Vor zehn Jahren debütierte der Nürnberger Autor Oliver Bottini mit dem Roman „Mord im Zeichen des Zen“ – und bekam dafür gleich den renommierten Deutschen Krimi Preis. Hauptfigur war die Freiburger Kommissarin Louise Boni, die fortan im Mittelpunkt seiner nächsten vier Krimis stand. Boni hat zwar mittlerweile ihr Alkoholproblem bewältigt, aber nach dem Tod ihres hassgeliebten Chefs bis auf weiteres unbezahlten Urlaub genommen. Bottinis neuer Kriminalroman „Ein paar Tage Licht“ spielt nun in Algier. Es geht um Rüstungsexporte, islamische Terroristen und die Machenschaften des algerischen Geheimdienstes.

 

Ausgangspunkt ist die Entführung eines deutschen Rüstungsmanagers in Algerien. Die Behörden sagen sehr schnell, dass islamistische Terroristen aus dem Umfeld von Al-Qaida verantwortlich sind. Dem deutschen BKA-Mann Ralf Eley, der an der deutschen Botschaft in Algier stationiert ist, kommt das spanisch vor. Obwohl er nicht darf, beginnt er diskret zu recherchieren, was ihn den Job und die Ausweisung kosten kann. Hilfe bekommt er von seiner heimlichen Geliebten, der algerischen Untersuchungsrichterin Amel.

 

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Bottini gelingt es auf fünf kunstvoll verknüpften Ebenen die Hintergründe der internationalen Waffenschiebereien zu beleuchten. Bei der Recherche hat ihn einer der profiliertesten Rüstungs-Gegner Deutschlands unterstützt: der Freiburger Jürgen Grässlin, Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft und  der aktuellen Kampagne „Aktion Aufschrei: Stoppt den Waffenhandel!“

 

Der Wahlberliner Bottini, der auch vor Ort in Algier recherchiert hat, nennt in dem Roman einige Rüstungsfirmen mit Klarnamen, andere haben aus juristischen Gründen Phantasie-Bezeichnungen. „Alles, was die realen Firmen anbelangt, ist durch Fakten belegt“, versichert er, „die anderen Waffenhersteller sind frei erfunden.“ Der 512 Seiten starke Roman besticht nicht nur durch präzise Syntax und die spannende Handlung: Ganz nebenbei erzählt Bottini auch viel über das „schwarze Jahrzehnt“ Algeriens. Ende der achtziger Jahre gab es im größten Land Afrikas zarte Ansätze einer Liberalisierung. Nach dem Sieg der Islamisten in den Kommunal- und Parlamentswahlen putschte das Militär. Der folgende Bürgerkrieg kostete dann zwischen 60 000 und 150 000 Menschen das Leben.

 

Bottini webt über die Handlungsebene auch das schwere Schicksal der Harkis ein, die 1954 im Unabhängigkeitskrieg  Helfer der französischen Besatzungsmacht waren. Sie arbeiteten als Verwaltungsbeamte vor allem für das Militär und im  Polizeidienst. Da die Harkis auch Widerstandsnester der Rebellen ausspionierten, wurden nach der Unabhängigkeit Algeriens im Jahr 1962 Zehntausende als Verräter getötet, während die französische Regierung tatenlos zusah.

 

Andere konnten nach Frankreich fliehen, wo sie bis in die 70er Jahre in Waldcamps oder Lagern hausen mussten. „Natürlich kann man den Harkis vieles vorwerfen, aber dass sie 50 Jahre leiden mussten, finde ich auch nicht gerecht“, sagt der Autor.

 

Er arbeitet nun schon an seinem nächsten Projekt, bei dem Louise Boni wieder die Hauptrolle spielen wird. Der Roman hat einen historischen Hintergrund, die Story hängt mit Afrika zusammen. Vielmehr will der vielfach ausgezeichnete Autor noch nicht verraten.

 

Text: Sebastian Bargon

Foto: Hans Scherhaufer

 

Info: Oliver Bottini liest am 4. April in der Buchhandlung aus „Ein paar Tage Licht“.

 

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