Auf einen Schlag 32 Prozent mehr Miete. Was die Studenten derzeit im Wohnheim Längenloh im Freiburger Stadtteil Zähringen verkraften müssen, ist beim örtlichen Studierendenwerk ein Sonderfall. Doch er spricht Bände: Denn die Mieten für WG-Zimmer und kleine Wohnungen steigen seit Jahren. Stärker noch als sonstige Mieten, zeigt eine Studie aus Köln. Wer Glück hat, findet einen Platz in anderen Wohnheimen. Andere weichen ins Umland aus.

 

Jetzt teurer: Im Wohnheim Längenloh in Zähringen ist der Mietpreis gestiegen.

 

Ravisha Gaur ist ausgezogen. 80 Euro mehr Miete hinzublättern, war zu viel. Die Inderin macht ein Masterstudium in Freiburg. Ein halbes Jahr lang lebte sie im Wohnheim Längenloh, das vom Studentenwerk betrieben wird. Anfang des Jahres bekamen die rund 70 Studierenden dort eine Mail: Die Miete steigt zum Sommersemester von 250 auf 330 Euro. Statte 32 Prozent mehr. „Das ist einfach zu teuer“, sagt die 25-Jährige.

 

„Die Erhöhung ist ein Sonderfall“, erklärt Renate Heyberger, Vize-Geschäftsführerin des Freiburger Studierendenwerks Freiburg-Schwarzwald (SWFR). Denn die Räumlichkeiten werden von der Stadt gemietet und die hat kürzlich eine neue Gebührenordnung erlassen. Im Rathaus wird das bestätigt: Statt 7200 Euro für ein Unterbringungsgebäude, werden nun 10.080 Euro fällig. 40 Prozent mehr zahlt das SWFR also der Stadt – und gibt die Erhöhung an seine Mieter weiter. „Weniger als zehn Prozent der rund 70 studentischen Bewohner sind deswegen ausgezogen“, sagt Heyberger.

 

Ihre Wohnheimplätze sind heiß begehrt. Schließlich sind sie äußerst günstig: Ab 229 Euro warm zahlt man beispielsweise für ein WG-Zimmer in der Studentensiedlung am Seepark. Insgesamt 4000 SWFR-Zimmer gibt’s derzeit in Freiburg. „Wir würden auch 10.000 vollkriegen“, sagt Heyberger. 500 neue seien in den vergangenen Jahren hinzugekommen. Weitere 1000 sind bis 2025 in Planung.

 

Um rund 25 Prozent sind die Mieten für SWFR-Zimmer seit 2008 gestiegen, berichtet Heyberger. Das klinge nach viel, es seien aber nur sechs Euro mehr pro eineinhalb Jahre. Auf dem freien Markt steigen die Preise für Studentenwohnraum rasanter: Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW-Köln) hat kürzlich elf Uni-Städte untersucht: Die Preissteigerung liegt weit über der allgemeinen Teuerrungsrate. So sei die Miete für ein Einzimmerapartment mit 30 Quadratmetern in Berlin von 2010 bis 2015 um 28 Prozent gestiegen. In München, Spitzenreiter der Statistik, zahle man im Schnitt 580 Euro warm für eine 30-Quadratmeter-Einzimmerwohnung.

 

Umgezogen: Ravisha Gaur wurd’s zu teuer.

 

Auch in Freiburg müssen Studenten immer tiefer in die Tasche greifen: Das Portal studenten-wg.de hat den durchschnittlichen Preis für ein WG-Zimmer berechnet. Zahlte man 2008 inklusive Nebenkosten noch 266 Euro, sind es heute 382 Euro. Ein Plus von rund 44 Prozent.

 

Von den teuren Preisen kann auch Christine Ferenz ein Lied singen. Die 31-jährige Studentin pendelt täglich von Oberried zur Uni. Zu gerne würde sie in Freiburg wohnen, hat dort aber nichts Bezahlbares gefunden. 550 Euro warm zahlt sie in Oberried für eine große Einzimmerwohnung. „In Freiburg kriege ich für den Preis nur die Hälfte“, sagt sie. Und die Suche sei mega stressig: Unmengen an Interessenten kämpften um den Zuschlag.

 

Das dürfte sich auch so schnell nicht ändern. „Entspannung ist nicht in Sicht“, sagt Marco Wölfle vom Center For Real Estate Studies (CRES) in Freiburg. Er hat sich die Preise für Wohnungen, wie Christine Ferenz sie sucht, genauer angeschaut: Eine Ein- oder Zweizimmerwohnung auf dem freien Markt in Freiburg kostete 2016 pro Quadratmeter 10,88 Euro. Tendenz steigend. Damit ist Freiburg rund einen Euro teurer als Berlin. Aber immer noch fast fünf Euro billiger als München.

 

Text und Fotos: Till Neumann