Rathausspitze und Gemeinderat werden sich nicht weiter mit dem westlichen Rieselfeld als mögliche Fläche für einen neuen Stadtteil in Freiburg befassen. Diese Debatte hatten fünf einstige Stadtplaner angestoßen, die das Rieselfeld im Vergleich zu dem von der Politik präferierten Dietenbachgelände als deutliche bessere Alternative ins Spiel gebracht hatten.

 

»Der Zwischenruf der Stadtplaner a. D. hat Staub aufgewirbelt, vermutlich wird sich der wieder über das westliche Rieselfeld legen«, hatte das Freiburger Stadtmagazin chilli in seiner April-Ausgabe geschrieben. So ist es nun.

 

Der bestehende Naturschutz im westlichen Rieselfeld wird nicht in Frage gestellt und auch nicht getauscht mit dem Dietenbach – wenn es dafür überhaupt eine rechtliche Handhabe gegeben hätte. Es war ein politisches Zeichen, das der Gemeinderat Anfang April setzte. Nicht nur Grünen-Stadtrat Eckart Friebis wollte dieses »absurde Theater« beenden. Oberbürgermeister Dieter Salomon sprach von einem »skurrilen« Zwischenruf: »Das wäre ein grüner Super-Gau ohne Not.« Nun wendet man sich wieder dem Dietenbach zu.

Bauland gefunden: Nicht westlich des Rieselfelds, sondern im noch bewirtschafteten Dietenbach gibt es einen neuen Stadtteil.

 

Am 20. April hatte sich die Rathausspitze in Mannschaftsstärke vor die Journalisten gesetzt und erklärt, was vielen ohnehin schon klar war: St. Georgen-West ist nicht geeignet, um einen neuen Stadtteil zu bauen, der Dietenbach ist es. Durch das Plangebiet in St. Georgen zieht sich ein Grünzug, der nach dem in Offenlage befindlichen Regionalplan bald als Grünzäsur einen noch höheren Schutz genießen wird. So hatte die Gemeinde Schallstadt gegen St. Georgen Position bezogen, weil die Siedlungsflächen nicht zusammen- wachsen sollen, wie Stadtplanungsamtsleiter Roland Jerusalem berichtete. Nur ein Drittel der Flächen wären bebaubar, es könnten höchstens 1450 Wohnungen gebaut werden, rechnete die Projektgruppenleiterin Annette Schubert vor. Zielmarke sind 5000.

 

»St. Georgen ist nicht geeignet. Wir haben das jetzt gerichtsfest geprüft«, sagte Salomon. Die Wortwahl verrät, dass er Klagen aus dem Dietenbach für wahrscheinlich hält. »Die Alternativen so tief zu untersuchen, war ein Kraftakt«, so Baubürgermeister Martin Haag. Der neue Stadtteil im Dietenbach sei nun »das wichtigste wohnungspolitische Ziel«.

 

Über die Ergebnisse der Gespräche mit den dortigen 380 Eigentümern wollte Haag nicht viel sagen: »In St. Georgen hätten wir aber noch mehr Ärger gehabt.« Wenn sich die Stadt nicht mit den Flächenbesitzern gütlich einigen kann, drohen Enteignungen. Salomon glaubt, dass es dazu nicht kommen wird. Haag ist weniger optimistisch: »Um die eine oder andere Enteignung werden wir wohl nicht herumkommen.« 15 Euro pro Quadratmeter sei rechtlich das Maximum, das die Stadt bezahlen dürfe – plus einem »Beschleunigungszuschlag« von 20 Prozent.

 

Ein zweites, nicht niederschwelliges Problem ist das Hochwasser. Um das zu bändigen, soll der kleine Dietenbach in einer 80 Meter breiten Auenlandschaft sich austoben können und alles aufnehmen, was von unten und von oben aufs Gewann drängt. Die ersten Bagger werden erst nach 2020 rollen, bis 2040 soll der neue Stadtteil auf 140 Fußballfeldern 11.500 Menschen Wohnraum bieten. Neben dem Naturschutzgebiet Rieselfeld-West.

 

Text: Lars Bargmann / Foto: ns