Oasis haben’s 18 Jahre lang gemacht. A-Ha 28 Jahre. R.E.M. immerhin 31. Im Gegensatz zu diesen ausgestorbenen Band-Dinos sind „The Brothers“ aus Freiburg quicklebendig. Woran das liegt? Vielleicht, weil Blut eben dicker als Wasser ist? Drei der vier Bandmitglieder sind nämlich tatsächlich leibliche Brüder: Lorenz, Tilo und Coco. Zusammen haben sie es von der Schülerband bis zu diversen Fernsehauftritten und sogar einem Nummer-Eins-Hit im Radio geschafft. Im November haben sie – inzwischen mit „Adoptivbruder“ Roby Scheffert am Bass – ihr zwölftes Album veröffentlicht. Nach wie vor verdient die Viererkombo ihr Geld ausschließlich mit dem Musikmachen. Begonnen hat aber alles einst mit vier kleinen Jungs vor einem Plattenspieler. Eine Bandgeschichte.

„The Brothers“ aus Freiburg

 

Wenn man so will, ist die Geschichte der Brothers auch eine Weihnachtsgeschichte. Im Jahr 1974 legte das Christkind – nachdem die musikalische Familie Buchholz aus dem westfälischen Hagen zuvor fleißig mehrstimmige Weihnachtslieder gesungen hatte – dem ältesten Bruder Andres die „The Beatles’ Greatest“-LP unter den Baum. „Mein Vater hatte drei Gitarren zu Hause rumstehen, wir standen dann vorm Plattenspieler und haben so getan, als wären wir die Beatles“, erzählt Tilo Buchholz heute. Im darauffolgenden Sommer beobachteten die vier Jungs im Jugendlager ganz genau, wie die Betreuer am Lagerfeuer ein Standard-Repertoire herunterklampften. Zwei Jahre später gaben die Buchholz-Brüder an selber Stelle ihr Debüt als Musik-Kombo.

Es folgten typische Jahre einer Schüler-Cover-Band, die 1979 erstmals in der Zeitung erwähnt wurde. Damals waren die vier allerdings noch unter dem Namen „AnTiCooL“ unterwegs – eine Zusammensetzung der Anfangsbuchstaben der Vornamen der Gründungsmitglieder.

Die Jungs wurden älter, die Band internationaler. In den 80ern reisten die Brüder – inzwischen als „Corvi di Fogna“ oder „Rinnsteinraben“ unterwegs – in einem VW-Bus quer durch Europa, verdienten sich die Trips, indem sie Straßenmusik machten, übernachteten bei neu gewonnenen Fans, die im Idealfall sturmfrei hatten. „Wir haben Hauskonzerte gespielt, wenn wir dort übernachten durften“, erinnert sich Tilo, „da haben wir geniale Partys in irgendwelchen Villen mit Swimming-Pool und Weinkeller gefeiert.“

Als die unbeschwerte Jugend vorbei war, drohte die Auflösung: Nach seinem Zivildienst ging Tilo nach Argentinien, um bei einem sozialen Projekt mitzuhelfen. „Ich war einsam, also habe ich mir eine Gitarre genommen und angefangen, Songs zu machen“, berichtet der heutige Schlagzeuger. „Es gab kein Internet. Also habe ich alles per Luftpost an meine Brüder geschickt und gesagt: Macht mal was draus!“

Ihr zwölftes Album. „Let It Run“ ist eine Hommage an gute Musik.

 

Also Tilo 1991 zurückkommt, haben die anderen längst reagiert. „Plötzlich hatten wir einen größeren Pool an eigenen, ernstzunehmenden Nummern.“ Es war so ein Wenn-nicht-jetzt-wann-dann-Moment. Andres, Tilo und Lorenz ziehen zu Coco nach Freiburg. 1992 wird die erste CD aufgenommen.

Es folgen Jahre, in denen sich die Gruppe den Status als Geheimtipp erarbeitet und immer wieder kurz vor dem Durchbruch steht. Sie tritt in Fernsehshows auf – etwa im Fernsehgarten oder im Disney-Club –, hat bei Radio Regenbogen mit „Frequency of Love“ sogar drei Wochen lang einen Nummer-Eins-Hit. „Allerdings sind wir nie über diesen Status hinausgekommen“, gibt Tilo zu. Auch weil die Brüder sich stets verweigert haben, den eigenen Weg für einen Vertrag bei einem größeren Label zu verlassen. Wobei es Angebote und Möglichkeiten gegeben hätte.

So produzierte man in Eigenregie immerhin elf weitere Alben, gründete einige Nebenprojekte – darunter das erfolgreiche Acoustic Fun Orchestra – und hält sich bis heute recht ordentlich über Wasser. Das 35-Jahre-Jubiläum feierten die Brüder mit dem zwölften Album. „Let It Run“ ist eine Hommage an gute Musik. Dass die Band sich stets treu geblieben ist, kann man darauf gut hören: Einflüsse der Beatles lassen sich nicht leugnen.

Text: Felix Holm

(Geheim-)Tipp:
The Brothers – am 29.12. im Freiburger Jazzhaus
www.thebrothers.de