In sechs Wochen zum Weltretter: „Das Weltretter Workout“ des Freiburger rap Verlags soll’s möglich machen. Der Umwelttrainer will helfen, ökologische Problemzonen zu bekämpfen und überflüssige CO2-Pfunde loszuwerden. chilli-Redakteurin Tanja Bruckert hat’s getestet.

 

BUZ: Mit dem Fahrrad zum Bioladen: eine der leichteren Aufgaben.

Muss nur noch kurz die Welt retten – was die Herausgeber versprechen, hört sich ehrgeizig an. Wobei … was in sechs Wochen funktioniert, müsste doch auch in einer zu schaffen sein. Also, Crash-CO2-Diät statt langwieriges Emmissionenzählen.

 

Los geht’s mit einem Selbsttest mit erschreckendem Ergebnis: Ich bin ein ausgewachsenes Umweltferkel. Wohnen & Energie, Mobilität, Ernährung, Konsum & Müll – ich habe nicht nur eine einzige Problemzone, sondern stehe kurz vor der Klimapositas. Also, ab zum Training.

 

Tag 1: Die Welt zu retten ist gar nicht so anstrengend. Das Auto heute nicht waschen, bringt einen Punkt – allein damit hätte ich im vergangenen Jahr schon 364 Punkte eingefahren. Nicht schneller als 130 Sachen fahren, ist auch kein Problem – ich bin mir nicht sicher, ob mein Auto überhaupt schneller kann. Und ein Glas Bier oder Wein aus der Region trinken, ist auch nicht die schwerste Übung.

 

Tag 2: Wache mit schlechtem Gewissen auf. Irgendwas sagt mir, dass ich das Training bisher nicht richtig angegangen bin. Also wird heute das Eisfach abgetaut (3 Punkte), der Reifendruck am Auto geprüft (2), der Kofferraum ausgemistet (2) und ein „Bitte keine Werbung“-Aufkleber an den Briefkasten geklebt (3). Sportlich geht es weiter bis zum Zubettgehen: Stoßlüften, danach Rollläden runter, die Heizung runterdrehen, alle Ladekabel ziehen, Handy ausschalten – wo war nochmal der Aus-Knopf?! –, Fernseher aus statt in den Stand-by … bin ich froh, als ich endlich ins Bett komme.

 

Tag 3: Heute ist Shopping angesagt. Vorher lade ich mir einen Saisonkalender runter (3 Punkte) und bin erstaunt: Blumenkohl, Brokkoli oder Endiviensalat waren für mich immer typische Winterspeisen – aus heimischem Anbau gibt es sie aber laut Kalender erst wieder ab Mai oder Juni. Mit meinem neuen Wissen geht’s zum Freiburger Wochenmarkt (3 Punkte), wo ich nur vegetarisches (2), frisches (4), saisonales (4), regionales (4) und soweit möglich biologisches (5) kaufe. Ein voller Erfolg: mit nur einem Einkauf 20 Punkte eingeheimst. Und ohne die weder vegetarische noch biologische Münsterwurst hätte es noch zu ein paar Punkten mehr gereicht.

 

Tag 4: Zeit für die nächste Stufe. Obwohl das Thermometer frostige drei Grad anzeigt, fahre ich heute mit dem Rad zur Arbeit. Auf dem Nachhauseweg kaufe ich kratziges Recycling-Klopapier. Und statt die Wäsche in den Trockner zu schmeißen, hänge ich jede Socke einzeln auf. Weltretten nervt.

 

Tag 5 & 6: Okay, mit der richtigen Kleidung ist das Radfahren eigentlich gar nicht so schlimm. Doch, ob ich mich je an das Klopapier gewöhnen werde?

 

Tag 7: Stufe drei. Jetzt wird’s hart. Viele Sachen fallen gleich weg: einen Komposthaufen anlegen – kein Garten. Die Heizung modernisieren – keine Eigentumswohnung. Ein Elektroauto kaufen – kein Geld. Andere sind machbar: eine Woche ohne Konsum, drei Tage lang vegan ernähren, den gesamten Einkauf im Bioladen erledigen. Eine Woche später habe ich immerhin zwei dieser drei Vorhaben durchgehalten.

 

Fazit: Meine Weltretter-Punkte können sich sehen lassen, die ökologischen Pölsterchen sind nur so dahin geschmolzen. Jetzt gilt es, gegen den Jo-Jo-Effekt anzugehen. Zum Veganer werde ich nicht und auch mein Auto werde ich nicht verkaufen – doch mal eine fleisch- oder autofreie Woche ist auf jeden Fall drin.

 

Text & Foto: Tanja Bruckert

 

 

 

 

Das Weltretter Workout – In 6 Wochen zum Weltretter!
rap Verlag, 148 Seiten
14,90 Euro