Ist Freiburg eine Musikstadt? Die jüngsten Erfolgsstorys der drei Musiker Dieter Ilg, Moritz Kallenberg und Frederik Heisler sprechen ein gewichtiges Wort dafür. Alle drei Freiburger sind in den vergangenen Monaten mit äußerst renommierten Musikpreisen ausgezeichnet worden. Drei Kurzportraits.

 

Dieter Ilg: Der Klassiker der Jazzszene

 

Den Echo hat der Freiburger Bassist Dieter Ilg im Bereich Jazz bekommen, ausgezeichnet wurde er jedoch für ein Album, dessen Titel vor allem Opernfreunden bekannt sein dürfte: Auf „Parsifal“ sind Ilgs Versionen von Wagners Musik zu hören. Und auch seinen ersten Echo Jazz gab es für ein Opernalbum: seine Bearbeitung von Verdis „Otello“.

 

Ilg2

 

Klassik und Jazz gehen für den Musiker schon immer Hand in Hand. Mit klassischer Musik ist er im Elternhaus in Offenburg aufgewachsen, und obwohl seine Leidenschaft bereits im Jugendalter dem Jazz galt, hat er klassischen Kontrabass an der Musikhochschule Freiburg studiert.

 

Aus dem Jazz heraus hat der 52-Jährige nun einen neuen Zugang zu Wagner und Verdi gefunden – der allerdings nicht bei jedem gut ankommt. „Viele klassisch Interessierte wehren sich dagegen, dass man mit einem moderneren Ansatz an die Musik geht“, so der Jazzbassist, „und auch Jazzliebhaber sind davon oft nicht angetan.“

 

Dabei stünden sich Jazz und Klassik näher, als mancher glaubt. „Für mich gibt es inhaltlich keine großen Unterschiede – schon das Jazzinstrumentarium ist fast ausschließlich europäisch“, so Ilg, „die Unterschiede werden von den Leuten gemacht, die die Musik ausführen, verkaufen, interpretieren und für sich behalten wollen.“

 

Moritz Kallenberg: Der Coole der Klassikszene

 

Dass er sich für den Carl-Seemann-Preis beworben hat, wusste Moritz Kallenberg gar nicht. Nach einem Vorsingen für den Mendelsohn-Wettbewerb in Berlin hatte der Gesangsstudent plötzlich nicht nur eine Einladung in die Hauptstadt, sondern auch den Preis des Fördervereins Musikhochschule in der Tasche

 

Kallenberg-(c)-Leuchtner

 

Für den 25-Jährigen eine weitere Stufe auf einer steilen Karriereleiter: Bis zu seinem 18. Lebensjahr singt Kallenberg in einem Knabenchor, danach folgen Auftritte an der Oper Stuttgart, am Theater Freiburg und an der Rathausoper Konstanz. Vorläufiger Höhepunkt: Im April tritt er zusammen mit den Berliner Philharmonikern bei den Osterfestspielen Baden-Baden auf. „Das musikalische Niveau war sehr hoch“, erzählt der gebürtige Reutlinger, „und ich habe einige faszinierende Musiker kennengelernt.“ Unter anderem Sir Simon Rattle, den Chefdirigenten der Philharmoniker, der ihn gleich für den Rosenkavalier bei den nächsten Osterfestspielen verpflichtet hat. „Das ist ein ziemlich großes Geschenk“, jubelt der junge Sänger, der selbst als Jugendlicher im Knabenchor nur ein Ziel hatte: „so cool zu sein, wie die Solisten da vorne.“

 

Frederik Heisler: Jung und aufstrebend

 

Das renommierte Jazz-Magazin „Downbeat“ aus den USA vergibt alljährlich seine Awards. Ein Preisgeld gibt es nicht, aber Gewinner wie der Freiburger Frederik Heisler, dessen „Magnetband“ im vergangenen Jahr den Downbeat Student Music Award in der Kategorie „Blues-Rock-Pop“ gewonnen hat, wissen durchaus, was er wert ist: „Seit wir diesen Nachweis haben, ist es viel leichter geworden, Konzerte zu organisieren. Dieser Preis ist wie ein Gütesiegel, das für die Qualität unserer Musik bürgt, was es einem Veranstalter, der uns noch nie gesehen hat, dennoch leicht macht, uns zu buchen.“

 

Eine Folge des Awards: Im kommenden Juli tritt die von dem 26-jährigen Drummer gegründete Band im Vorprogramm eines Konzertes der deutschen Jazz-Ikone Til Brönner in Mainz auf.

 

heisler2_klaus-polkowski

 

Wo seine Liebe zur Musik herkommt, danach muss man bei dem Schlagzeugstudenten nicht lange suchen: Frederiks Vater Alex ist auch weit über die Grenzen Freiburgs hinaus als Organisator und Gründer des Freiburger Zeltmusikfestivals bekannt. „Er ist der größte Förderer, Freund, Berater, Kritiker, Helfer und Vermittler, den ich habe und den wir auch als Band haben. Durch seine Vernetzung kann er uns tierisch viel ermöglichen.“ Die preisgekrönte Musik machen die Jungs aber immer noch selbst.

 

Text: Tanja Bruckert, Felix Holm / Bilder: Leuchtner, Klaus Polkowski, Till Brönner