Es war mal wieder soweit – genauer gesagt, es war zum 557. Mal soweit: An der Albert-Ludwigs-Universität bricht ein neues akademisches Jahr an (lies: das Wintersemester geht wieder los) und wollte dementsprechend feierlich von Würdenträgern aus Stadt, Land und Bund begrüßt werden. Das chilli war vor Ort und präsentiert nun die fünf interessantesten Fakten der zweieinhalbstündigen Prozedur:

 

(1) Es hätte gereicht die Begrüßungsrede von Rektor Hans-Jochen Schiewer nur mit halbem Ohr zu verfolgen, das Wichtigste hätte man trotzdem mitbekommen: Thema war Nachhaltigkeit, dass die Universität im Bereich der Umweltforschung zu den „Nachhaltigkeitsaktivisten der ersten Stunde“ gehört und in Zukunft zum „zentralen Nachhaltigkeitsstandort“ in Deutschland und Europa werden will. Wie gesagt, es ging eben um Nachhaltigkeit, frei nach dem Motto: Wenn Freiburg im europäischen Fußball schon nicht führend mitwirken kann, muss das in der Forschung nachhaltig wieder gut gemacht werden.

 

Schiewer

 

(2) Goodbye Geisteswissenschaften? So manchem Philosophiestudenten mag es bei dem was Burkart Knospe, der Vorsitzende des Universitätsrates, zu sagen hatte, kalt den Rücken herunter gelaufen sein: Verstärkte Profilbildung für die Uni, weg von der Allgemeinuniversität, Fokussierung auf erfolgversprechende Fachrichtungen (also Naturwissenschaften und Technik?). Aber keine Panik liebe Philologen und Philosophen: Vorerst soll eben dieses Profil aus der Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen gebildet werden – also zum Beispiel aus gemeinsamen Projekten von Psychologen und Linguisten – damit auch die Fachgebiete „deren Stern in Freiburg momentan nicht ganz so hell scheint“ eine Chance haben. Na dann.

 

 

(3) Studenten kleben während der Vorlesung am Smartphone und der Verantwortliche bekommt auch noch einen Preis dafür. Prof. Dr. Bernd Becker hat eine App entwickelt, die den Studierenden die direkte Rückmeldung während der Lehrveranstaltung ermöglicht – ohne den Fortgang der Veranstaltung zu stören. Das Ganze nennt sich „SMILE – Smartphones in der Lehre“.

 

 

(4) „Ohne Dings kein Bums“ stand auf den T-Shirts der Preisträger des Alumni-Preises für soziales Engagement. Sie setzen sich – wie kann es anders sein – für Sexualaufklärung an Freiburger Schulen ein.

 

 

(5) Im Westen nichts Neues – das kann man aus dem Festvortrag von Prof. Jutta Allmendinger zur Situation von Bildung, Ausbildung und Weiterbildung in Baden-Württemberg mitnehmen. Dass die soziale Herkunft und das familiäre Umfeld entscheidend für die schulische Entwicklung eines Kindes sind, ist ein ebenso alter Hut wie die Feststellung, dass Arbeitgeber vermehrt auf die so genannten Soft-Skills setzen. Mit ihrer Schlussfolgerung hat Jutta Allmendinger dann auch Recht: Schulen und Universitäten müssen sich auf den Arbeitsmarkt der Zukunft einstellen – Überraschung.

 

Ehrungen3_500

 

Ach und wer auf Preisverleihungen abfährt, für den hätte sich ein Besuch dieser Veranstaltung wirklich gelohnt, schließlich wurden allein an Nachwuchswissenschaftler 40 Preise verliehen – und manche Preise hatten mehrere Preisträger.