Sinkende Übernachtungszahlen knabbern an der Tourismusbilanz der Stadt. FWTM-Chef Bernd Dallmann hat dafür eine einfache Erklärung. Eine gegenläufige Interpretation ärgert ihn. Doch es gibt auch Grund zu jubeln.

 

Erst mal musste Dampf raus: „Die Bettensteuer ist nicht ausschlaggebend“, wettert Bernd Dallmann, Chef der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (FWTM), bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz zur Freiburger Tourismusbilanz. Grund des Ärgers: Schon am Vortrag war publik geworden, dass die Zahl der Übernachtungen in Freiburg im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent gesunken war (2014: 1,358 Millionen Übernachtungen). Das führte Andreas Braun, Chef der baden-württembergischen Tourismus Marketing GmbH, auf die Bettensteuer zurück, die Freiburg seit Anfang 2014 als einzige Stadt erhebt.

Angeknabberte Altbauten: Am Siegesdenkmal wird Platz für ein neues Motel One geschaffen.

 

Dallmann schmettert diese Interpretation ab: „Das ist die Ferndiagnose eines Quereinsteigers.“ Für ihn ist der eigentliche Grund der Negativbilanz die Polizeiakademie. Diese sei zwar teilweise noch in Betrieb, aber nicht mehr meldepflichtig. Das mache 40.000 Übernachtungen weniger. Würden diese in die Bilanz mit eingerechnet, liege Freiburg bei einem Plus von fast 0,8 Prozent, so Dallmann. Wegen der Bettensteuer seien möglicherweise ein paar Busreisen abgesagt worden, die Auswirkung bewege sich aber im „kleinen Bereich“.

 

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Übernachtungen in der Hotellerie um 3,8 Prozent gestiegen. Dazu trägt auch Freiburg bei: Die Bettenauslastung hier ist weiterhin die höchste des Landes. Mit 56,2 Prozent ist sie konstant zum Vorjahr. „Und das, obwohl wir 150 Zimmer mehr haben“, betont der FWTM-Chef. Der Landesschnitt liegt bei 41,4 Prozent. Freiburg wird gefolgt von Heidelberg (53 Prozent) und Stuttgart (52 Prozent). Steigerungspotenzial sieht Dallmann nur bedingt. „Wir haben den Deckel erreicht. Mehr Wachstum kann es nur geben, wenn es mehr Betten gibt.“

 

Das wird in absehbarer Zeit der Fall sein. „Die Amerikaner haben Freiburg entdeckt“, schwärmt Dallmann. Vier Hotelprojekte von US-Ketten sind derzeit in Planung: ein Super 8-Hotel der Wyndham-Gruppe mit 200 Zimmern auf dem Güterbahn-Areal, ein Hampton by Hilton mit 175 Zimmern am gleichen Standort, ein Haus der Intercontinental-Gruppe mit 125 Zimmern auf dem Strabag-Gelände und ein Motel One am Friedrichring mit 200 Zimmern.

 

Geht es indes nach so manchem Bürger, kann Freiburg im Bereich Tourismus sparen. Das geht aus dem Beteiligungshaushalt 2015/16 der Stadt hervor. Rund 2500 Freiburger haben sich dabei geäußert. 35 Prozent der Befragten sehen beim Thema „Wirtschafts-/Tourismusförderung und Messen“ Einsparpotenzial. Freiburg ist auch mit weniger Investitionen für Touristen reizvoll, sagen die Kritiker. Dallmann findet das nicht repräsentativ: „Nur etwa ein Prozent der Freiburger hat sich beteiligt.“ Er ist sich sicher: Wenn die Bürger wüssten, dass die FWTM-Ausgaben auch die Sanierung des Konzerthauses betreffen, würden sie das anders sehen.

 

Für ausländische Gäste spielt das wohl kaum eine Rolle. Fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr übernachteten 2014 in der Stadt. Die meisten kommen aus der Schweiz, gefolgt von Frankreich, Italien und den Niederlanden. Auch das Elsass legt touristisch zu: Mit 25,5 Millionen Übernachtungen (+ 1,7 Prozent) bejubeln unsere Nachbarn ein Rekordergebnis. Die meisten Gäste kommen aus Deutschland.

 

Text: Till Neumann / Foto: ns