Der 1. Mai naht, aber in der Wilhelmstraße im Freiburger Sedanviertel ist das in diesem Jahr wohl kaum ein Grund zum Feiern. Die Stadt hat – nachdem es in den vergangenen Jahren offenbar zu Anwohnerbeschwerden gekommen war und sich auch immer wieder nicht-genehmigte Veranstaltungen an die Party angehängt hatten – das seit 25 Jahren existierende Fest mit legaler Straßenabsperrung in diesem Jahr ersatzlos verboten. Bei dem Fest waren in den vergangenen Jahren bis zu 3.000 Besucher erschienen. Jetzt wendet sich die Gemeinderatsfraktion der Unabhängigen Listen (Zusammenschluss der Gruppen Linke Liste, Kulturliste und Unabhängige Frauen) in einem kritischen Schreiben an die Verwaltung und warnt darin sogar vor Protestausschreitungen.

 

“Die UL kritisiert in aller Schärfe den Beitrag der Stadt Freiburg zum 1. Mai in Form eines generellen Verbots des traditionellen Straßenfestes in der Wilhelmstrasse.” So beginnt der Brief, der von Michael Moos von der Linken Liste im Auftrag der UL unterzeichnet ist. Moos prangert an und warnt zugleich, das Verbot lasse “jegliches Augenmaß vermissen und kann selbst zur Quelle erneuter Unruhen am 1. Mai im Grün werden.

 

Offenbar hatte es im Vorfeld ein Treffen zwischen Organisatoren des Festes, Anwohnern und Vertretern der Stadtverwaltung gegeben, bei dem ein Rahmen für ein mögliches Fest abgesteckt wurde. “Warum also ein Verbot?” fragt Moos daher weiter und gibt sich selbst die Antwort: “Ausschließlich deshalb, weil niemand persönlich beim Amt die Genehmigung des Festes beantragt hat. Doch stellt dieser Umstand bereits wie behauptet eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung dar?”

 

Zur Befriedung der Situation hält Moos die Maßnahme des Verbots jedenfalls für “völlig überzogen und komplett untauglich“. Da der Beschluss aus dem Dezernat des ersten Bürgermeisters Otto Neideck stammt, wendet sich der Linke-Liste-Vorstand in dem Brief direkt an dessen Vorgesetzten, den Oberbürgermeister Dieter Salomon, den er dazu auffordert “dafür Sorge zu tragen, dass ein friedliches Fest am 1. Mai in der Wilhelmstraße stattfinden kann.”

 
Immerhin: Horst-Günther Glanz, Betreiber des Jos-Fritz-Cafés in der Specht-Passage und seit Jahren einer der Haut-Mitverantwortlichen des Wilhlemstraßenfests, wird in der Passage selbst wenigstens ein kleines Mai-Fest ins Leben rufen. Kapazitäten für 3.000 Leute hat er aber sicher nicht – damit rechnen, dass die Wilhelmstraße trotz Festverbotes an diesem Feiertag frei bleibt, sollte man also auch nicht.