Wenn Sie an Baden denken, fallen Ihnen malerische Rebberge, urige Schwarzwalddörfer und die badische Gemütlichkeit ein? Tja, manch anderer denkt da wohl stattdessen an vergifteten Riesling, Mord am Rebstock oder Tod im Höllental – nur so lässt sich die große Zahl an Baden-Krimis erklären, die in Freiburgs Buchhandlungen die Regale füllen.

 

Die besten Autoren werden mit dem Freiburger Krimipreis geehrt, in dessen Rahmen vom 12. bis 15. September regionale Schriftsteller aus ihren Krimis lesen. Bei der Preisverleihung am 14. September im historischen Kesselhaus der Brauerei Ganter werden die Autoren ihre prämierten Kurzgeschichten und Erzählungen, deren Handlungen sich in und um Freiburg abspielen, live vortragen. Wir haben uns im Vorfeld schon einmal an die jeweiligen Tatorte gewagt.

 

Leiche zwischen Tapas und Rioja

„Ein Mord in der Casa“ (Sascha Berst / Platz 1)

 

Ein typischer Donnerstagabend in der Freiburger Casa Espanola: Unten im Restaurant sind alle Tische besetzt, an der Theke drängen sich die Gäste in mehreren Reihen, um Tapas, Riojas und Cervezas zu bestellen. Plötzlich fällt ein Schuss. Unweit des Treppenaufgangs bricht der Bauunternehmer E. tot zusammen. Neben seiner Leiche steht der stadtbekannte Anwalt Philipp W. Manche wollen gesehen haben, dass er geschossen hat. Zumindest hat er kurz vor dem Knall den Arm gehoben. Allerdings finden sich weder Schmauchspuren an seiner Hand, noch eine Schusswaffe bei ihm oder in der Nähe des Tatorts. Nur ein alter, ausgestopfter Hirsch an der Wand blickt starr, stumm und doch irgendwie wissend auf den Ort des Geschehens.

 

 Die Freiburger Casa Española

 

 

Mord mit Blick

„Der Versager“ (Ella Theiss / Platz 2)

 

Ein Wohnzimmer in einer Maisonettewohnung in Herdern. Durch das Fenster hat man einen tollen Blick über die Dächer der Vorstadt hinweg zum Horizont, wo sich der Rosskopf auftürmt. Hier lebt offenbar jemand der besser verdienenden Gesellschaft. Auf dem Couchtisch aus cremeweißem Marmor stehen zwei Whiskygläser. Eines ist leer. Von der Tischkante tropft eine Blutpfütze auf den Fußboden. Darunter hat ein Mann mit fliehendem Kinn und „spillerigem“ Körperbau wohl seinen letzten Atemzug getan – im Schädel klafft ein Loch. Unweit liegt eine Pistole. Offenbar hat ein Kampf stattgefunden. Im Flur, wo die Tür zum seltsam unaufgeräumt wirkenden Garderobenschrank offensteht, liegt ein Obstmesser. Die angrenzende Badezimmertür steht offen. Am Schloss der Haustür finden sich Kratzspuren. Ein Einbruch?

 

Sport ist Mord

„Frankieboy“ (Peter Wark / Platz 3)

 

Verwinkelt, steil, mit verwachsenen Wurzeln – manch ein Bike-Trail am Schauinsland ist nur was für wirklich technisch versierte Biker. Eine zu rasante Abfahrt – und es ist aus. Kein Busch, keine Wiese hält hier einen Sturz von den gefährlichen Kanten auf. Das Adrenalin puscht einen vorwärts, auf dem höchstens dreißig Zentimeter breiten Pfad ist kein Fehler erlaubt. Links das aufragende Gestein, an dem man sich die Pedale anschlägt, wenn man nicht aufpasst, rechts das offene Maul des gähnenden Abgrunds. Umso größer die Erleichterung, wenn man heil und wohlbehalten unten ankommt – auch wenn statt zwei Radfahrern nur noch einer je wieder die Heimfahrt vom Schauinsland antreten wird.

 

 

Bike-Trail am Schauinsland

 

Nur ein Unfall?

„Geisterfahrer“ (Bettina Hellwig / Platz 3)

 

Es ist düster und still. Nur das dumpfe Blubbern zweier Motoren ist zu hören. Zwei Motorradfahrer liegen blutüberströmt neben ihren Maschinen auf einer verlassenen Straße in einem Wald nahe dem Höllental. Eine Straße, die ins Nichts führt. Wenige hundert Meter vor den scheinbar leblosen Körpern befindet sich eine geschlossene Schranke. Die Straße ist spiegelglatt vom Regen. Zwischen dem würzigen Harzduft der Nadelbäume zieht einem ein seltsam bekannter, durchdringender Modergeruch in die Nase. Ein mysteriöser Mitfahrer, der eben noch einen der beiden Männer fest umklammerte, hat sich offensichtlich in Luft aufgelöst. Doch dafür nähert sich den beiden eine schneewittchenhafte Schönheit in einer schwarzen, schweren Lederkluft.

 

Hübsch und ertrunken

„Auftrieb“ (Marie-Sophie Wolters / Platz 5)

 

Eine heiße Sommernacht. In der Damenabteilung des Lorettobades kniet ein verwirrter Mittdreißiger am Beckenrand neben einer Frauenleiche. Die hübsche Brünette im roten Kleid hat er offenbar vor kurzem aus dem Wasser geholt. Seine Wiederbelebungsversuche endeten zwecklos. Sie trägt einen extravaganten Schuh mit Absatz am linken Fuß. Das rechte Gegenstück liegt – absatzlos – am Beckenrand. Daneben liegt ein zusammengerolltes weißes Handtuch. Die Tür einer der privaten Einzelumkleidekabinen steht als einzige offen. Zwei Kameras, die vor Einbrechern warnen sollen, sollten eigentlich über den Vorfall Aufschluss geben, oder?

 

Lesefest zum Freiburger Krimipreis

12.-15. September

www.freiburger-krimipreis.de

 

Wir verlosen drei Exemplare der Anthologie „BreisgauNer: Neue Krimis aus Südwest“. Schreibt eine E-Mail mit dem Betreff “BreisgauNer” an gewinnspiel@chilli-freiburg.de