Das Freiburger depot.K ist Galerie, Veranstaltungsort, Künstlerkooperative und Kunstlabor in einem – und das seit über vier Jahren. Zeit für ein Zwischenfazit. cultur.zeit-Autorin Marion Klötzer sprach mit Timm Gutmann und Michael Kohnen über dieses ungewöhnliche Projekt.

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chilli: Ihr beiden seid Gründungsmitglieder und damit Urgesteine des depot. K. Wie fing das eigentlich alles an?
Timm Gutmann: Mit einem kleinen Inserat: „Suchen Künstler aller Sparten zum Erfahrungsaustausch.“ Gekommen sind dann knapp zwanzig Leute, die Lust auf genreübergreifende Projekte und neue Präsentationsmöglichkeiten hatten. Das war ermutigend …
Michael Kohnen: … und quasi ein Kaltstart aus dem Nichts. Kaum gab’s so was wie eine Gruppe, hatten wir durch einen absoluten Glücksfall auch schon einen Raum, und das Ganze wurde plötzlich konkret.

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chilli: Ein ehemaliges Fliesenfachgeschäft im Hinterhof an der Schopfheimer Straße, eure Wunsch-Location?
Gutmann: Unbedingt. Unsere Idee war ja von Anfang an eine Alternative zum etablierten Kulturbetrieb. Wir wollten bürgernah agieren, einen lebendigen Treffpunkt mit niedriger Hemmschwelle schaffen. Da passte dieses Umfeld aus Kleingewerbe, Handwerk und Wohngebiet optimal.
Kohnen: Bis die Räume einigermaßen fertig waren, brauchte es allerdings mächtig finanzielles und persönliches Engagement. Tonnenweise und monatelang haben wir hier Kacheln und Regale rausgeschafft, Schiebeelemente zwischen die Stahlträger montiert, geputzt und gestrichen. Und plötzlich hatten wir völlig erfahrungsfrei eine Galerie am Bein, mussten irgendwie ein tragfähiges Konzept samt Infrastruktur hinkriegen.
Gutmann: Das bedeutete erst mal raus auf die Straße und hin zu den Leuten, die von Kunst eigentlich die Nase voll haben. Wir stellten uns mit Skulpturen auf die Marktplätze, verteilten Flyer, luden Nachbarn ein …
Kohnen: Die Reaktionen waren verhalten, also stellten wir am Anfang selber aus. Dabei wollten wir nie Produzentengalerie oder Veranstalter sein, sondern unterschiedliche Sparten gleichberechtigt in Kontakt bringen. Deswegen gibt’s bei uns bis heute keine Einzelausstellungen: Der Grafiker kooperiert mit der Malerin, die Bildhauerin mit dem Fotografen. Dazu kommen Theater, Performance, Lesung oder Konzert – nicht als Begleitprogramm, sondern als eigenständiger künstlerischer Beitrag, inmitten der Ausstellung.
Gutmann: Wir wollen das Crossover, uns interessiert die Spannung und Reibung zwischen den Arbeiten. Das bringt für jeden Einzelnen neben viel Spaß auch die Chance zur Entwicklung, zum Perspektivenwechsel. Da ist es natürlich wichtig, die Räume mobil zu halten.
Kohnen: Deswegen entwickeln wir auch regelmäßig Kunstprojekte zu bestimmten Themen, an denen Künstler spartenübergreifend arbeiten. So wie bei „Kunst im Quadrat“ oder bei der Sommeraktion „Übergang“, die dieses Jahr unter dem Motto „Asyl“ steht. Diese Prozesse sind sehr experimentell und inspirierend. Nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für die Besucher: Es wird vor Ort gearbeitet und man kann den ganzen Tag reinschauen.

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chilli: Seit 2010 seid ihr ein gemeinnütziger Verein. Geht das Konzept auf?
Kohnen: Nachdem wir schon fast aufgeben wollten, steht unsere Grundfinanzierung seit vergangenem Jahr auf stabilen Füßen. Es gibt städtische Zuschüsse, dazu kommen Spenden und Kunstverkäufe. Es hat sogar endlich für neue Stühle gereicht!
Gutmann: Und auch die Resonanz ist mittlerweile groß: Wir bekommen so viele Anfragen, dass ein spannendes Jahresprogramm schon im Vorjahr steht. Seit 2010 ist auch das Ensemble Anprall mit im Boot und spielt hier regelmäßig Kammermusik des 20. und 21. Jahrhunderts. Außerdem hat die GEDOK in depot.K ein Büro. Es läuft also grade – mit viel Ehrenamt, aber frei von Existenzsorgen.

chilli: Wer kann bei euch mitmachen?
Kohnen: Jeder! Kunstinteressierte, Künstler, Gruppen und Institutionen, ob temporär oder als festes Mitglied. Wir sind da nach allen Seiten und für Vernetzungen offen. Und natürlich freuen wir uns über Förderer!
Gutmann: Wir sind ja selbst eine ziemlich bunte Truppe aus Handwerkern, Autodidakten und studierten Künstlern aller Genres. Da braucht’s keine Hemmungen …

Infos & Termine
depot.K e.V. Kunstprojekt Freiburg, Schopfheimer Str. 2 79115 Freiburg
Öffnungszeiten: Do. 17–20, Sa. 14–18, So. 11–16 und nach Vereinbarung.
Tel. 0761/6309680
info@depot-k.com
www.depot-k.com

Nächste Ausstellung:
Ulrike Wardenberg-Deutsch – Fotografie, Malerei, Collage /Martin Gehri – Skulptur, Installation, Zeichnung.
22. März bis 21. April
Vernissage 22.3., 20 Uhr

Fotos: depot.K e.V.