Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre hat mindestens je ein Profi vom SC Freiburg und vom VfB Stuttgart das Anabolikum Megagrisevit vom berühmt-berüchtigten Freiburger Sportmediziner Armin Klümper bekommen. Mit dem Wissen der Vereine. Das machte Andreas Singler von der Evaluierungskommission zur Aufklärung der Dopinghistorie der Freiburger Sportmedizin öffentlich, die vor fast acht Jahren wegen des Freiburger Dopingskandals beim Radfahr-Team Telekom/T-Mobile gegründet worden war.

 

Beide Clubs teilten hernach mit, dass sie an einer lückenlosen Aufklärung größtes Interesse hätten. Wer genau die unerlaubten Mittel bekommen hat, geht aus den 60 Klümper-Akten nicht hervor. Aber auch ohne die Namen ist es ein Skandal, den Singler in die Öffentlichkeit gebracht hat. Dass in dem Zeitraum Jogi Löw bei beiden Vereinen kickte, ist nur eine Randnotiz. Offen bleibt die Frage, warum Singler, der am Heidelberger Zentrum für Dopingprävention arbeitet, im Alleingang ohne Zustimmung seiner Chefin Letizia Paoli handelte. Aus Misstrauen?

 

Die Evaluierungskommission hat Beweise. Auch für ein flächendeckendes Doping im Radsport. Der Fußball aber galt und gilt auch heute noch allenfalls als Nebenbühne für Dopingpraktiken. „Gezeigt werden können erstmalig die Strukturen des Dopings im Fußball am Beispiel der hauptverantwortlichen Mitwirkung von Prof. Dr. Klümper inklusive der Finanzierung solcher Aktivitäten durch die Vereine”, schrieb Singler.

 

Der SC will mehr wissen: Er hat an Kommission und Paoli geschrieben. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe aber noch keine Antwort erhalten. Dem VfB hatte Paoli „mit tiefem Bedauern“ mitgeteilt, dass es der Kommission nicht möglich sei, der Öffentlichkeit, den Vereinen oder auch dem Bund Deutscher Radfahrer Gutachten oder Unterlagen vor der Veröffentlichung des Abschlussberichts zugänglich zu machen.

 

Löw hat sich derweil von den Vorwürfen gegen seine alten Vereine distanziert. Doping habe im Sport nichts verloren, das gelte für ihn als Spieler und gilt auch für den Bundestrainer.

 

Text: bar