Warum die Freiburger phasea Baugestalt in die Pleite schlidderte

Unter dem Aktenzeichen 58 IN 264/14. ist beim Freiburger Amtsgericht das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Freiburger phasea Baugestalt GmbH gelistet. Gegen den Geschäftsführer Holger Bollwerk liegt ein Haftbefehl vor, der zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe gegen Auflagen ausgesetzt war. Es spricht einiges dafür, dass die Insolvenz noch andere Firmen in einem dichten Unternehmensgeflecht mitreißt. Nach Informationen des Stadtmagazins chilli hat der im Impressum der phasea-Website noch als Mitgeschäftsführer aufgeführte Olaf Nielsen das Unternehmen schon vor Monaten verlassen. Es geht um einen Schaden in Millionenhöhe.

 

Anfang August zeigte sich Bollwerk bei der Freiburger Staatsanwaltschaft selbst an. Wegen Betrugs und Untreue. Entsprechende Informationen bestätigt Oberstaatsanwalt Michael Mächtel. Momentan ermittelt die Kriminalpolizei. Auch sind schon Unterlagen in den Geschäftsräumen der phasea in der Emmy-Noether-Straße im Solar Info Center am Flugplatz beschlagnahmt worden. Zum Verwalter – und damit auch zum Bevollmächtigten für jeglichen Geldtransfer – bestellte das Insolvenzgericht den Freiburger Anwalt Thilo Braun. „Wir werden die phasea Baugestalt GmbH sehr kurzfristig schließen.“ Er stehe sowohl mit Bollwerk als auch mit der Staatsanwaltschaft in Kontakt, wollte viel mehr zu der Pleite aber nicht sagen.

Werbestelle vor dem Solar Info Center: Womöglich wird der Schriftzug phasea Baugestalt hier bald fehlen.

 

Dem Vernehmen nach hat Bollwerk sich in seinen zahlreichen Firmen verheddert und Gelder kreuz und quer verschoben. Da gibt es eine Freiburg Consult GmbH, eine Kern & Bollwerk Wohnbau GmbH, eine Phasea Green Immo GmbH, eine TENBAY GmbH. Da gibt es eine wohnprojekt + beratung und Entwicklung GmbH in Karlsruhe, in der Bollwerk mal die Geschäfte führte, oder auch eine „Aktiv Wohnen – Freiburg GmbH“, deren einstiger Geschäftsführer ebenfalls Bollwerk war.

 

Im aktuellen Fall hat der Mann, den manche aus der Baubranche als „merkwürdigen“, andere wieder als „gutmütigen“ Unternehmer bezeichnen, offenbar mehrfach Gelder von einer Firma auf andere Firmen transferiert, auch Geld etwa, das eine Baugruppe aus Tübingen mitten im Bau plötzlich auf ein anderes Konto zahlen sollte. Und das – warum auch immer – auch getan hat. Auf dieses Geld warten nun dort die Handwerker, um die Wohnungen fertig zu bauen. Allein: Es ist weg.

 

Allein in Tübingen ist von einem Schaden von 800.000 Euro die Rede, von gefälschten Kontoauszügen und anderen Papieren. Insgesamt soll es um 2,4 Millionen Euro gehen, erzählen Insider. Wohin das Geld geflossen ist, ist offen.

 

Große Summen für eine Firma, die nur ein Dienstleister ist: Die phasea Baugestalt kauft keine Grundstücke, sie baut nicht auf eigenes Risiko, sie organisiert nur Baugruppen und betreut diese. Und sie tritt als Maklerin auf: Auf der Homepage ist die alte Villa eines mit Zeitungsabos zum Multimillionär gewordenen Unternehmers in Emmendingen für 3,55 Millionen Euro zu haben. An dieser Immobilie haben sich unterdes sicher schon ein halbes Dutzend Makler probiert. Es gibt eine kleine Reihenhaussiedlung in Pfaffenhofen, eine Bürofläche im Neubaugebiet Innere Elben in Freiburg, zwei Wohnungen in Hugstetten.

 

Baugruppen strahlen gerade aufs Freiburger Rathaus einen sehr großen Charme aus. Sie werden bei der Vergabe von Grundstücken, etwa im Neubauviertel Gutleutmatten oder auch auf dem Güterbahnhof, gerne bevorzugt behandelt. Anders als bei einem Bauträger aber sind die vielen „Häuslebauer“ in einer Gruppe mit einem Architekten oder eben einer phasea vornedran nicht so gut durch die Makler- und Bauträgerverordnung geschützt. Ein Bauträger etwa kann seinen Käufern nicht einfach sagen, dass sie die nächste Rate mal eben auf ein anderes Konto überweisen sollen. „Die fehlende Sicherheit von Baugruppen wird im Rathaus gerne ausgeblendet“, sagt eine Expertin.

 

Bollwerk selber war für die Redaktion nicht zu sprechen. Ob er mit seiner Selbstanzeige einer von Geschädigten zuvorgekommen ist, war nicht zu klären. Es spricht manches dafür. Ob der Staatsanwalt Anklage erheben wird, ist ebenfalls noch offen.

 

Text & Foto: Lars Bargmann