Freiburg sagt Schrotträdern, Urinpfützen und Fast-Food-Müll den Kampf an. Die Stadtverwaltung reagiert damit auf die Kritik des Einzelhandels und bringt mehrere Aktionen für mehr Sauberkeit in der Innenstadt auf den Weg. Doch der Lokalverein Innenstadt und die Händlerinitiative „WIR“ zeigen sich enttäuscht – ihnen ist das zu wenig.

 

Ein Tropfen auf den heißen Stein? Den Händlern fehlen etwa Maßnahmen gegen Graffiti oder für die Sicherheit.

 

Mit einem Runden Tisch Ende Januar hatte alles begonnen: Einzelhändler und Kommunalpolitiker treffen sich, um über die Lage zu sprechen. Es geht um Sicherheit, Sauberkeit und verkaufsoffene Sonntage. Seitdem hagelt es Kritik von beiden Seiten. Die neu gegründete Händler-Vereinigung „WIR – Die Freiburger Innenstadt e.V.“ kritisiert in einem ganzseitigen offenen Brief die Haltung der Stadtverwaltung: „Viel politisches Geplänkel und kein Ergebnis!“ Oberbürgermeister Dieter Salomon zeigt Unverständnis über die Kritik und warnt, dass „einige Einzelhändler gerade dabei sind, den Ast, auf dem sie sitzen, abzusägen.“

 

Dennoch ergreifen Bürgermeisteramt und Abfallwirtschaft nun Maßnahmen, um die Kritikpunkte anzugehen: Die Gehwegreinigung soll auf die an die Innenstadt angrenzenden Wege ausgeweitet werden, im Stadtzentrum wird durchgehend von 6 bis 21 Uhr gereinigt, ein spezieller Spülwagen soll gegen Pinkelecken angehen, Abfalltonnen und gelbe Säcke werden gegen Gebühr aus dem Haus heraus abgeholt, Schrottfahrräder vier- statt nur zweimal im Jahr entsorgt und ein Lastenrad soll wilden Müll in den Randbereichen der Innenstadt einsammeln. Dafür will das Rathaus rund 33.000 Euro in die Hand nehmen, der Spülwagen wird voraussichtlich Kosten von rund 20.000 Euro im Jahr verursachen, die ebenfalls die Stadt trägt.

 

Ein guter Anfang, aber mehr auch nicht, findet die WIR-Vorsitzende Sandra Gintaut-Lutz: „Ich nenne das, den Pinsel nehmen und ein bisschen drüberstreichen – Visionen und konsequentes Handeln sehen anders aus.“ Michael Fleiner, Vorstand des Lokalvereins Innenstadt, sieht das ähnlich: „Die Stadt bewegt sich endlich, aber mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist das nicht.“ So würde etwa der Sicherheitsaspekt vollkommen ausgeklammert, denn obwohl Salomon das „Räuber fangen“ nicht bei der Stadt, sondern der Polizei sieht, gebe es durch die Polizeiverordnung sehr wohl eine Möglichkeit, Druck zu machen, so Fleiner.

 

Gintaut-Lutz sieht noch ein ganz anderes Thema vernachlässigt: einen Stadtkümmerer für Freiburg (siehe Seiten 6 und 7). Denn einem solchen hat FWTM-Geschäftsführer Bernd Dallmann erst einmal eine Absage erteilt: „Der Stadtkümmerer ist eine Maßnahme, die am Ende der Diskussionen steht, wenn wir wissen, was es für strukturelle Probleme gibt.“ Zwar habe die Initiative eine hohe emotionale Resonanz, aber keine statistische Relevanz: Bei Studien kommt die Sauberkeit der Innenstadt gut weg – sowohl, was die subjektive Bewertung von Besuchern als auch harte Zahlen betrifft.

 

Für Gintaut-Lutz kein Argument gegen einen Stadtkümmerer. Im Gegenteil: Sie hält sogar zwei für nötig. Einer, der bei der FWTM angesiedelt ist und sich um Themen wie Erreichbarkeit, Sauberkeit und Sicherheit kümmert. Und einer, der zumindest zu einem Teil von den Händlern finanziert wird und sich um die Attraktivität der Innenstadt kümmert – von Pflanzen auf der Kaiser-Joseph-Straße bis hin zu kulturellen Angeboten. „Ruhig stellen“ lassen will sie sich durch die Maßnahmen nicht: „Wir bleiben dran und werden weiterhin intensiv im Gespräch bleiben.“

 

Text & Fotos: Tanja Bruckert