschaft. Und Sonntag steigt das Finale: Bands aus Nah und Fern bespielen die Stadt an rund 20 Plätzen: von der PH bis zum Dietenbach, von Weingarten bis zur Jazz und Rockschule, vom Grünhof bis nach Zähringen. Neu dabei ist der Waldsee. Bei gutem Wetter wird dort draußen musiziert.

 

Full House: Fatcat spielten 2016 vor mehr als 2000 Leuten im Eschholzpark.

 

Der Eschholzpark löst den Stadtgarten als Zentrum ab. „Im Schmuckkästchen der Stadt sind wir an unsere Grenzen gestoßen“, sagt Stefan Sinn. Vor dem Festival im vergangenen Sommer hatte es tagelang geschüttet, der Boden im Stadtgarten war aufgeweicht. Da es in letzter Minute aufhörte zu regnen, konnte der Platz mit Ach und Krach gehalten werden. „Das geht an die Nerven“, erinnert sich Sinn. Der Eschholzpark sei risikofreier.

 

Stefan Sinn und Matthias Gänswein

 

Dort rockte 2016 die Funkband Fatcat vor mehr als 2000 Leuten. Die großartige Stimmung bremsten einzig technische Probleme, die Anlage fiel kurzzeitig aus. Die Band habe sich danach beschwert, berichtet Gänswein. Dass so viele Menschen kommen würden, sei aber nicht abzusehen gewesen. Vom Erfolg ihres Festivals sind die Macher selbst überrascht.

 

Neben Konzerten werden im Eschholzpark rund 40 soziokulturelle Initiativen am Start sein, um sich zu präsen­tieren. „Das kommt gut an“, sagt Sinn. Teilnehmer wie Fesa oder Ecotrinova hätten von gutem Zulauf berichtet. „Die machen tolle Sachen, das weiß aber kaum einer, weil sie personell am Anschlag sind“, sagt Sinn.

 

Neuer Veranstaltungsort ist auch das Schloss Ebnet. Und die Freiburger Blues Association möchte mit einer Bühne einsteigen. Die Musik zu den Leuten zu bringen, ist den FSE-Machern wichtig. „Wer nicht das Rollo runtermacht, wird mitkriegen, dass was los ist“, sagt Gänswein. Alle Genres seien vertreten, von Heavy Metal bis Klassik, von HipHop bis Folk. Selbst weite Reisen scheuen die Musiker nicht, um bei FSE ohne Gage zu spielen. So zählt auch Romy Politzki aus Passau zu den 200 Bewerbern. Sie war schon 2015 dabei: „Ich mach mit, weil ich gerne Musikbegeisterte treffe – und die trifft man definitiv beim FSE“, schwärmt die 35-jährige Singer-Songwriterin.

 

Ausgelassen: Nicht mal Soundprobleme konnten Fatcat stoppen.

 

Die Größe des Festivals macht die Organisation zur Mammutaufgabe. Fast ein ganzes Jahr bereiten Sinn und Gänswein dafür vor. Um mehr Zeit für Strategieplanungen zu haben, überlegen sie, die Bandorganisation an die Freiburger Musikerinitiative Multicore abzugeben. „Hätten wir mehr Zeit, könnten wir noch viel mehr rausholen“, sagt Gänswein. Sinn könnte sich beispielsweise eine Kulturparade durch die Innenstadt vorstellen. Also ein Umzug mit Musik, Tanz und Theater.

 

Auch finanziell stößt das FSE an Grenzen. Von der Stadt wünscht sich Sinn mehr Unterstützung. Bisher bekommt das Festival einen Zuschuss von 4000 Euro jährlich. Jetzt hat man eine institutionelle Förderung über jährlich 15.000 Euro beantragt. Das Gesamtbudget liegt bisher bei knapp 20.000 Euro. „Wir sind hart am Limit“, sagt Sinn. Die Gema-­Gebühren der vergangenen Auflage zahle er noch immer ab.

 

So sehr das Festival wächst, die Grundsätze bleiben gleich: Das Event ist kostenlos, vegetarisch und alkoholfrei. Für Fleisch­fans gibt’s die musikalische Dosis von der Badischen Bratwurschtmusig aus Kirchzarten. Die Tanzlieder-Gruppe ist als einzige Formation bei bisher allen Festivals dabei gewesen.

 

Das Festival

Freiburg Stimmt Ein (FSE17) steigt von ­Freitag, 30. Juni bis Sonntag, 2. Juli. Am Sonntag gibt’s Musik von 14 bis 22 Uhr an rund 20 Plätzen in der Stadt. Der Eintritt ist frei. Gastronomiebetriebe, Initiativen, Vereine und freiwillige Helfer werden noch gesucht. Sie können sich bei den Veranstaltern melden. www.freiburgstimmtein.de

 

FSE in Zahlen
2016: 130 Bands 18 Plätze
2015: 115 Bands 19 Plätze
2014: 70 Bands 12 Plätze
2013: 32 Bands 7 Plätze
2012: 26 Bands 6 Plätze
2011: 8 Bands 5 Plätze

 

Text: Till Neumann / Fotos: © Nils Boeddingmeier & Till Neumann

 

Freiburg stimmt ein: Stadt wird Megabühne