Warum Homosexuelle nicht heiraten dürfen

Heute ist der 12.12.12. Daher ist wohl mit langen Schlangen vor dem Trauzimmer im Freiburger Rathaus zu rechnen. Insgesamt 226 schwule und lesbische Paare haben sich in Freiburg schon das Ja-Wort gegeben. Heiraten dürfen sie nicht. Seit 2001 dürfen sie in Deutschland immerhin eine eingetragene Lebenspartnerschaft beschließen. Im Gegensatz zu anderen Städten und Gemeinden waren im Freiburger Rathaus seit jeher die Standesbeamten für die Zeremonie zuständig. Unter der alten CDU-Landesregierung fiel diese Aufgabe offiziell in den Bereich des Landratsamtes – was zur Folge hatte, dass in manchen Gemeinden die sogenannten Verpartnerungen auf der KFZ-Zulassungsstelle besiegelt wurden. „Freiburg ist in dem Bereich schon lange vorbildlich“, findet Stadtrat Walter Krögner, der gerade mit seinem Mann aus den Flitterwochen in Brasilien zurückgekehrt ist. Er könnte sich sogar vorstellen, dass die Stadt künftig in Schwulenmagazinen für sich und ihren Service Werbung macht.


„Es handelt sich um keine Eheschließung, sondern um eine Verpartnerung, das kann man nicht vergleichen“, begründete 2010 noch der CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Wilhelm Röhm in einem Beitrag des NDR, warum es in seinen Augen in Ordnung sei, dass Schwule und Lesben zum Ja-Sagen dorthin gehen, wo andere ihr Auto abmelden. „Das war totaler Schwachsinn“, ärgert sich Krögner, damals selber Landtagsabgeordneter, nach wie vor über diese „unwürdige Lösung“. Röhm selbst sah das nicht so: „Ich persönlich halte das nicht für diskriminierend.“

Dass diese Posse inzwischen Geschichte ist, daran hat auch Krögner seinen Anteil. Anfang 2011 reichte er gemeinsam mit dem heutigen baden-württembergischen Justizminister Rainer Stickelberger und anderen SPD-Abgeordneten einen Antrag ein, in dem sie eine Änderung des Lebenspartnerschaftsgesetzes forderten. Bevor diesem aber stattgegeben wurde, endete die CDU-Regierung, Rot-Grün handelte schnell und seit dem 1. Januar 2012 ist die Frage „Partnerschaft oder PKW-Zulassung?“ auch in badischen Ämtern Geschichte.


Krögner selbst machte von seinem Recht, einen Mann zu seinem eingetragenen Lebenspartner zu machen, am 27. September Gebrauch. Auf dem Freiburger Standesamt gab er seinem Lebensgefährten Pedriano Qintiera dos Santos im Rahmen einer stimmungsvollen Feier das Ja-Wort. „Die Standesbeamtin hat das sehr schön gemacht, es war sehr würdig und feierlich“, blickt er gerne zurück. Aus den anschließenden Flitterwochen in Brasilien, dem Heimatland seines Partners, hat der Politiker dann auch gleich noch einige Anregungen mitgebracht: „Dort gibt es Kampagnen für ein offenes Bekenntnis zur Bekämpfung von Homophobie, so etwas würde Freiburg auch gut zu Gesicht stehen.“ Die Freiburger Akzeptanz und Wertschätzung gegenüber den gleichgeschlechtlichen Paaren sollte in seinen Augen auch vermarktbar sein: „Ich könnte mir vorstellen, dass die Stadt etwa in Schwulenmagazinen für Eheschließungen wirbt.“

Zwar spricht Krögner von „Ehe“, allerdings weiß er, dass es sich de jure nicht um eine solche handelt: „Rein formell sind Begriffe wie Ehe, Hochzeit oder Heirat nicht zutreffend, da eine Ehe mehr Rechte hat als eine Partnerschaft.“ Insbesondere im Bereich der Adoption und des Erbrechts bestünden da nach wie vor gravierende Unterschiede. „Aber letztendlich ist eine Zusage zweier Menschen, füreinander einzustehen, eine Hochzeit.“ Daher unterstützt er die politische Forderung nach totaler Gleichstellung, „dann gibt’s auch keine Fragen mehr.“ Und hoffentlich auch nie wieder unfreiwillige Trauzeugen mit Nummernschildern in den Händen.

Text: Felix Holm / Fotos: Michael Bamberger