Die 52 Gemeinden im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hatten Ende 2013 nach Angaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg zusammen mehr als 215 Millionen Euro Schulden angehäuft. Umgerechnet auf die knapp 250.000 Einwohner entspricht das einer Pro-Kopf-Verschuldung von 854 Euro. Während in der Rheinebene angesiedelte Gemeinden wie Ehrenkirchen, Eichstetten oder Bötzingen schuldenfrei dastehen, stehen die im Hochschwarzwald gelegenen Gemeinden Titisee-Neustadt oder Feldberg relativ tief in der Kreide. Zufall? Nein.

Hohe Schulden: Wer hätte gedacht, dass die Feldberger Sau das letzte Wort hat.

 

Fast auf das Fünffache des Durchschnittswerts kommt die Gemeinde Feldberg: 4084 Euro betrugen die Pro-Kopf-Rückstände des Skiortes im vergangenen Jahr. Wer glaubt, das müsste politische Folgen haben, ist falsch gewickelt: Bürgermeister Stefan Wirbser leitet unbeirrt seit 18 Jahren die Geschicke der 1800-Einwohner-Gemeinde. Schlaflose Nächte bereiten ihm die statistisch exorbitanten Außenstände mitnichten, Schuldenmachen gehört in Feldberg zum Geschäft: „Es kommt nicht darauf an, wie viele Schulden man hat, sondern darauf, dass man sie bezahlen kann. Wenn man als Gegenwert die Einnahmen durch die Anzahl unserer Einwohner teilt, sind wir wahrscheinlich auch absoluter Spitzenreiter.“

Das Touristenziel, in das jährlich gut 450.000 Wintersportgäste strömen, müsse eben viel aufwenden, um diesen Betrieb aufrechtzuerhalten. Allein 20 Millionen Euro flossen seit der Jahrtausendwende in den Ausbau und den Erhalt des Skiliftnetzes. Ein weiterer großer Posten sind die Straßenräumdienste: Im vergangenen Jahr flossen 220.000 Euro auf die Gemeindedeckel. „Das hat eine Gemeinde im Kaiserstuhl so natürlich nicht“, sagt Wirbser, „das sind eben meist Wohngemeinden, die ihre Infrastruktur von der Stadt Freiburg geboten bekommen.“ Dort liegt die Pro-Kopf-Verschuldung aktuell bei 3551 Euro, allerdings stammen die zumeist aus rentierlichen Schulden, der Kernhaushalt belastet jeden Einwohner nur mit 985 Euro.

In vielen Bereichen machen sich Unterschiede in der Lage und der Fläche der Gemeinden bemerkbar: So verteilen sich die Bewohner Feldbergs zwischen 900 und 1500 Höhenmetern – was sich besonders bei der Wasserver- und Abwasserentsorgung bemerkbar macht, wie Wirbser erläutert: „Das erfordert unendlich lange Leitungsnetze, die aufgrund des Touristenbetriebs für Spitzenbedarf ausgerichtet sein müssen.“ An besonders sonnigen Wintertagen weilen bis zu 12.000 Menschen auf dem Berg.

Das Problem mit den Wasserleitungen teilen auch andere Gemeinden im Hochschwarzwald. Etwa Titisee-Neustadt, wo Kämmerer Andreas Graf allein im Bereich der Eigenbetriebe eine Pro-Kopf-Verschuldung von 2067 Euro aufzählen muss: „Wir sind eine Flächengemeinde, da hängen viele Täler dran, und so gehen jedes Jahr mehrere Millionen Euro in die Kläranlage und ins Kanalnetz.“

Der Hochschwarzwald sei eine strukturschwache Region, meint Graf, „deswegen stecken wir ja auch so viel Geld in den Kurbetrieb, während die da unten ihr Geld in Gewerbegebiete investieren und so noch mehr Einnahmen verzeichnen.“ Seiner Meinung nach zieht sich eine Schuldenschneise durch die Region: „Der Landkreis ist durchs Höllental zweigeteilt. Wir hier oben haben Standort- und Strukturnachteile, die sich im Schuldenstand widerspiegeln.“

