Mundologia-Gründer Tobias Hauser über das Reisen als Beruf

Ob afrikanische Wüste oder südamerikanischer Dschungel – exotische Welten kann man auch von Freiburg aus erleben. Seit zehn Jahren läuft dort regelmäßig die Mundologia, Europas größtes Festival für Fotografie, Abenteuer und Reisen. Zum runden Geburtstag gewährt Mundologia-Gründer Tobias Hauser chilli-Autor Steve Przybilla einen Einblick in seinen Beruf.

Tobias Hauser: Auch während der Arbeit mal Zeit zum Relaxen.

 

chilli: Herr Hauser, vor zehn Jahren fing die Mundologia bei null an, heute kommen über 20.000 Gäste. Wie haben Sie das in so kurzer Zeit geschafft?
Tobias Hauser: Ich kannte mich im Vortragsbereich ganz gut aus, weil ich selbst schon lange als Referent arbeitete. Wir haben aber auch von Anfang an auf Qualität gesetzt, um die Besucher zu begeistern. Aber natürlich betrieben wir schon immer Marketing und stecken jede Menge Zeit und Leidenschaft in das Projekt Mundologia.

Stefan Glowacz: Extremklettern am Ende der Welt, So., 3.2.2013, 20 Uhr

 

chilli: Welche Highlights gibt es zum 10. Geburtstag?
Hauser: Unser Motto lautet „Lebe deinen Traum“. Das gilt für uns als Veranstalter, wie auch für die Referenten, die ihre Träume, ihre Leidenschaft leben. Da haben wir etwa den Journalisten Dirk Rohrbach, der mit einem selbst gebauten Kanu den kompletten Yukon befahren hat. Oder den Arktis-Vortrag von Florian Schulz. Außerdem zeigen wir zum ersten Mal in Deutschland eine Sonderausstellung, die die 125-jährige Geschichte der National Geographic Society dokumentiert.

chilli: Wie viele eigene Reportagen steuern Sie bei?
Hauser: Wir zeigen auf dem Festival immer nur neue Vorträge. Bis einer fertiggestellt ist, kann es schon einige Zeit dauern. Dieses Mal wird mein Kuba-Vortrag rechtzeitig fertig sein, aber danach dauert es sicherlich wieder drei, vier oder fünf Jahre, bis ich eine neue Arbeit präsentieren kann.

Abenteuer Arktis: Ein Jahr im ewigen Eis, Florian Schulz, Sa., 2.2. 2013, 20 Uhr

 

chilli: Drei bis fünf Jahre?
Hauser: In dieser Zeit fixiert man sich auf ein Land, in das man immer wieder reist. Nur so kommt genügend Material zusammen, um hinterher 100 Minuten spannend füllen zu können. In den letzten zwölf Jahren war ich bestimmt 30 Mal in Kuba für diese Projekte.

chilli: Macht das hauptberufliche Reisen überhaupt noch Spaß?
Hauser: Sicher doch. Ich freue mich schon jetzt auf Kuba, wenn ich das Wetter draußen sehe. Auch während der Reisen gibt es schöne Tage, an denen Zeit zum Relaxen bleibt. Aber es ist nicht mehr so wie früher, dass ich reise und die Fotografie nebenher läuft – eher umgekehrt. Lieber fahre ich mal zwischendurch für ein paar Tage in den Urlaub, meistens in der Region.

3.000 Kilometer Kanada & Alaska, Dirk Rohrbach, Sa., 2.2.2013, 12 Uhr

 

chilli: Und die Kamera bleibt dann zu Hause?
Hauser (lacht): Na ja, eine kleine Kamera habe ich schon dabei. Aber oft vergesse ich auch das Fotografieren und genieße es, die Welt nicht durch die Perspektive des Fotografen zu sehen.

chilli: Inwiefern hat sich bei Ihnen die Weltkenntnis – Mundologia – eingestellt?
Hauser: Ich habe noch viel mehr Facetten der Erde, fremde Kulturen und Ökosysteme kennengelernt. Es wird einem klar, wie viel es zu schützen und zu erhalten gibt.

Unterwegs zu den Schönheiten der Schöpfung, Reiner Harscher, So., 3.2.2013, 12 Uhr

 

chilli: Gerade unter Flugreisen leidet aber auch die Umwelt. Wie passt das zusammen?
Hauser: Da gibt es schon einen gewissen Widerspruch. Aber um meine Vorträge produzieren zu können, kann ich nur schwer auf das Fliegen verzichten. Inhaltlich stehen immer auch die ökologischen Probleme und menschlichen Konflikte im Mittelpunkt, zum Beispiel die Abschlachtung der Haie, die ich bei meinem Costa-Rica-Vortrag thematisiert habe.

chilli: Kritische Reportagen kommen sicher nicht in allen Ländern gut an. Gab’s auch mal brenzlige Situationen?
Hauser: Richtig brenzlig wurde es eigentlich nie – weder in den philippinischen Slums noch beim Tauchen mit den Haien. Ich wurde auch mal überfallen, aber das gehört dazu.

Mundologia-Macher Tobias Hauser (links) und David Hettich.

 

chilli: Klar, so was passiert ja ständig.
Hauser (lacht): Für das, was ich schon alles gemacht habe, bin ich gut davongekommen. Ich war mal zwei Monate in Kolumbien unterwegs, vor 20 Jahren, als es dort noch wilder zuging. Da ist nie was passiert. Ausgerechnet in Neuseeland, dem sichersten Land der Welt, wurde ich überfallen. So was kann immer vorkommen, auch in Deutschland.


Text: Steve Przybilla / Fotos: Klaus Fengler, Florian Schulz, Dirk Rohrbach, Reiner Harscher, privat, Mundologia


Mundologia
Das 10-jährige Jubiläum
„Lebe deinen Traum“
1. bis 3. Februar 2013
Konzerthaus Freiburg
www.mundologia.de