Die Bewohner des Stadtteils Mooswald haben Angst. Angst vor grölenden Fans, Müll in Vorgärten und zugeparkten Straßen. Es sind Ängste, die sich im Zorn auf die Freiburger Stadtverwaltung manifestieren, weil die zum einen ihre Befürchtungen nicht zerstreuen kann (sie steht erst am Anfang des Prozesses) und zum anderen die Anwohner nicht früher in die Standortsuche mit einbezogen hat.

Fläche der Begierde: Im sogenannten Wolfswinkel ist der nunmehr favorisierte Standort fürs SC-Stadion.

 

Jedenfalls sind sich die zukünftigen Vielleicht-Nachbarn der Fußballstätte schon heute einig, dass das Stadion auf dem Flugplatz längst ohne sie beschlossen wurde. Da helfen auch die Beschwichtigungsversuche von Oberbürgermeister Dieter Salomon wenig. „Noch ist nichts entschieden“, betonte er beim ersten Bürgergespräch am 7. Juni in der Messe – eine Aussage, die von vielen der rund 1000 Zuhörer mit Pfiffen und ungläubigen Ausrufen quittiert wird.

Auch die Berater von Ernst&Young, die sich für die Stadt auf die Suche nach dem passenden Standort gemacht haben, machen es den Freiburgern nicht leicht, an den Sinn einer Diskussion zu glauben – eine Alternative können sie nämlich nicht präsentieren. Die beiden anderen Standorte, die lange Zeit sogar favorisiert waren, werden inzwischen als gescheitert verkauft: Die Kleingartenanlage Hettlinger gebe keinen Platz für Trainingsplätze her, außerdem müsste wohl nicht nur die Frühlingsmesse neuen Parkplätzen weichen. Die zweite Option, das Gebiet Hirschmatten, scheide aufgrund des unweit geplanten neuen Stadtteils und der 300 Eigentümer aus, die dort auf den Flächen sitzen.

Da erscheint der kleine, grüne Keil auf dem Flugplatz wie ein Geschenk des Fußballgottes: Ein Stadion für 30.000 Besucher, Trainingsplätze und 1500 Parkplätze sollen auf die schmale Landzunge passen, die wohl weder den Motorflugbetrieb noch den Neubau der Uni tangieren würde.

Die Politik ist erleichtert, der Mooswälder Wutbürger erzürnt. Uschi Jautz, Sprecherin der eilig gegründeten Bürgerinitiative Pro Mooswald, die schon knapp 2000 Freiburger vereint, bringt die Fragen auf den Punkt: Wie will die Stadt gewährleisten, dass die Zugänge zum Stadion nicht verstopfen, dass die Bahngleise nicht auf freier Strecke überquert werden, die Lärmgrenzwerte eingehalten werden und die Durchlüftung der nördlichen Stadtteile trotz Stadion gewährleistet wird?

Es spricht für die Verwaltung, dass sie momentan noch keine Antworten auf diese Fragen hat. Es beweist, dass das Verfahren tatsächlich noch in den Kinderschuhen steckt. „Diese Fragen müssen durch Gutachten geklärt werden“, sagte Salomon.

Die einzige zu diesem Zeitpunkt sinnvolle Frage – auf die der Oberbürgermeister eine Antwort schuldig bleibt – kommt von Gisela Maas, der ehemaligen Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Mooswald: „Welchen Sinn machen neue, teure Gutachten, wenn bereits welche bestehen, die eindeutig belegen, dass hier nicht gebaut werden darf?“

So gibt es nicht nur zwei ältere Klimagutachten, sondern auch den Landschaftsplan 2020 aus dem Jahr 2006, die besagen, dass das Flugplatzareal als Frischluftschneise entscheidend das Stadtklima beeinflusst. Laut Bürgerinitiative sind auf der geplanten Stadionfläche momentan selbst Bäume nicht zulässig, und auch die Erweiterungsbauten der Uni müssen diesen Klimagutachten durch eine Höhenbeschränkung und Luftschneisen Rechnung tragen.

So könnte es sein, dass sich die Stadiondiskussion auf eine entscheidende Frage zuspitzt: Klima oder Wirtschaft? Es wird interessant sein zu sehen, wie das grüne Freiburg hier entscheidet.

Text: Tanja Bruckert / Foto: Norbert Blau