Lothar Dähn ist Freiburgs oberster Herr der Bienen: Der 65-Jährige ist der erste Vorsitzende des 1866 gegründeten Imkervereins Freiburg, der heute 271 Mitglieder hat. Dähn besitzt elf Bienenvölker, die im hiesigen „Lehrbienenstand“ in Lehen untergebracht sind. Im chilli-Gespräch erzählt er, wie er zum Imker wurde, woran derzeit Bienen sterben und von der neuen Bienen-App.

 

„Vor unserem Haus in Freiburg-Haslach stand 2006 noch ein über 100 Jahre alter, großer Nussbaum. Von dem ist eines Tages ein dicker Stamm runtergekracht und darin haben wir verwilderte Bienen entdeckt. Wir holten einen Imker zu Hilfe, der das Volk professionell entfernte. Von diesem Erlebnis beeindruckt, habe ich gleich einen Anfängerkurs für Imker besucht und schon bald den Lehrbienenstand in Freiburg übernommen. Dort hatte ich einen guten Lehrmeister, unseren damaligen Vorsitzenden Andreas Wolfangel, der mir nach zwei Jahren das Amt des Vorsitzenden vermacht hat.

 

Imker Lothar Dähn

Der Herr der Bienen über seine Lieblings-App: Imker Lothar Dähn

 

Imkerei ist ein zeitintensives Hobby: Als Imker muss ich mich rund um die Uhr um meine Bienen kümmern, sie füttern und alle möglichen Vorgänge kontrollieren. Dazu kommen noch das Honigernten und die Züchtung.

 

Durch das Bienensterben der vergangenen Jahre sind die Tiere derzeit wieder verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit. 2008 war das schlimmste Jahr für Bienen und Imker. Da hatten wir in Baden-Württemberg ein verheerendes Bienensterben, das durch ein Pestizid mit dem Nervengift Clothianidin des Bayer-Konzerns ausgelöst wurde. Nicht nur Bienen, sondern alles was fliegt und Nektar holt ist daran gestorben. Neben den giftigen Pestiziden der Konzerne Bayer und Syngenta werden Bienen aber auch von anderer Seite gefährdet. Etwa dadurch, dass die EU-Kommision genveränderten Mais für Europa zugelassen hat. Dieser Mais TC1507 entwickelt ein eigenes Gift, das durch das Mutationswasser in die Blätter gelangt und dort von den Bienen getrunken wird. Sie verlieren die Orientierung und sterben. Die Bienen müssen aber oft auf Mais als Nahrung ausweichen, weil durch die sich ausweitende Landwirtschaft eine einseitige Vegetation herrscht, die Grünstreifen auf den Feldern werden gerodet und Hecken werden gestutzt.

 

Uns Imkern ist es deshalb wichtig, den Laien und Neuimkern soviel Wissen wie möglich zu vermitteln. Das Landwirtschaftsministerium hat dazu eine neue App rausgebracht, die finde ich toll. Sie gibt dem normalen Bürger Informationen über die nützlichen Tiere an die Hand: Was brauchen Bienen, was kann ich in meinem Garten anbauen, um sie zu unterstützen? Wer noch mehr wissen mag, kann auf unsere Webseite schauen oder mich auch gerne mal beim Lehrbienenstand besuchen. Wir bieten bei Nachfrage auch Führungen an.“

 

Aufgezeichnet von Fiona Ebser