Man sieht sich immer zweimal im Leben. Dieses Motto scheint bei genauerem Hinsehen besonders in der Fußballbundesliga zu gelten: Bei praktisch jeder Partie treffen Menschen aufeinander, die beruflich zuvor auch schon einmal am selben Strang gezogen haben. Andere wiederum verbindet mit dem Gegnerteam zumindest eine besondere Begebenheit. chilli-Redakteur Felix Holm hat dies zum Anlass genommen, mit ein paar alten Bekannten auf die jeweiligen Partien vorauszuschauen.

Die SC-Profis der aktuellen Saison.

 

ACHTUNG: Die Herren Tuchel, Kehl und Dufner wollten oder sollten sich aus unterschiedlichen Gründen nicht zu ihrer Zeit beim SC äußern. So haben wir dem Trio einfach geholfen und ihm unsere Wunschantworten in den Mund gelegt.

Ömer Toprak

 

1. Spieltag: Bayer Leverkusen – SCF
chilli: Herr Toprak, was überwog zum Saisonauftakt: die Angst vorm schweren Gegner oder die Freude auf das Wiedersehen bekannter Gesichter?
Toprak: Definitiv die Freude, dass es endlich wieder losgeht. Dass gleich am ersten Spieltag der SC Freiburg kam, war natürlich was Besonderes, da ich noch wirklich viele kenne. Ich weiß, dass der SC eine schlagkräftige Truppe haben wird. Sie haben zwar viele Abgänge gehabt, aber ich kenne Christian Streich und sein Trainerteam. Gegen den SC zu spielen, wird für viele sehr schwer.
Ömer Toprak spielte von 2005 bis 2011 beim SC und gewann hier unter anderem mit den A-Junioren im Jahr 2008 die Deutsche Meisterschaft.

Thomas Tuchel

 

2. Spieltag: SC Freiburg – Mainz 05
chilli: Herr Tuchel, Christian Streich hat Sie im vergangenen Jahr nach dem Kabinengefecht mit einer „Ex-Freundin“ verglichen, die man zwar lieben, mit der man aber nicht zusammen sein könne. Welches Gefühl regt sich in Ihnen am zweiten Spieltag?
chilli für Tuchel: Ich werde mich bei Christian entschuldigen und ihm im gleichen Atemzug anbieten, unter ihm als Co-Trainer zu arbeiten. Ich liebe ihn nämlich.
Thomas Tuchel ist seit 2009 Cheftrainer von Mainz 05. Gerüchte besagen, er habe Christian Streich bei seinem Amtsantritt als Co-Trainer nach Mainz holen wollen.

Xaver Zembrod

 

3. Spieltag: 1899 Hoffenheim – SC
chilli: Herr Zembrod, bei welchem Hoffenheimer Spieler freuen Sie sich wenigstens ein bisschen, wenn er auch gegen den SC ein gutes Spiel macht?
Zembrod: Das Spiel ist für mich keine persönliche, sondern eine rein sportliche Angelegenheit: Wenn sie ein besseres Spiel machen als wir, gönne ich es allen.
Xaver Zembrod war von 2007 bis 2011 Jugendtrainer in Hoffenheim und trainiert jetzt die SC-Amateure.

Marcus Sorg

 

4. Spieltag: SC – Bayern München
chilli: Herr Sorg, mit welchen Augen sieht der U19-Nationaltrainer das Aufeinandertreffen seiner beiden bis dato letzten Vereine?
Sorg: Im Nachwuchsbereich sind die Duelle immer spannend. Beide Vereine haben eine sehr gute Jugendarbeit. In der Bundesliga bleibt der FC Bayern auch in dieser Saison das Nonplusultra. Man wird sehen, ob die Freiburger sie ärgern können. In der Vergangenheit ist es ja schon das eine oder andere Mal gelungen.
Marcus Sorg war von 2007 bis 2011 Trainer beim SC Freiburg, in der Saison 12/13 trainierte er die U17 bei Bayern und inzwischen ist er für die U19 des DFB zuständig.

Stefan Reuter

 

5. Spieltag: FC Augsburg – SC
chilli: Herr Reuter, ärgern Sie sich eigentlich doppelt, wenn ausgerechnet Mike Hanke ein Tor gegen Sie schießt?
Reuter: Wir ärgern uns generell über jedes Gegentor.
Stefan Reuter, Weltmeister von 1990, ist Manager beim FC Augsburg und hätte vor der Saison gerne Mike Hanke verpflichtet, der sich aber für den SC entschieden hat.

