Hektische Musik dröhnt durch die Arena, Nebel steigt auf, Neonlichter leuchten. Atemlos verfolge ich einen Gegner. Mit meinem Phaser ziele ich auf seine leuchtende Weste. Der grüne Laserstrahl trifft ihn immer wieder. Doch plötzlich tauchen zwei weitere Gegner auf. Sie markieren mich wild entschlossen mit den roten Strahlen ihrer Phaser. Schnell verziehe ich mich hinter eine der Schutzwände.

 

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Beim Selbstversuch im Laser Space Freiburg an einem Sonntagnachmittag ist die Arena proppevoll. Junge Männer, aber auch Frauen und viele Kinder drängeln sich im Vorraum. Die Halle hat im November eröffnet, das hat sich rumgesprochen. „Das ist ein erlebtes Videoshooterspiel, hier kann man diesen Reiz austesten ohne negative Konsequenzen“, sagt Arno Flesch, Geschäftsführer der Arena. Dass Lasertag sich derzeit rasend schnell in Deutschland ausbreitet, liegt für den 47-Jährigen vor allem an US-Fernsehserien: In „How I Met Your Mother“ etwa wird regelmäßig „gelasert“.

 

Früher bildete das US-Militär mit Lasertag Soldaten aus. Dann wurde es zum Freizeitsport, schwappte nach Europa. Bevor es nach Deutschland kam, etablierte es sich in Frankreich. Dort spielte Flesch früher mit Kollegen. Dann kam die Idee auf, selbst eine Halle zu eröffnen. Kritik kam ihm bisher kaum zu Ohren, sagt er. „Dem haben wir gleich den Wind aus den Segeln genommen“, sagt Flesch. Es gebe weltweit 250 verschiedene Arten von Lasertag. „Bei manchen sieht die Ausrüstung aus wie bei einem SWAT-Team (eine US-Spezialeinheit). Bei uns ist das eher außerirdisch, spacig, ein Familienspaß.“

 

So reibungslos wie in Freiburg geht es nicht überall zu. Christina Richtmann ist Fraktionsvorsitzende der Freien Wählergemeinschaft in Neu-Ulm. Sie hat sich im Herbst im Gemeinderat klar gegen den Bau einer Halle in ihrer Stadt positioniert: „Das ist eine Form von Kriegsspiel, auch wenn die Betreiber das runterspielen“, wettert sie im Gespräch mit dem chilli. Getestet hat sie Lasertag nicht. Den Vergleich zu Wasserspritzpistolen und Faschingsknallerei lässt sie nicht gelten: „Mich stört, dass das institutionalisiert wird und sogar Kindergeburtstage dort gefeiert werden.“ Ihr Fraktionskollege Andreas Schuler pflichtet ihr bei: „Unter 18-Jährige zielen auf Personen. Das ist bedenklich.“ Stoppen können sie den Bau nicht. Im März soll die Halle öffnen.

 

LASER SPACE FREIBURG

Während im Neu-Ulmer Gemeinderat vereinzelt Kritik aufkam, gab es im Gemeinderat Oftersheim (bei Heidelberg) 2013 sogar ein „breites fraktionsübergreifendes Votum“ gegen den Bau einer Anlage, sagt Jens Volpp, Leiter des dortigen Haupt- und Ordnungsamtes. „Der Gemeinderat wollte keinen Sport unterstützen, den er gewaltverherrlichend findet.“ Die Abstimmung hatte jedoch nur symbolischen Charakter: Auch dort wurde die Halle gebaut.

 

Nils Böckler, der an der Universität Bielefeld zu Amokläufen an Schulen forscht, hat sich Lasertag näher angeschaut: „Es ist vor allem ein Sport mit großem Wettkampfcharakter“, sagt der 30-Jährige. Ob Lasertag zu Gewalt verleite? „Nein, nicht direkt, genauso wenig wie es bei Killerspielen der Fall ist.“ Sei jemand auf dem Weg, Amokläufer zu werden, könne Lasertag eine Stimulation sein. „Aber mit Sicherheit nicht der Auslöser. Da spielen ganz viele psychische und soziale Faktoren mit rein.“ Für ihn bedient das Spiel Urinstinkte, man fühle sich wie in einem Actionfilm. Auch Stefan Kaufmann, Professor am Institut für Soziologie der Universität Freiburg, sieht den Trend gelassen. „Für mich ist das eher Sport und Freizeitvergnügen als Kriegsspiel“, sagt der 53-Jährige. Man könne zwar nicht ausschließen, dass gewaltbereite Gruppen Lasertag-Hallen zu Trainingszwecken nutzen, diese hätten dafür aber sicher andere Möglichkeiten. „Deswegen ist Lasertag nicht a priori gefährlich.“

 

Das zeigt auch der Selbsttest. Nach zwei Runden à je zwölf Minuten bin ich durchgeschwitzt und ausgepowert. Das Spiel gegen sechs etwa zwölfjährige Jungs hat meine Gruppe klar verloren. Mit den Gegnern und Mitspielern wird abgeklatscht – und noch eine ganze Weile über Taktik philosophiert. „Das Spiel erzeugt erst Anspannung, dann Entspannung“, sagt Böckler dazu. Dem kann ich zustimmen. Zu Hause geht’s erst mal auf die Couch. Beine hoch.

 

Text: Till Neumann / Fotos: tln, Felix Groteloh

 

Gelassen: der Geschäftsführer des Laser Space Freiburg, Arno Flesc