Europäische Zentralbank (EZB), Bundesbank und die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin haben die Ergebnisse des internationalen Banken-Stresstests mit zufriedenen Mienen präsentiert. Ja, es gebe noch Probleme, vor allem in Südeuropa, nein, kein Anlass zu größerer Besorgnis, und in Deutschland hatte zum Stichtag 31. Dezember 2013 mit der Münchener Hypothekenbank nur ein einziges Geldinstitut Stress – der bereits aufgelöst ist. Die Eigenkapitallücke von 230 Millionen Euro haben die Münchner durch eine Kapitalerhöhung von 408 Millionen locker geschlossen. „Die deutschen Banken stehen solide da“, so Bafin-Präsidentin Elke König.

Freiburger Volksbank-Vorstand Uwe Barth

 

Die EZB wird im November die Aufsicht über die 130 geprüften Banken in 19 Ländern übernehmen. Knapp 2000 Experten analysierten 25 deutsche Institute, prüften 18.000 Kreditakten, 15.000 Sicherheiten, zwei Drittel der mit Risiken behafteten Kredite und Wertpapiere. „Die wollten vor der Übernahme der Aufsicht saubere Bücher und die haben sie jetzt“, sagt der Freiburger Volksbank-Vorstand Uwe Barth.

„Der Stresstest wurde sehr ernst genommen, die Bankenstruktur in Deutschland und der EU ist nach ihm stabiler als davor“, so Marcel Thimm, Chef der Freiburger Sparkasse. „Wir bewerten den Test positiv, weil er Transparenz geschaffen hat. Das ist wichtig, damit das Vertrauen in die Kapitalmärkte zurückkehren kann“, kommentiert Andreas Kern, Direktor der BBBank-Filiale in Freiburg.

Andreas Kern, Direktor der BBBank-Filiale in Freiburg
Nach der Analyse kam das Stress-Szenario: Das Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone geht von 2014 bis 2016 um 6,6 Prozent zurück, es kommt zu einem deutlichen Zinsanstieg und einem Börsen-Crash. Und danach müssen die Banken noch eine harte Kernkapitalquote von 5,5 Prozent haben. Die deutschen, so König, hätten genug Kapital, um so einen „schweren globalen Finanzschock“ zu überstehen.

Die Häuser von Thimm, Barth und Kern wurden, weil deren Bilanzsummen deutlich unter 30 Milliarden Euro liegen, nicht geprüft. Wären sie getestet geworden, hätten sie den Stresstest stressfrei bestanden: Die Kernkapitalquote der Sparkasse liegt bei 11,2 Prozent (gefordert werden von 2018 an 4,5), bei der Volksbank sind es 11,25 Prozent – und beide haben noch reichlich Wasser unterm Kiel: Sie könnten ihre stille Reserven einbringen und damit noch ein paar Prozentpunkte zulegen. Bei der BBBank liegt sie bei rund 17 Prozent.

Es gibt aber auch Kritik: „Die Kriterien waren zu schwach”, sagte Dorothea Schäfer, Forschungsdirektorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, der Badischen Zeitung. So hätten die Banken selbst einschätzen dürfen, für wie risikoreich sie ihre Investments und Kredite hielten. Diese „fragwürdige Berechnung“ habe die EZB übernommen, weil sie den Banken die Profitmarge nicht kaputtmachen wolle. Der Berliner „Tagesspiegel“ kommentierte, dass der unterstellte Börsencrash von 15 Prozent unrealistisch sei: 2008 war der Wert der DAX-Konzerne an der Börse um die Hälfte eingebrochen.

Marcel Thimm, Chef der Freiburger Sparkasse

 

„Ich glaube nicht, dass ein Vorstand etwas anderes meldet, als das, was an Risiken wirklich da ist. Das kann sich niemand erlauben“, so Thimm. Sparkasse und Volksbank unterziehen sich übrigens schon seit Jahren eigenen Stresstests. Für Barth steht aber EU-weit noch ein anderes Thema auf der Agenda: „Viele lokale Banken haben gute Geschäftsmodelle. Die europäischen Banken am Investmentmarkt aber sind eigentlich zu ertragsschwach, weil es zu viele gibt. Es müsste zu einer Konsolidierung kommen.“ Der bestandene Stresstest sei „kein Persilschein für die Banken“, findet Kern. Er sage nichts über die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle aus.

Text: Lars Bargmann / Fotos: BBBank, ns