Mit Soja verbindet so mancher Gentechnik und abgeholzte Regenwälder, andere das Trendprodukt Tofu. Die Pflanze wächst auch bei Freiburg – hier jedoch immer gentechnikfrei und meist biologisch. Das Klima ist günstig. Der größte Bio-Tofuhersteller des Landes produziert in der Stadt.

 

Gentechnik, nein danke: Lebrecht Schneider baut bei Umkirch Bio-Soja an.

 

Etwas unruhig läuft Lebrecht Schneider über sein Sojafeld bei Umkirch. Die grünen Pflanzen des riesigen Ackers reichen ihm bis zum Knie: „Die Hitze macht den Pflanzen zu schaffen“, sagt Schneider, einer der zwei Chefs des Biolandhofs Dachswanger Mühle. Die Gewächse bräuchten viel Pflege – und viel Wasser. Seit Tagen hat es nicht mehr geregnet. 30 Hektar Soja baut er an, Schneider ist damit einer der größten Sojabauern am Oberrhein.

 

Unzählige Landwirte in Deutschland machen es Schneider gleich, denn die eiweißhaltigen Bohnen der Sojapflanzen sind gefragt: Bundesweit wurden 2012 etwa 5000 Hektar angebaut. 2015 dürften es allein in Baden-Württemberg und Bayern schon 11.000 Hektar sein. So viel wie nie zuvor. 4000 Hektar Anbaufläche sind es laut offiziellen Zahlen in Baden-Württemberg. Die Pflanzen sind gentechnikfrei, denn gentechnisch manipuliertes Soja anzubauen, ist in der EU verboten.

 

Der Boom hat Gründe: Sojabohnen sind ein „wichtiger Baustein für eine nachhaltige Landwirtschaft“, informiert die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die Pflanze enthält hochwertiges und hochkonzentriertes Eiweiß. Sie ist damit wichtig für vegetarische Ernährung und als Tiernahrung. Um unabhängiger von Importen aus Übersee zu werden, hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag eine Eiweißpflanzenstrategie definiert. Bis zu vier Millionen Euro sollen dafür im laufenden Jahr bereitgestellt werden. Bauern werden so beim Anbau beraten und unterstützt sowie die Pflanze erforscht.

 

Einer der großen Sojaverarbeiter des Landes ist die Life Food GmbH in Freiburg, die Tofuprodukte mit den Labels Taifun und Tukan bio&vegan herstellt. Sie arbeitet mit 100 Vertragslandwirten zusammen, die dafür ausschließlich Biosoja produzieren. Mit 230 Mitarbeitern produziert die Firma jährlich 5000 Tonnen Tofuprodukte und 30 Millionen Euro Umsatz.

 

Seine Bohnen werden in Freiburg zu Taifun-Tofu verarbeitet.

 

90 Prozent des Taifun-Sojas kommt aus Mitteleuropa, sagt Taifun-Anbauberater Fabian von Beesten. Ein Drittel werde in Baden-Württemberg und dem Elsass angebaut. Gerne würde von Beesten noch mehr Anbau am Oberrhein machen lassen: „Wir kriegen weltweit keine besseren Sojabohnen als von hier!“

 

Die Anbaumenge wachse hier aber nur langsam, da die Ökolandwirtschaft stagniere. Dennoch spricht von Beesten von einer „Erfolgsgeschichte“. Um auf diese aufmerksam zu machen, hat Taifun eine Aktion gestartet: Vertragsbauern stellen neuerdings kleine Schilder auf ihre Felder mit dem Hinweis, dass sie gentechnikfreies Soja anbauen. So soll der Anbau sichtbarer werden.

 

Eines der Schilder steht auch auf Lebrecht Schneiders Feldern. Seit fast 20 Jahren pflanzt er schon Bio-Sojabohnen, die Life Food GmbH hatte ihn damals dazu gebracht. „Wir haben mit drei Hektar angefangen, jetzt sind es 30“, sagt Schneider. Das Hauptproblem sei, das Unkraut in den Griff zu kriegen. Dafür brauche es eine besondere Hacktechnik. Auch eine gute Bewässerung sei unverzichtbar. Klima und Boden am Oberrhein seien in jedem Fall bestens für den Anbau geeignet.

 

 

Sojaanbau – Viel Gentechnik, viel Tierfutter

 

Soja wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen angebaut, mithilfe von Gentechnik und Insektiziden. Die globale Anbaufläche beträgt inzwischen über 90 Millionen Hektar, informiert die Umweltorganisation WWF. Das ist fast die dreifache Größe der Bundesrepublik. 80 Prozent der Soja-Weltproduktion werden zu Mehl verarbeitet, das als Futtermittel verwendet wird.

 

Text: Till Neumann / Fotos: tln, Life Food GmbH