„Planwirtschaft von unten“ betreibt die Freiburger Gartencoop seit drei Jahren. Auf einem Acker bei Bad Krozingen betreibt die Initiative in Eigenregie einen Hof, baut Gemüse an, erntet es und verteilt es hinterher an die Mitglieder. Mit-Organisator Luciano Ibarra (40), hauptberuflich Filmemacher und Referent, erklärt, warum er auf dem Acker den Kapitalismus bekämpft.

Alles fing an mit dem Besuch der „Jardins de Cocagne“ in Genf: Zusammen mit ein paar Freunden bin ich vor drei Jahren dorthin gefahren, um eine der ältesten europäischen Kooperativen zu besichtigen. Inzwischen haben wir eine eigene Kooperative in der Nähe von Freiburg gegründet, die 260 Mitglieder mit ökologisch angebautem Gemüse versorgt.


Das Prinzip ist einfach: Ein fester Kreis an Leuten übernimmt Verantwortung für einen landwirtschaftlichen Betrieb und teilt sich die komplette Ernte auf, egal ob diese gut oder schlecht war. Unsere Gärtnerei pachtet zurzeit rund acht Hektar Land in der Nähe von Bad Krozingen. Auf einer Jahresversammlung legen wir jeweils das Budget fest. Für dieses Jahr waren das 220.000 Euro. Mit dem Geld finanzieren wir Gärtner, Saatgut, Wasser und andere laufende Kosten. Jeder entscheidet selbst, wie viel er gibt – manche bieten 600 Euro pro Jahr an, andere 1000 Euro. Wichtig ist, dass wir am Ende auf die veranschlagte Summe kommen.

Zusätzlich zu dem finanziellen Beitrag verpflichten sich Mitglieder, mindestens vier Mal im Jahr an Vereinsveranstaltungen teilzunehmen. Manche lernen Kulturen zu pflegen, andere kümmern sich um die Verteilung der Ernte oder um organisatorische Aufgaben. Damit weichen wir die strenge Trennung zwischen Produzenten und Konsumenten etwas auf. Mir persönlich macht die Ernte am meisten Spaß; im Oktober holen wir Kürbisse, Mangold, Salat und Rüben aus der Erde.

Wir versuchen, bedarfsorientiert zu produzieren, im Prinzip ist das eine Planwirtschaft von unten. Jede Woche bringen wir die Ernte mit einem Car-Sharing-Transporter nach Freiburg, wo sie auf Fahrradanhänger umgeladen und von Mitgliedern in 14 verschiedene Verteilpunkte gebracht wird. Dort holt sich jeder seinen Anteil ab. Mit dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft lösen wir uns von marktwirtschaftlichen Zwängen. Das Prinzip der gemeinschaftlichen Selbstversorgung funktioniert schon richtig gut. Und lecker schmeckt es natürlich auch, unser Gemüse!

Text & Foto: von Steve Przybilla