Die Freiburger Messegesellschaft muss im laufenden Jahr einen heftigen Umsatzrückgang hinnehmen. Von mehr als 30 Millionen Euro in 2012 werden die Erlöse auf etwa 24 Millionen zurückgehen. Warum die Chefetage trotzdem zufrieden ist, das erzählten Messe-Geschäftsführer Klaus Seilnacht und Abteilungsleiter Daniel Strowitzki im Gespräch mit Lars Bargmann und Tanja Bruckert.

 

chilli: „Wir feiern trotzdem“ singen Fußballfans zuweilen trotzig nach Niederlagen. Sie lächeln trotzdem, wieso?

Seilnacht: Weil wir unterm Strich ein gutes Jahr hatten. Der Rückgang hat zum einen mit der Interbrush zu tun, die ja nur alle vier Jahre stattfindet, und zum anderen natürlich mit der Intersolar, und auf die gegenwärtige Marktlage dieser Branche haben wir keinen Einfluss. Wichtig für uns ist, dass die Intersolar sich als Weltleitmesse behauptet hat. Andere Solar-Messen müssen weit mehr Rückgang verkraften. Wir sind und bleiben die Nummer eins.

 

Vier Hände voll zu tun: Klaus Seilnacht (re.) und Daniel Strowitzki. Bild: Tanja Bruckert.

Vier Hände voll zu tun: Klaus Seilnacht (re.) und Daniel Strowitzki. Bild: Tanja Bruckert.

 

chilli: Wir fragen trotzdem: 2011 waren in München 169.000 Quadratmeter mit Ausstellern voll, 2012 noch 152.000 und in diesem Jahr nur noch 110.000. Ist die Intersolar das Sorgenkind der Messe?

Seilnacht: Kein Sorgenkind. Wir sind froh, dass wir die Intersolar in unserem Portfolio haben. Die ist zwischen 2007 und 2011 immer mit 30 bis 50 Prozent Wachstum gelaufen. Wir rechnen damit, dass sie zwar auch im kommenden Jahr noch einmal leicht verliert, 2015, 2016 dann die Branche konsolidiert ist und danach wieder leicht wachsen wird. Solarenergie ist immer noch Zukunftsenergie. Und 24 Millionen Euro Umsatz ist für eine Messe wie Freiburg immer noch ein sehr hohes Niveau. Ein Niveau, das vergleichbare Messeplätze nicht aufweisen können.

 

chilli: Sind die Entwicklungen an den anderen Intersolar-Spielorten ähnlich?

Seilnacht: Europa hat es wegen der politischen Lage und der Debatte um Einspeisevergütungen am stärksten getroffen.

 

chilli: Schrumpft San Francisco?

Seilnacht: Die Besucherzahlen sind mit 19.000 stabil, die Zahl der Aussteller ging um 15 Prozent auf 576 zurück.

 

chilli: Wie ist die Entwicklung im indischen Mumbai?

Seilnacht: Dort haben wir leichte Zuwächse auf 8000 Besucher, die Ausstellerzahl ist stabil. Indien ist ebenfalls kein Zuschussgeschäft mehr, also positiv.

 

chilli: In Peking?

Seilnacht: Da gehen wir im März wieder auf eine Kongressmesse. China ist ein schwieriger Markt. In Shanghai ist die große Solarmesse schon jahrelang am Markt, viele kleinere schrumpfen.

 

chilli: Sie haben China bisher mit der Messe München International (MMI) beackert. Nun haben Sie einen neuen Partner?

Seilnacht: Um in China Erfolg haben zu können, brauchst du einen chinesischen Partner.

 

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Klaus Seilnacht. Bild: Tanja Bruckert.

 

chilli: Die Intersolar South America feierte 2013 ihre Premiere in São Paolo. Mit welchem Erfolg?

Strowitzki: Wir hatten eine sehr gute Premiere mit 65 Ausstellern und 3000 Fachbesuchern. Auf dem noch jungen Solarmarkt in Südamerika setzen wir auf Wachstum.

 

chilli: Ein solches hat die Genießermesse Plaza Culinaria schon erstaunlich hingelegt.

Seilnacht: Die diesjährige Plaza war ein absolutes Highlight mit einem Besucher- und Ausstellerrekord.

 

chilli: Es ist bemerkenswert, dass die Plaza an drei Tagen mehr als die Hälfte des gesamten Baden-Messe-Publikums holt. Aber ist mit 38.000 Gästen das Ende der Fahnenstange erreicht? Es herrschte dichtes Gedränge …

Strowitzki: Diese Plaza hatte mehr Besucher als die letzte Intersolar in Freiburg (2007, d. Red.), das ist aller Ehren wert.

Seilnacht: Es ist zu überlegen, ob räumlich und/oder zeitlich noch was zu machen ist. Das fragen wir gerade die Aussteller. Bei der Zahl der Aussteller  glaube ich nicht mehr an ein quantitaives Wachstum, hier können wir allenfalls noch qualitativ wachsen.

 

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Daniel Strowitzki. Bild: Tanja Bruckert.

 

chilli: 2014 wird die zweite Auflage der Ingenieursmesse Econstra laufen, die Premiere war von der Besucherzahl enttäuschend. Wie haben Sie reagiert?

Strowitzki: Das Manko war die Besucherzahl am dritten Tag, der ein Samstag war. Jetzt machen wir es an zwei Tagen, unter der Woche und hoffen, dass es besser läuft.

 

chilli: Was für Neuheiten gibt es 2014?

Seilnacht: Wir machen bei der Intersolar erstmals in einer 11.000 Quadratmeter großen Halle den Themenbereich Electrical Energy Storage. Da geht ums Speichern von Sonnenenergie. Wir haben eine bestehende Veranstaltung – die ees –  eingekauft, weil das Thema enormes Potenzial hat. Und wir steigen in Freiburg bei der Messe „Marktplatz Arbeit“ als Mitveranstalter ein und peilen da 2014  rund 150 Aussteller an. Dieses Jahr waren es 100. Das wäre eine enorme Steigerung.

Strowitzki: Zudem haben wir die erste internationale Schmuckmesse in Freiburg, die aus dem Stand drei Hallen belegt, und wenn die Rothaus-Arena zu der Zeit nicht schon belegt gewesen wäre, wäre die vielleicht auch noch voll geworden. Die Nachfrage ist hervorragend.

Seilnacht: Und dann lösen wir noch die Messe fit for life aus der cft heraus und führen ab 2015 eine eigenständige Gesundheitsmesse durch. Wir haben also genug zu tun.

 

chilli: Auch hinter den Kulissen mit der Freiburger Stadtspitze.

Seilnacht: Sie spielen auf die neue Zielvereinbarung an.

 

chilli: Die legt vor allem fest, wie viel Zuschüsse die Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH von 2014 bis 2018 vom Rathaus bekommt. Da wird schon ein bisschen gerungen werden. Wir nehmen aber mal an, dass Sie uns jetzt sagen werden, dass sie bei den Verhandlungen auf einem guten Weg sind und am Ende eine für beide Seiten gute Vereinbarung abschließen werden?

Seilnacht (lacht): So ist es.

 

chilli: Herr Seilnacht, Herr Strowitzki, vielen Dank für dieses Gespräch.

 

 

 

Die Seilnacht-Weihnachtsinterviews:

2012

2011

 

Text: Lars Bargmann & Tanja Bruckert