Aus den Boxen dröhnt Garagenpunk, im Kühlschrank stehen Fritz Cola und Bier, an den Wänden hängen die Schätze aus Stahl. Und noch ein fast unscheinbares Schwarzweiß-Foto eines prominenten Freiburgers: Fritz Sütterlin, Radler, Gründer des gleichnamigen Radgeschäfts in Merzhausen, lebende Legende und mit inzwischen 98 Jahren immer noch putzmunter. Als der „alte Fritz“, wie er heute genannt wird, als junger Radler im Frühjahr 1963 das Martinstor durchquerte, standen die Freiburger Spalier – 9042 gefahrene Kilometer in 30 Tagen waren neuer Langstreckenweltrekord.

Stehen auf gute alte Räder: Johannes Kratzert (li.) und Christoph Hammann-Kloss.

 

„Sütterlin steht für die gute alte Fahrradzeit, und wir stehen nun mal auf gute alte Fahrräder“, sagt Johannes Kratzert. Der 35-Jährige ist einer der beiden Macher von Super-rad. So heißt zum einen das Geschäft im Stadtteil Haslach gegenüber von Schmitz Katze, in dem Oldtimer auf zwei Rädern aufgepäppelt und verkauft werden. Zum anderen organisieren Kratzert und sein Kompagnon Christoph Hammann-Kloss, 33, unter gleichem Namen auch Fahrradtouren in der Region – auch jetzt im Winter.

 

Über dem Foto von Fritz Sütterlin an der Wand thront noch ein Rennrad aus dem Hause Sütterlin, das der Meister selber gefahren hat. „Das wurde um 1960 herum gebaut“, sagt Hammann-Kloss, zeigt auf Details wie die Schaltung und schwärmt von der Ästhetik des Chroms. An der anderen Wand, über Accessoires wie Retro-Fahrradkappen oder Taschen, hängt ein soeben restaurierter Renner aus dem Hause Gianni Motta, späte 80er Jahre, ein Schmuckstück. „Ab Mitte der 90er Jahre hat das mit der Technisierung begonnen“, erinnert sich Kratzert. Aluminium und Carbon wurden nun als Materialien verwendet, um jedes Gramm zu viel wurde gefeilscht. Und die Räder wurden immer ähnlicher. Wer als Autofahrer früher einen alten Strich-Achter-Benz gefahren ist und nun in einer dieser High-Tech-Schüsseln seine Runden drehen muss, weiß, wovon Kratzert spricht.


Auch als Kurier ständig am Abfahren: Christoph Hammann-Kloss.

 

„Man kann auch mit alten Rädern mit Stahlrahmen schnell fahren“, sagt Hammann-Kloss und lacht. Ihm nimmt man das ab, schließlich ist er seit 2007 Radkurier und hat die Firma Velokurier übernommen. Der Laden in Haslach ist ein Treffpunkt für die Kuriere und für die Mitglieder des Vereins „Fahrrad- und Kurierkumpels Freiburg“. Nicht nur Oldtimer werden hier zusammengeschraubt, auch Fixies, die schlanken Kurierräder aus den USA ohne Leerlauf, werden hier für den täglichen Straßengebrauch fit gemacht.

 

Zwischen Chrom und Bierflasche werden die nächsten Touren geplant, 2014 soll es sogar bis nach Sizilien gehen. Bei den Ausflügen geht es nicht um „schneller, besser, weiter“, sondern um den gemeinsamen Spaß; 10 bis 60 Leute sind dann unterwegs, Fremde sind immer willkommen. Die nächste Tour startet im Dezember, wenn die Autofahrer schon brav ihre Winterreifen aufgezogen haben und die Schönwetter-Radler ihren Renner schon lange in der Garage verpackt haben. „Selbst im Winter kann man Freude am Fahren haben, die Belohnung wartet dann in der warmen Hütte“, sagt Kratzert. Und Hammann-Kloss fügt hinzu: „Winterferien haben wir Kuriere ja auch nicht, es ist alles eine Frage der Kleidung.“ Und eine Frage des Sportsgeistes, was auch der alte Fritz bestätigen würde.

 

Text & Fotos: Dominik Bloedner