Im Jahr 2005 investierte die Freiburger Stadtbau GmbH (FSB) 26,4 Millionen Euro in ihren Wohnungsbestand und den Neubau. Im vergangenen Jahr waren es 52,4 Millionen. Nicht der einzige Beleg für die wirtschaftliche Stärke der städtischen Tochter, deren Geschäftsführer Ralf Klausmann unlängst seine Bilanz vortrug, kurz zuvor den Vertrag fürs integrative Hotel auf dem M1-Gelände unterschrieb, wenig später für einen Hotelneubau am Keidel-Bad warb und mit dem Projekt Sternenhof eine der derzeit äußerst raren Neubauvorhaben auf dem Eigentumswohnungsmarkt anbietet.

Wenn es nur annähernd so wird, dann ist das M1-Ensemble ein Hingucker am Quartierseingang.

 

Die FSB zählt wie die Freiburger Kommunalbauten & Co. KG (FKB) und die Regio Bäder GmbH (RBG) zum Stadtbauverbund. Der erwirtschaftete 2011 mit 288 Mitarbeitern eine Bilanzsumme von 417,6 Millionen Euro, einen Umsatz von 73,8 und investierte fast 60 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten belaufen sich aktuell auf 219 Millionen Euro. „Alle unsere Gesellschaften sind kerngesund, alle sind bei den Banken als triple A (das Maß für höchste Bonität, d. Red.) gelistet“, sagte Klausmann.

Den FSB-Gewinn von 3,3 Millionen Euro (Vorjahr: 2,1) – er kam vorrangig aus dem Verkauf von 20 Reihenhäusern – kann der Geschäftsführer weiter in den Bestand und den Neubau investieren. 8056 Wohnungen mit mehr als einer halben Million Quadratmetern hatte die FSB zum Jahreswechsel, davon sind 5513 frei finanzierte. Die Durchschnittsmiete gibt die FSB mit 5,64 Euro an – wobei die 2543 geförderten Wohnungen da mit einfließen. Ein Vergleich zu den Baugenossenschaften (5,75 Euro beim Bauverein, 5,87 Euro bei der Familienheim Freiburg) ist damit nur schwer zu ziehen. Kein zweiter Wohnungsanbieter in Südbaden hat aber so viele Hartz-4-geeignete Wohnungen (92 Prozent des Bestandes), keiner kann daher gerade finanziell Schwache so gut mit Wohnraum versorgen.

Damit die FSB mit ihren 166 Beschäftigten preiswerten Wohnraum anbieten kann, tritt sie auch als Bauträger auf. Etwa auf dem alten Hüttinger-Areal an der Elsässer Straße. Hier baut die FSB insgesamt 146 Eigentumswohnungen. Im ersten Bauabschnitt werden aktuell 61 für 12,4 Millionen Euro fertiggestellt. Gut die Hälfte ist bereits vermarktet. „Auch hier subventionieren wir mit den Erlösen preiswerten Wohnraum an anderer Stelle“, sagt Klausmann. Geförderter Wohnungsbau sei aber derzeit angesichts niedriger Zinsen und im Vergleich dazu zu schwacher Förderung kaum umsetzbar.

Attraktiver Neubau mit viel Aussicht: der Sternenhof.

 

Die FSB ist auch ein Konjunkturfaktor für die Region: in den vergangenen zehn Jahren investierte sie 145 Millionen Euro, in den kommenden zwölf weitere rund 190 Millionen – allein in den Bestand. Und der wird im kommenden Jahr auf einen Schlag um 950 Wohnungen wachsen, denn die FSB übernimmt – mit der neuen Tochter Freiburger Stadt-Immobilien GmbH & Co. KG (FSI) – den größten Teil der stadteigenen Wohnungen.

Dass die FSB nicht nur wirtschaftlich stark, sondern auch innovativ ist, hat sie jüngst durch den Bau des Zentralen Kunstdepots in Hochdorf oder die weltweit registrierte Passivhaussanierung des einstigen Energieschleuder-Hochhauses an der Bugginger Straße 50 bewiesen. „Hier lesen wir die Heizkosten gar nicht mehr ab, weil sich das bei 15 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter gar nicht mehr lohnt“, erzählt Klausmann. Ähnlich ambitioniert wird bis zum November auch das Nachbargebäude Binzengrün 9 saniert. Und im Frühjahr will die FSB auch die Bugginger Straße 2 anpacken. „Dafür brauchen wir dringend Gelder aus dem Förderprogramm Soziale Stadt“, fordert Klausmann.

Nur einen Tag nach der Bilanzpressekonferenz stellte er zusammen mit dem Chef der Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH, Bernd Dallmann, Journalisten ein städtisches Grundstück für einen Drei-Sterne-Hotelneubau An den Heilquellen südwestlich des Keidel-Bads vor. Hier wird ein Investor gesucht.

Ein ganz besonderes Hotel wird hingegen im kommenden Frühjahr schon fertig, das integrative Hotel auf dem M1-Gelände am Eingang zum Quartier Vauban. Hier hat die FSB zusammen mit der Vereinigung Freiburger Sozialarbeit e. V. (VFS) unter Vorsitz von Jack Huttmann die gemeinnützige Gesellschaft „Green City Hotel Vauban“ gegründet. Das 102-Betten-Hotel – ein Gemeinschaftsprojekt der Freiburger Wohlfahrtsverbände, des Studentenwerks, der Stadt und der FSB – wird als Integrativer Betrieb mindestens sechs schwerbehinderten Menschen einen Arbeitsplatz bieten. Klausmann freute sich vor allem, dass die FSB hier in direkter Nachbarschaft zu einem wenig gelungenen Hochhaus ein architektonisch anspruchsvolles Ensemble bauen kann: „Damit können wir an diesem Standort mit seiner wechselvollen Geschichte einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten.“ Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach sprach von „gelebter Inklusion“. Die „Aktion Mensch“ fördert das Vorhaben mit mehr als einer halben Million Euro. Zum insgesamt 15,5 Millionen Euro teuren Ensemble gehören noch 13 Eigentumswohnungen und 3 Gewerbeeinheiten. Es gibt in der Republik sicher städtische Wohnungsbaugesellschaften, die nicht so vielseitig sind.

Text: Lars Bargmann / Visualisierungen: FSB