Ein Tag im August, ein Schloss in Hannover, ein weitläufiger barocker Garten, eine feierliche Preisverleihung, bei der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) alle versammelten „Überzeugungstäter“ lobt. Aus Freiburg sind Heidemarie Schlenk und Ilaria Maccagno, Buchhändlerinnen des Jos Fritz, angereist. Schließlich wird auch ihnen der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen.

 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit den Buchhändlerinnen Ilaria Maccagno und Heidemarie Schlenk (v. l.).

 

 

Damit „würdigen wir nicht nur den Beitrag kleiner, inhabergeführter Buchläden zum Schutz der literarischen, der verlegerischen, der kulturellen Vielfalt in Deutschland,“ sagt die Politikerin. „Wir wenden uns damit auch gegen die Degradierung eines Kulturguts zur bloßen Handelsware, gegen die Bewirtschaftung einer geistigen Monokultur, in der nur noch das überlebt, was hohe Verkaufszahlen hat.“

 

Insgesamt werden 108 unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen ausgezeichnet. Preisträger aus Südbaden sind Kastl in Weil am Rhein und eben Jos Fritz. Beide erhalten in der Kategorie „Hervorragende Buchhandlungen“ einen Preis in Höhe von 7000 Euro und ein Gütesiegel als Auszeichnung.

 

„Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung unseres kulturellen Engagements“, sagt Schlenk. Im April 1975 begann die Geschichte als „politische Buchhandlung“. Zuerst sollte diese „Aspirin“ heißen, doch der herstellende Bayer-Konzern war dagegen. Namensgeber wurde Joß Fritz, ein markenrechtlich ungeschützter aufständischer Bauer aus dem 16. Jahrhundert. Das „Politische“ ist aus dem Namen gestrichen und auch Schilder wie „Wegen Demo geschlossen“ hängen nicht mehr in der Tür. Dennoch ist die Auswahl nicht zuletzt wegen ihrer Vielfältigkeit ein politisches Statement: linke Diskussion, Philosophie und Geschichte, Frauenliteratur und Gendertheorie, Romane und Kinderbücher, Autoren aus der sogenannten Dritten Welt. Und Kleinverlagen, die anderswo ignoriert werden, wird hier Respekt gezollt. Respekt also auch für Jos Fritz.

 

Text: Dominik Bloedner / Foto: © Deutscher Buchhandlungspreis/Nico Herzog