Lewan Kobiashvili

 

6. Spieltag: SC – Hertha BSC
chilli: Herr Kobiashvili, worauf werden Sie Ihre Teamkollegen besonders vorbereiten, wenn Sie am 6. Spieltag in den Breisgau zurückkehren – und worauf freuen Sie sich besonders?
Kobiashvili: Viele Mannschaften haben mit den extremen Temperaturschwankungen in Freiburg schon Probleme gehabt. Uns erwartet eine aggressive und starke Mannschaft, die natürlich versuchen wird, ihr Heimspiel zu nutzen. In Freiburg gab es im Stadion immer eine gute Stimmung, so dass es sicherlich eine coole Atmosphäre wird. Ich wurde bislang in meiner alten Heimat immer herzlich empfangen und hoffe natürlich, dass es auch dieses Mal so bleiben wird.
Lewan Kobiashvili spielte von 1998 bis 2003 beim SC Freiburg.
Seit 2010 ist er bei der Berliner Hertha.

Sebastian Kehl

 

7. Spieltag: Borussia Dortmund – SC Freiburg
chilli: Her Kehl, wenn Sie an die Meisterschaften und Pokalsiege und an das Wembleystadion denken, wie entfernt erscheint dann Ihre Freiburger Vergangenheit?
chilli für Kehl: Freiburg? Darf ich endlich nach Hause? Ich will wieder heim! Holt mich zurück! Ich will nicht mehr auf der Ersatzbank versauern!
Sebastian Kehl wechselte 2002 von Freiburg nach Dortmund. Heute ist er Kapitän beim Champions-League-Finalisten von 2013.

Jan Rosenthal

 

8. Spieltag: SC – Eintracht Frankfurt
chilli: Herr Rosenthal, haben Sie sich schon an den „Eppelwoi“ gewöhnt oder lassen Sie sich von Fritz Keller einen Karton mit guten badischen Tropfen mit auf die Heimfahrt geben?
Rosenthal: Ich vermisse nur den Joster. Den Wein von Fritz Keller müsste ich ohnehin bezahlen, da lasse ich das lieber!
Jan Rosenthal wechselte im Sommer von Freiburg zur Eintracht
nach Frankfurt.

Robin Dutt

 

9. Spieltag: Werder Bremen – SC
chilli: Herr Dutt, der SC spielt in dieser Saison Europaleague, Werder wäre fast abgestiegen. Was ist aus Ihrer Sicht in Freiburg in den vergangenen Jahren besser gelaufen als in Bremen?
Dutt: Das kann ich nicht beurteilen, weil ich in den vergangenen Jahren weder bei dem einen Klub, noch beim anderen detaillierte Einblicke in die tägliche Arbeit hatte. Aber natürlich konnte man beobachten, dass der SC Freiburg sehr viel aus seinen Möglichkeiten gemacht hat. Ich kenne Christian Streich sehr gut, er ist ein hervorragender Trainer. Dass das nicht immer die Garantie für den Erfolg ist, hat man in Bremen gesehen. Thomas Schaaf genießt unter den Trainerkollegen in der Fußball-Bundesliga bis heute einen hervorragenden Ruf.
Robin Dutt war von 2007 bis 2011 Trainer beim SC und führte den Club zurück in die Erste Liga. Seit dem Sommer trainiert er Werder Bremen.

Dennis Aogo

 

10. Spieltag: SC – Hamburger SV
chilli: Herr Aogo, kommt der HSV dieses Jahr offiziell als Außenseiter an die Dreisam?
Aogo: Na, bei einem Heimspiel des Gegners ist man in der Region ja automatisch Außenseiter – das meinen Sie doch, oder? Das Feld wollen wir nämlich am 10. Spieltag zu unserem Spielplatz machen. Die Freiburger haben aber eine ganz starke letzte Saison gespielt und ich bin mir sicher, dass es ein spannendes Match zwischen uns wird. Wir werden alles geben, ich freue mich darauf.
Dennis Aogo wechselte 2008 von Freiburg nach Hamburg.

Daniel Batz

 

11. Spieltag: FC Nürnberg – SC
chilli: Herr Batz, was halten Sie von der taktischen Maßnahme, wenn Trainer bestimmten Spielern ausgerechnet gegen deren Ex-Verein eine Chance geben?
Batz: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nachweisbar ist, dass Spieler besonders oft gegen ihre Ex-Clubs treffen. Beim Torwart dürfte der Ex-Effekt wohl auch eher keine Rolle spielen, wenn Sie den Einsatz gegen meinen ehemaligen Verein Nürnberg ansprechen.
Daniel Batz wechselte 2011 von Nürnberg nach Freiburg und ist die Nummer zwei im SC-Tor

Daniel Schwaab

 

12. Spieltag: SC – VfB Stuttgart
chilli: Herr Schwaab, Sie sind vor vier Jahren mit „Daniel, Du bist ein Freiburger“-Sprechchören nach Leverkusen verabschiedet worden. Was singen die Fans, wenn Sie im Trikot des VfB zurückkehren?
Schwaab: Ich hoffe, dass ich ebenso positiv empfangen werde, wie ich verabschiedet wurde. Beim SC hatte ich eine tolle Zeit, aber jetzt geht es darum, mit dem VfB erfolgreich zu sein – auch gegen Freiburg.
Daniel Schwaab spielte von 2006 bis 2009 beim SC und seit diesem Sommer beim VfB.

