Er bilanzierte 2011 ein Rekordjahr, und gerade weil das so stark war, weil der Freiburger Immobilienmarkt in der Folge heute noch leerer als sonst ist, musste Thomas Schmidt die Umsatzplanung für 2012 anpassen. Im Vergleich zum Vorjahresergebnis hat er 20 Prozent weniger eingeplant, im September liegt er mit rund 160 vermittelten Immobilien nun leicht drüber. chilli-Chefredakteur Lars Bargmann hat sich mit dem Geschäftsführer der Sparkassen-Immobiliengesellschaft unterhalten.

Thomas Schmidt: Wenn die Zinsen steigen, ist der Spuk bald wieder vorbei.

 

chilli: Was macht ein Immobilienmakler, wenn es keine Immobilien am Markt gibt?
Schmidt: Der Engpass scheint von temporär in den Dauerzustand zu wechseln. Viele verkaufsbereite Privatanbieter haben zurzeit den Verkauf zurückgestellt, da die Anlagealternative fehlt. Hier beraten wir sehr intensiv, und es gilt viel Überzeugungsarbeit zu leisten, denn es gibt auch verpasste Chancen.

chilli: Wenn es mal etwas gibt, muss man die Stirn in Falten legen. Da bieten Bauträger sanierte Altbauten für schwer fassbare 5000 Euro den Quadratmeter an.
Schmidt: Die Angebote und die tatsächlich bezahlten Preise driften weit auseinander. Zwischen dem, was in den Annoncen steht und dem, was beim Notar protokolliert wird, liegen leicht mal 30 Prozent. Wer wie wir den Gutachterbericht der Stadt Freiburg auswertet, kann darin lesen, dass etwa die Preise für neue Reihenhäuser und Doppelhaushälften in 2011 im Vergleich zu 2010 um 5,4 Prozent zurückgegangen sind. Auch gebrauchte Reihenhäuser und freistehende Einfamilienhäuser sind günstiger geworden.

chilli: Und wie erklären Sie sich dann die Mondpreise?
Schmidt: Es gibt viele Eigentümer, die den Wert ihrer Immobilie überschätzen. Dann suchen sie sich einen Makler, der, um den Auftrag zu bekommen, erst einmal sagt, er schafft es, das Haus oder die Wohnung zu dem Preis zu verkaufen. Dann vergehen viele erfolglose Monate, weil die Käufer ja auch nicht dumm sind, und am Ende werden die Immobilien dann doch zu normalen Preisen verkauft. Das lange Warten kann man sich ersparen, wenn man gleich zu einem Makler geht, der den Markt kennt und realistische Preise ermittelt.

chilli: Wie die S-Immobiliengesellschaft?
Schmidt: Ein klares Ja.

chilli: Trotzdem wird die eine oder andere Wohnung in diesen Tagen auch mal überteuert über den Tisch gehen.
Schmidt: Die Kompromissbereitschaft der Käufer ist schon preistreibend. Es ist momentan ein sehr hektischer Markt, der auch zu schlimmen Fehlentscheidungen führen kann. Wegen der niedrigen Zinsen, der fehlenden Anlagealternativen und dem Wunsch vieler solventer Mieter nach Eigentum ist die Nachfrage sicher doppelt so hoch wie das Angebot. Wer sich dann heute nicht schnell entscheiden kann, geht morgen schon leer aus. Aber auch die Käufer sollten sich professionell beraten lassen. Wenn die Zinsen nur um zwei Prozent steigen, ist der Spuk schnell wieder vorbei.

chilli: Findet eine Verlagerung ins Umland statt?
Schmidt: Beim Ramie-Gelände in Emmendingen ist jeder dritte Käufer aus Freiburg. Im Umland zahlen Sie für den gleichen Quadratmeter schnell 1000 Euro weniger. Davon profitieren Standorte wie Breisach, Denzlingen, Gundelfingen oder Waldkirch.

chilli: In Freiburg kommen bald die Gutleutmatten, auf dem Güterbahnhof darf nun doch gewohnt werden. Wird das gegen die vom Preis erzwungene Landflucht wirken?
Schmidt: Es dauert lange, bis diese Flächen beziehbar sind. Das hilft in ein paar Jahren, heute nicht. Der Güterbahnhof ist aber ein starker Standort. Die Tram durch die Waldkircher Straße kommt dahin, die Messelinie. Wenn die Stadt aber vorschreibt, dass da in jedes Gebäude auch Gewerbe muss, wird das nicht hinhauen. Die geplanten Handwerkerhöfe hingegen können Betriebe aus der Innenstadt oder innenstadtnahen Quartieren rausholen. Die würden dann Platz für neue Wohnflächen schaffen. Und das wäre sehr sinnvoll.

Text: Lars Bargmann / Foto: Sparkasse Freiburg

Info: www.s-immobilien-freiburg.de