Das Theater am Martinstor ist als Citytheater wieder auferstanden – vorerst

Die Todesanzeigen waren schon geschrieben, doch das Theater am Martinstor hat überlebt. Unter dem neuem Namen Citytheater und neuer Leitung wird nun vorläufig bis Juli weitergespielt – über die weitere Zukunft entscheiden dann die Zuschüsse aus dem Freiburger Rathaus.

Finden Kompromisse: Christina Schnock-Schafheutle und Benito Gutmacher.

 

Der kleine, fensterlose Raum mit dem dunklem Parkett und den schwarzen Vorhängen an den Wänden wirkt irgendwie deplatziert zwischen den weißen, hellen Tanzsälen mit den meterlangen Spiegeln und riesigen Fenstern. Denn während sich das Theater am Martinstor kaum verändert hat, wurden die beiden anderen Räume über der Markthalle komplett renoviert. Immer noch weht ein leichter Geruch von Farbe durch die Gänge von Dance Emotion – dem Tanzstudio, das hier zusammen mit der Freiburger Musical- und Schauspielschule Anfang Oktober seinen Einzug gefeiert hat. Auch vorher beherbergten die Räume eine Tanzschule, deren Inhaber Nick Haberstich hatte zudem das Theater am Martinstor geleitet. Als dieser nach 24 Jahren aus Altersgründen aufhörte, standen die Räume leer und die Spielstätte zunächst anscheinend vor dem Aus. Der Trägerverein Theater am Martinstor versuchte, den Aufführungsort am Leben zu erhalten – und scheiterte. Nun ist eine – zumindest vorläufige – Lösung gefunden. Am Wochenende vermietet Dance Emotion den kleinen Theaterraum an den argentinischen Schauspieler und Produzenten Benito Gutmacher, der die Spielstätte zusammen mit freien Theatergruppen unter dem Namen „Citytheater am Martinstor“ weiterführen möchte.

Doch auch seine Pläne stehen und fallen mit der Finanzierung: Gutmacher bräuchte nach eigenen Angaben mindestens 60.000 Euro pro Jahr, ob und wenn ja wie viel aus der städtischen Kasse kommt, ist noch unklar. Dem Trägerverein sagte das Kulturamt einst 14.000 bis zum Auslaufen des aktuellen Mietvertrags Ende Juli zu. Zu wenig nach Ansicht des Vereins, der das Projekt daraufhin als gescheitert erklärt hatte. Auch Gutmacher gibt an, damit „nur mit heraushängender Zunge“ wirtschaften zu können. Im Frühjahr wird er einen Antrag auf weitergehende Mittel stellen.

Doch momentan ist noch nicht einmal klar, ob Gutmacher überhaupt für diese Spielzeit Geld bekommt. Udo Eichmeier, Vizechef im Freiburger Kulturamt, signalisiert zwar grundsätzliche Bereitschaft, jedoch unter Bedingungen: „Das Geld wird nicht automatisch weitergegeben. Wir machen das abhängig davon, welches Programm zustande kommt und ob die Gruppen, die in dem Theater einst beheimatet waren, dort auch weiterhin spielen.“

Das steht aber noch nicht fest. Grund dafür sind die Beschränkungen des Spielbetriebs durch Dance Emotion. Die Tanzschule vermietet den Theaterraum nur am Wochenende, die Aufbau- und Garderobenzeiten sind daher auf wenige Stunden beschränkt. Dance-Emotion-Inhaberin Christina Schnock-Schafheutle ist bereit, dem Theaterbetrieb entgegenzukommen und bei Premieren in ihre anderen Räume in der Humboldtstraße auszuweichen. Sie und Gutmacher sind derzeit zuversichtlich, dass sich akzeptable Kompromisse finden lassen. Raimund Schall, der ehemalige Vorsitzende des Trägervereins, kann diese Zuversicht nicht teilen: „Bestimmte Aufführungen werden da nicht mehr stattfinden können. Meine Gruppe etwa arbeitet viel mit Live-Elektronik, so dass wir bis zu acht Stunden aufbauen – und das eben nicht nur bei der Premiere.“

Auch Atai Keller, Stadtrat der Kulturliste und Kenner der freien Theaterszene, weiß, dass viele Gruppen eine große Produktions- und Spielstätte bevorzugen: „Im Gespräch sind das ‚Glashaus’ im Kulturpark in der Haslacher Straße und – aber das steht noch in den Sternen – die Ersatzspielstätte des Stadttheaters, die jedoch erst noch gefunden werden muss.“ Denn im auferstandenen Theater am Martinstor wird es höchstens 90 Aufführungen im Jahr geben – zu wenig für die rund zwanzig Freiburger Gruppen, deren Suche nach neuen Aufführungsstätten damit noch nicht in Friede ruhen kann.

Text & Foto: Tanja Bruckert