Sie scheint im Schatten ihrer berühmten Nachbarn Venedig und Verona zu verschwinden, obwohl sie nicht den geringsten Grund hat, sich zu verstecken: Padua ist eine Stadt der Kunst, der Wissenschaft, der Religion und der Natur. Zahlreiche Kulturdenkmäler spiegeln die zweitausendjährige Geschichte von Freiburgs norditalienischer Partnerstadt wider, die sich beim Schlendern durch malerische Gassen und durch nicht weniger als 14 Kilometer Bogengänge erkunden lassen. Und wem das trotzdem nicht genügt, der erreicht in weniger als einer Stunde auch die beiden berühmteren Nachbarn.

 

Bogengang in Padua

14 Kilometer dieser Bogengänge ziehen sich durch Padua. Fotos: tbr

 

Das Grab des Antenor ist eine dieser Sehenswürdigkeiten von Padua, an denen man beim Bummel durch die Altstadt ganz zufällig vorbeikommt: Auf vier Säulen soll hier in einer tempelförmigen Grabstätte der trojanische Held ruhen, der angeblich einst die Stadt Padua gegründet hat. Die Legende passt so gut zu der historischen Stadt, dass sie an dieser Stelle gar nicht durch Untersuchungsergebnisse geschmälert werden soll, die das Skelett in dem Sarg auf gut 1500 Jahre nach Troja datiert haben wollen.

 

Auf der Suche nach Daten, die besser zum historischen Flair der Stadt passen, geht es weiter zur Universität aus dem Jahr 1222 – einer der ältesten Hochschulen Europas. Hier haben bereits Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei oder Elena Lucrezia Cornaro Piscopia studiert – die in Padua als erste Frau der Welt promoviert hatte. Es sind längst nicht die einzigen Namen, mit denen die Uni aufwarten kann: Im Innenhof sind die Wände und Decken der Bogengänge übersät mit den Wappen berühmter Absolventen.

 

Universität Padua

Die Wappen berühmter Absolventen im Innenhof der Uni.

 

Auch vor der Uni sind die Absolventen nicht zu übersehen: In peinlichen Kostümen, begleitet von Spottliedern ihrer Kommilitonen und lediglich aufrecht gehalten vom Alkohol ziehen sie durch die Straßen. Plakate mit ihren Missetaten während des Studiums zieren die Außenwände der Uni. Ein alter Brauch, der sicherlich schon den einen oder anderen Eltern die Augen über ihre Sprösslinge geöffnet hat.

 

Uni-Absolvent in Padua

Brauch in Padua: So ziehen die frischgebackenen “Dottore” durch die Stadt.

 

So geht es begleitet von Legenden und Brauchtum weiter durch die Stadt, vorbei an der Basilika des Heiligen Antonius, dessen Gebeine Pilger aus der ganzen Welt nach Padua locken, an der Cappella degli Scrovegni mit den Fresken von Giotto, dem Gerichtssaal „Palast der Vernunft“, in dem ein Schandstein an die Bestrafung der Schuldner erinnert, an Kathedralen, Denkmälern, Museen.

 

Man muss Carlo Alberti, dem Mann, der die Partnerschaft zwischen Freiburg und Padua entscheidend vorantreibt, einfach zustimmen, wenn er beim Vergleich der beiden Städten feststellt: „Padua ist schöner.“ Zwar kann man ihm eine gewisse Befangenheit nicht absprechen – schließlich hat ihn die Liebe zu einer der Einwohnerinnen nach Italien gelockt – doch der ehemalige Ratsschreiber, der seit fünf Jahren zwischen Freiburg und Padua pendelt, hängt gleich noch ein „aber“ an: „In Freiburg ist die Lebensqualität höher.“

Markt in Padua

Frischer Parmaschinken am Stand No. 16.

 

Ob man ihm das glauben mag, wenn man ihm beim Probieren von hauchdünnem Parmaschinken und würziger Salami auf dem seit dem Mittelalter bestehenden Markt beobachtet? Spätestens beim Aperitivo im Caffè Pedrocchi kommen ernsthafte Zweifel auf.

 

Klar, Freiburg ist für seine schönen Cafés und Kneipen bekannt, doch mit so etwas kann die südbadische Hauptstadt nicht aufwarten: Das im Jahr 1836 von Guiseppe Jappelli fertig gestellte Kaffeehaus begeistert mit einem Mix aus neuklassischen und gotischen Elementen, Marmorböden, riesigen Kronleuchtern und einem schwarzglänzenden Flügel mitten im Raum. Das imponiert selbst dann, wenn man nichts von der Café-Geschichte als Intellektuellen-Treffpunkt weiß, der einst von österreichischen Truppen angegriffen wurde und auch die Kugel nicht findet, die seither angeblich in der Wand steckt (kleiner Tipp: sich vor den Aperitivos auf die Suche machen und nicht erst danach).

 

Caffè Pedrocchi in Padua

Neuklassisch: Das Caffè Pedrocchi ist eine der ersten Adressen in Padua.

 

Und dann kommt es doch noch: das Haar in der Suppe. Natürlich nicht im Essen – statt Suppe wird hier schließlich feinste Steinpilz-Lasagne serviert. Sondern als im Caffè Pedrocchi, wie auch in den meisten anderen Bars, um Punkt zwölf die Türen zugehen. Feierabend. Daher an dieser Stelle ein Appell an Freiburg: Liebe Stadt, bedenke, dass du dich mit deiner Sperrzeiten-Diskussion um den letzten Vorteil bringen könntest, der dir gegenüber deiner italienischen Partnerstadt noch bleibt. Salute!

 

Text: Tanja Bruckert

 

Padua in Bildern:

 

 

Ausflugsziel: Die Fischerstadt Chioggia in der Bucht von Venedig

 

 

Berühmter Nachbar von Padua: Venedig