Dennis Kruppke

 

13. Spieltag: Eintracht Braunschweig – SC
chilli: Herr Kruppke, Ihr Ex-Verein kommt – allerdings mit völlig ausgewechseltem Personal. Wen begrüßen Sie von der Freiburger Reisegruppe noch mit einer herzlichen Umarmung?
Kruppke: Da die Spieler seit meinem Weggang aus Freiburg nicht mehr da sind, wird sich die herzliche Umarmung eher auf Personen aus dem Betreuer- und Funktionsteam beschränken.
Dennis Kruppke wechselte 2008 vom SC nach Braunschweig. In der Saison 07-08 war er an Lübeck ausgeliehen.

Max Kruse

 

14. Spieltag: Borussia Mönchengladbach – SC
chilli: Herr Kruse, Ihr Trikot ist auch in Gladbach der Renner. Aber worauf unterschreiben Sie lieber: Auf einem alten SC-Trikot oder auf einem Nationalmannschaftsjersey?
Kruse: Ich freue mich über jedes Trikot, das ein Fan von mir gekauft hat. Es ist eine besondere Auszeichnung zu sehen, dass sich ein Anhänger für das eigene Trikot entschieden hat. Deshalb unterschreibe ich auf jedem meiner Trikots sehr gerne.
Max Kruse ist der erste aktive deutsche Nationalspieler des SC und wechselte im Sommer nach Gladbach. Dort ist sein Trikot direkt das meist gekaufte bei den Fans.

Daniel Caligiuri

 

15. Spieltag: SC – VfL Wolfsburg
chilli: Herr Caligiuri, was machen Sie als Erstes, wenn Sie am 15. Spieltag wieder in Freiburg sind?
Caligiuri: Natürlich freue ich mich, dass ich wieder in meine alte Heimat kommen werde. In Freiburg habe ich acht Jahre lang gespielt und es ist immer etwas Besonderes, wenn man wieder zurückkehrt. Ich freue mich darauf, meine ehemaligen Mitspieler und das ganze Team wieder zu treffen. Abseits der Partie werde ich jedoch nicht viel Zeit für andere Dinge haben, da wir ja auch eine weite An- sowie Abreise haben und sicherlich direkt nach dem Spiel wieder nach Wolfsburg fahren.
Daniel Caligiuri wechselte im Sommer vom SC nach Wolfsburg.

Erik Jendrisek

 

16. Spieltag: Schalke 04 – SC
chilli: Herr Jendrisek, wem drücken Sie bei der Partie die Daumen – und gegen wen spielen Sie zuerst wieder?
Jendrisek: Ich habe in beiden Teams noch viele Freunde und müsste wohl salomonisch die Floskel bemühen: Die bessere Mannschaft soll gewinnen. Am liebsten würde ich natürlich mit Cottbus gegen Freiburg und Schalke in einer Liga spielen. Oder gern auch schon in dieser Saison nacheinander im Pokal …
Erik Jendrisek wechselte 2011 von Schalke zum SC. Seit 2013 spielt er bei Energie Cottbus in Liga zwei.

Dirk Dufner

 

17. Spieltag: SC – Hannover
chilli: Herr Dufner, Ihr Abgang aus dem Breisgau war von einigen Nebengeräuschen begleitet – lassen Sie sich vor dem SC-Spiel einen besonders abgelegenen Platz auf der Haupttribüne geben, um aus dem Fokus zu rücken?
chilli für Dufner: Mir tut das alles so leid. Ich entschuldige mich bei den Fans. Als Wiedergutmachung habe ich unserem Stürmer Mame Diouf eine Ausstiegsklausel in den Vertrag geschrieben. Er wechselt für Zweimarkfuffzich sofort nach Freiburg.
Dirk Dufner war von 2007 bis 2013 Manager beim SC. Seither ist er Manager bei Hannover 96.

Text: Felix Holm
Fotos: Michael Heuberger, KSmediaNET, Neithard Schleier, Ingo Stoeldt, Alexander Heinle, Produnis, firo Sportphoto, Andreas Wolf, Hagen Schonherr, Witters, VfB Stuttgart, Eintracht Braunschweig, 2013 Getty Images, James Steakley, AGENTUR.ASWENDT