Das stille Wirken war sein Metier: Nach fast 16 Jahren hat sich Gerhard Meier vom Amt des städtischen Liegenschaftschefs in den Beinahe-Ruhestand verabschiedet. Der 63-Jährige kann jetzt ein bisschen lauter sein: Die Motoren seiner Oldtimer zu Gehör bringen oder mit dem Flieger und Frau Monika nach Namibia düsen. Als Geschäftsführer der Freiburger Flugplatz GmbH will der Familienvater noch bis 2015 weitermachen, „wenn mich nicht der Schlag trifft“.

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42 Jahre lang arbeitete Meier fürs Rathaus, unter anderem im Rechnungsprüfungsamt (wo er lernte, die Lebensdauer von Bleistiften durch einen Aufsatz zu verlängern), dann im Presseamt, später als Verwaltungsdirektor am Stadttheater, bis er 1997 das Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen übernahm. 866 Millionen Euro hat der Hobbypilot in der Zeit für seinen Dezernenten Otto Neideck erlöst. 660 kamen aus Grundstückverkäufen wie dem Alten Messplatz, dem Kepler Park, IKEA, Möbel Braun, im Rieselfeld oder am Flugplatz. Grundstücksgeschäfte sind stille Geschäfte, „wir haben hektarweise Äcker, Wald und Wiesen gekauft, um die dann zu entwickeln, zu tauschen oder als Ausgleichsflächen parat zu haben“, erzählt er beim Redaktionsbesuch. Kaum einer weiß früher, welche Flächenentwicklungen in den nächsten Jahren politisch anstehen. „Wenn die Verkäufer das wüssten, tendiert deren Bereitschaft, zu vernünftigen Preisen etwas zu verkaufen, gegen Null.“

Zu seinen größten Erfolgen zählt er neben der Rettung des Ausflugslokals St. Valentin das Reihenhausprogramm in Weingarten, das im Bundesbaublatt Mai 2004 als beispielgebend erwähnt worden war. „Ich war mir nicht zu fein, mir das in Karlsruhe abzuschauen, wo sie so eine Entwicklung schon gemacht hatten.“ Die Stadt hatte die Flächen einst an die Evangelische Kirche verkauft, aber mit einem Rückkaufsrecht zum damaligen Verkaufspreis, wenn die Kirche nach 30 Jahren dort nicht selber preiswerten Wohnraum geschaffen habe. Ein guter Deal. Umgesetzt wurde es dann mit dem „natürlichen“ Partner Freiburger Stadtbau GmbH.

Aber auch andere Entwicklung gingen federführend über Meiers Schreibtisch am Fahnenbergplatz: der kluge Tausch von Grundstücken am Sportplatz in Opfingen, die Bebauung am Kapellenweg, die Entwicklung des forstlichen Versuchsgartens in Günterstal oder der Breisacher Hof, in dem aktuell das erste Haus gebaut wird. „Böhme (Alt-OB, d. Red.) hatte mal gesagt, das baulich zu verändern, sei hoffnungslos“. Am langen Ende setzte sich Meier durch. Die Zusammenarbeit mit Neideck sei, so sagen es Amtsleiter eben, „sehr offen und vertrauensvoll“ gewesen, der Finanzbürgermeister habe „viel gefordert, Leitung aber auch anerkannt“.

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Anerkannt war Meier auch am Theater, wo er 18 Jahre lang wirkte. „Das hat mich aber irgendwann extrem verschleißt, fast jedes Wochenende gab es etwas zu regeln.“ Wohl deshalb sind Meiers Vorgänger beide schon mit 56 frühzeitig in Rente gegangen. Er sieben Jahre später. Das waschechte Bobbele will sich nun verstärkt für den Erhalt des Flugplatzes ins Zeug legen: „Es gibt in Deutschland keine Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern, die keinen Flugplatz hat“, sagt er und erklärt auf einer Karte, dass zwei Drittel der Fläche schon dem Land gehören und dass auf den Rest einfach kein Stadion mehr passt.

Der Freiburger Flugplatz hat eine 100-jährige Geschichte, „die darf man nicht wegwerfen.“ Im April geht es nun erst einmal nach Namibia, dann will sich Meier um seine „technischen Kulturgüter“ kümmern, einen Sunbeam und zwei Dinos. Und er hätte auch mal Zeit für Literatur. Welches Buch er zuletzt gelesen hat? „Die Reparaturanleitung für den Dino Spider, die ist so spannend, dass man sie auch mehrmals lesen kann.“

Text: Lars Bargmann / Fotos: Privat