Nach Public Viewing und Downtown-Street-Party fällt in Freiburg schon die nächste Großveranstaltung aus: Wie die “Schlossbergfest Freiburg GmbH” soeben meldet, wird sie das traditionsreiche Lichterfest nicht nur in diesem Jahr, sondern vorraussichtlich überhaupt nicht mehr veranstalten. Die Geschäftsführer der Schlossbergfest Freiburg GmbH, Frank Böttinger, Jörg Dattler und Toni Schlegel, geben entnervt auf. „Es sind keine wirtschaftlichen Gründe, wir haben einfach keine Lust und Kraft mehr, das Fest gegen die Widerstände in der Stadtverwaltung zu organisieren. Die Zusammenarbeit mit den Entscheidungsträgern der Stadt, vor allem dem Leiter des Amts für öffentliche Ordnung, Walter Rubsamen, ist unzumutbar. Eine Unterstützung durch die Stadt haben wir ohnehin nie erfahren”, heißt es in einer Pressemeldung.

 

 

Toni Schlegel ist bereits seit 18 Jahren Mitveranstalter, Jörg Dattler und Frank Böttinger sind vor 12 Jahren dazugestoßen: „Wir haben das Schlossbergfest die ganzen Jahre über mit viel Engagement und Leidenschaft organisiert. Der Antrieb war für uns, etwas Besonderes für die Bürger und Gäste in dieser Stadt zu bieten, und die Tradition dieses wunderschönen Lichterfestes zu bewahren und weiter zu entwickeln. Es macht allerdings immer weniger Spaß, das wirtschaftliche Risiko (angesichts vieler verregneter Sommer) zu tragen und dieses quasi ehrenamtliche Engagement auf sich zu nehmen, wenn einem von Seiten der Stadtverwaltung immer neue Hürden in den Weg gelegt werden. Irgendwann mussten auch wir – als engagierter Bürger und Unternehmer in dieser Stadt – uns selbst fragen, „sollen wir uns das alles noch weiter antun?“.

 

 

 

Während die ersten 20 Jahre weitgehend reibungslos im Umgang mit der Behörde gewesen seien, sei es in den vergangenen 10 Jahren immer problematischer geworden. Jedes Jahr habe es neue Schwierigkeiten, Stress und Streit mit der Stadtverwaltung gegeben. Die laufend gestiegenen Gebühren waren nur eines der Probleme, viel schlimmer für die Veranstalter sei der Umgang mit dem Amt für öffentliche Ordnung und dessen Leiter gewesen: „Man kommt sich in dieser Stadt vor wie ein Bittsteller in einem Obrigkeitsstaat wilhelminischer Prägung. Das Verhalten der Akteure ist nach unseren Erfahrungen von der propagierten modernen dienstleistungsorientierten Stadtverwaltung, die für Bürger und Unternehmer unterstützend wirkt, weit entfernt“, heißt es.

 

Die Veranstalter liefern für ihre Sicht der Dinge Beispiele: Auflagen, die erst am letzten Tag vor der Veranstaltung erlassen wurden; die „Lex Capirinha“ (Spirituosenverbot wurde erst wenige Tage vor dem Fest bekannt, dann nach massiven Protesten wieder zurückgenommen); ungerechtfertigte Bußgeldbescheide wegen Lärmbelästigung wegen einer telefonischen Beschwerde eines einzigen Bürgers (wurden vor Gericht wieder einkassiert); Verstöße gegen den Datenschutz (höchst vertrauliche persönliche Schreiben des AfÖ, die persönlich zugestellt wurden, wurden bewusst zusätzlich an die öffentlich zugänglichen Faxgeräte der drei Geschäftsführer in Ihren jeweiligen Betrieben gefaxt, wo sie für alle Mitarbeiter einsehbar waren); laufende Einschränkungen in den Werbemöglichkeiten; restriktive Zufahrtbeschränkungen.

 

“Ein weiteres Engagement und die Fortführung des Schlossbergfestes können wir uns allenfalls vorstellen, wenn es irgendwann zu einer Veränderung in der Leitung des AfÖ kommen würde. Da dies nicht zu erwarten ist, wird das 30. Schlossbergfest zu unserem großen Bedauern auf absehbare Zeit auch das letzte unter Regie der Schlossbergfest Freiburg GmbH bleiben.”

 

Erst vor wenigen Tagen hatten Freiburgs Gastronomen nach dem Scheitern des Public Viewing im Eschholzpark in einer chilli-Umfrage Kritik an der Stadtverwaltung geübt. Kurz danach gaben die Veranstalter der Downtown-Street-Party auf chilli-Anfrage bekannt, dass auch dieses Straßenfest unter anderem wegen der hohen Auflagen in diesem Jahr ins Wasser fällt.

 

chilli