In diesem Jahr feiert die Brauerei Ganter in Freiburg ihr 150-jähriges Jubiläum. Die Geschäftsführer freuen sich nicht nur darüber: Die Umstellung auf das regionale Geschäft und die Umstrukturierung der Produktionstechnik zahlen sich bereits aus.

 

Herrlich gelegen: Für das reine Brauereigeschäft benötigt Ganter nur ein Viertel des Areals. Die weitere Entwicklung des Grundstücks werde aber noch durch die Planungen für den Stadttunnel blockiert

In den 80er Jahren fuhr ein Weihnachtszirkus durch Deutschland, der mit seinen Elefanten auch in Freiburg Halt machte. Da die Elefanten kaltes Wasser nicht vertrugen, füllte der Zirkusdirektor das warme Kühlwasser der Brauerei Ganter ab, um seine Tiere zu versorgen – sozusagen für eine Elefantensauna.

 

Wasser für Elefanten braucht Ganter heute nicht mehr bereitzustellen. Die Brauerei modernisierte vor fünf Jahren mit dem Projekt „Ganter 2010“ ihre komplette Technik, arbeitet seither mit neuer Pumpe und Kälteanlage und verbraucht 60 Prozent weniger Wasser. Nebenkosten und auch der Gasverbrauch haben sich halbiert. Mit dem Projekt habe man überlegen wollen, wie man in dem „Haifischbecken Biermarkt“ weiter überleben kann, erklärt Geschäftsführer Detlef Frankenberger.

 

Durch politische Entscheidungen wie dem Alkoholverbot am Arbeitsplatz oder die Senkung der Promillegrenze im Verkehr, aber auch den demographischen Wandel und ein neues Gesundheitsbewusstsein ist der Bierverbrauch in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen.

 

Hätten die Ganters weitergemacht wie bisher, hätten sie Massenbiere herstellen und umziehen müssen. Oder sich in die Arme einer größeren Brauerei legen. Übernahmeangebote habe es genügend gegeben, erzählt Geschäftsführerin Katharina Ganter-Fraschetti.

 

Die Brauerei hat sich indes vom Massengeschäft zurückgezogen und konzen- triert sich aufs regionale Geschäft und auf die Produktion von Spezialitäten wie einem hellen Lager. Die Hälfte des Personals aus Spitzenzeiten wurde entlassen, heute arbeiten noch 42 Menschen bei Ganter.

 

Stolz: Detlef Frankenberger (l.), Katharina Ganter-Fraschetti mit neuer Ganter-Biografie und Ernst Ludwig Ganter.

„Wir sind keine Traumtänzer“, sagt Ganter-Fraschetti, „es war die richtige Entscheidung.“

 

Der Gewinn des operativen Geschäftes ist derzeit noch gering, aber Frankenberger ist sicher: „Die neue Technik hält 20 bis 30 Jahre. So lange müssen wir nichts mehr in die Produktionstechnik investieren, und wenn die Abschreibungskosten zurückgehen, wird auch der Gewinn höher.“

 

Von den 30.000 Quadratmetern des Ganter-Areals wird nach der Umstrukturierung nur noch ein Viertel für die Bierproduktion gebraucht. Den Rest wolle man nutzen für Wohnungen und Gewerbeflächen. Ein Teil des Areals wird bereits umgebaut für die Tanzschule Gutmann: Diese will dort ihre Zentrale einrichten und die Fläche für Großevents nutzen. Für den Umbau des restlichen Geländes sei man noch in der Wartschleife.

 

Da der geplante Stadttunnel in Freiburg am engen Ganterknoten einen Vollanschluss bekommt (Autofahrer können von jeder Richtung raus- oder reinfahren), muss in einem etwa fünf Meter breiten Streifen auch unter dem Ganter-Areal gebaut werden. Erst danach soll der Bebauungsplan für Ganter erstellt werden. „Wie lange sich das noch ziehen wird, wissen wir nicht“, sagt Geschäftsführer Ernst Ludwig Ganter. Auch das Freiburger Rathaus sei sehr interessiert am Umbau, „weil Wohnungen dringend gebraucht werden“, so Frankenberger. Ursprünglich sollte der Umbau des Areals schon Ende 2014 abgeschlossen sein. Da aber das Regierungspräsidium Freiburg mitentscheide, ginge alles etwas länger. RP-Sprecher Matthias Henrich erklärt, dass die Vorplanung nun abgeschlossen sei. Nun laufe die Abstimmung zwischen Ganter, Stadt Freiburg und dem RP, um die verschiedenen Bedürfnisse in Einklang zu bringen.

 

Ganter wird auch diese Zeitspanne noch aushalten können: Bei der IHK Südlicher Oberrhein sind nur 0,2 Prozent aller 60.500 gemeldeten Betriebe älter als 150 Jahre. Ganter gehört dazu. Alle drei Ganter-Chefs prognostizieren: „Wenn es so weitergeht, produzieren wir auch in 150 Jahren noch.“

 

Text: Sophie Radix / Fotos: Ganter, sr