Wirbser sieht sogar Handlungsbedarf vonseiten der Regierung: „Ich finde es nicht richtig, dass eine Gemeinde im Breisgau vom Land das gleiche Geld für einen Kilometer Straße zum Unterhalt bekommt wie wir, obwohl wir den zehnfachen Aufwand haben.“ Unten im Tal steht man solchen Forderungen gelassen gegenüber. „Natürlich ist das ungleich, weil jede Gemeinde auch andere Aufgaben hat“, weiß etwa der Gottenheimer Rechnungsamtsleiter Thomas Barthel, „dafür müssen wir den Weinbau subventionieren.“ Auch in seiner Gemeinde ist das Thema Wasser und Abwasser eines, das auf den Geldbeutel drückt: Knapp 3,2 Millionen Euro belasten den Gottenheimer Haushalt. Damit landet die Gemeinde trotz aller Standort- und Strukturvorteile auf Platz sieben bei der Pro-Kopf-Verschuldung im Bereich der Eigenbetriebe.

Eine Ausnahme? Etwas weiter oben in der gleichen Rangliste finden sich weitere Orte aus der Rheinebene: So hat das beschauliche Ihringen 9,9 Millionen Euro Schulden im Bereich Eigenbetriebe, was den Weinort immerhin auf Rang drei hinter Titisee-Neustadt und Freiburg bringt. Auch Neuenburg auf fünf und Stegen auf sechs sind von der Finanzierung der Eigenbetriebe stark gefordert. Die Erklärung ist einfach. Alle drei Orte haben sich in den vergangenen Jahren mit hohen Summen am Kompas-Modell des Energieanbieters Badenova beteiligt (Ihringen: 6 Millionen Euro, Neuenburg: 5,2, Stegen: 3,2). „Diese Schulden können wir aber mit den Renditen tilgen, die wir aus der Investition bekommen“, erklärt Ihringens Kämmerer Oliver Lehmann, „und dann bleibt sogar noch etwas übrig.“ Ein Schuldenproblem also, das eigentlich keines ist.

Zurück in den Hochschwarzwald. Hinterzarten ist im Landkreis die am zweithöchsten verschuldete Gemeinde, den Haushalt belastet vor allem der Betrieb der Adlerschanze. Allein die Erneuerung der Liftanlagen schlug 2013 mit einer Million Euro zu Buche. 2014 muss ein neuer Trainerturm gebaut werden. Diese Vorhaben, die vom Land bezuschusst werden, sind keineswegs unumstritten, wie Kämmerer Steven Hausen einräumt: „Das ist ganz prekär und bei uns eigentlich immer in der Diskussion. Am liebsten will ich dazu gar nichts sagen.“ Muss er auch nicht, die Zahlen sprechen für sich. Und gegen die Gemeinden östlich des Höllentals.

Text: Felix Holm / Illustration: Carlo Büchner

 

 

Info: Schulden pro Einwohner
Quellen: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stadt Freiburg, Badenova

Gesamtschulden:
1. Feldberg: 4084 Euro
2. Freiburg: 3551 Euro
3. Hinterzarten: 2642 Euro
4. Titisee-Neustadt: 2374 Euro
5. Ihringen: 2071 Euro
6. Eisenbach: 1906 Euro
7. Löffingen: 1759 Euro
8. Neuenburg am Rhein: 1677 Euro
9. Stegen: 1332 Euro
10. Glottertal: 1148 Euro

Kernhaushalt:
1. Feldberg: 2618 Euro
2. Hinterzarten: 1584 Euro
3. Eisenbach: 1298 Euro
4. Friedenweiler: 1142 Euro
5. Pfaffenweiler: 1094 Euro
6. Auggen: 1051 Euro
7. St. Märgen: 1010 Euro
8. Freiburg: 985 Euro
9. Breitnau: 924 Euro
10. Au: 888 Euro

Eigenbetriebe/Beteiligungen:
1. Freiburg: 2566 Euro
2. Titisee-Neustadt: 2067 Euro
3. Ihringen: 1692 Euro
4. Feldberg: 1466 Euro
5. Neuenburg am Rhein: 1328 Euro
6. Stegen: 1120 Euro
7. Gottenheim: 1173 Euro
8. Hinterzarten: 1058 Euro
9. Löffingen: 1043 Euro
10. Müllheim: 738 Euro