Thomas Jorberg ist sich sicher: Banken in der heutigen Form wird es bald nicht mehr geben. Bei einem Besuch in Freiburg hat der Vorstandssprecher der ökologisch-nachhaltigen GLS Bank erklärt, warum er das so sieht. Ganz uneigennützig ist das nicht.

 

Thomas Jorberg: „Zu viele Banker haben bestochen, getrickst, manipuliert."

„Banken wie heute gibt es in zehn Jahren nicht mehr.“ Thomas Jorberg redet Tacheles im prall gefüllten Saal des Sonnenschiffs an der Merzhauser Straße. Der Vortrag über die „Bankenwelt im Umbruch“ zeichnet ein düsteres Bild: Glaubt man dem Öko-Banker, steht die Branche vor einem gewaltigen Umbruch. Rund 100 seiner Kunden aus Südbaden lauschen gespannt.

 

Jorberg, die Brille weit vorne auf der Nase, spricht mit ruhiger Stimme. Den prophezeiten Umbruch begründet er mit vier Herausforderungen: Niedrige Zinsen, starke Regulierung, digitaler Wandel und misstrauische Kunden. „Zu viele Banker haben bestochen, getrickst, manipuliert. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist langfristig gestört, wenn nicht zerstört.“

 

Das „Nullzinsniveau“ sei die Folge eines dauerhaften Überangebots von Geld auf den Finanzmärkten. Das mache den Banken zu schaffen: Sie könnten durch die kleinen Zinsmargen kaum mehr ihren Betrieb finanzieren. „Wenn das Niveau so tief sinkt, dass man damit den eigenen Aufwand nicht mehr finanziert bekommt, wird’s spannend.“ Für Jorberg ist es nur eine Frage der Zeit, bis das eintritt.

 

Die Europäische Zentralbank, die seit März monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen aus Euroländern kauft, hält er nicht für den Hauptverursacher. Den Markt mit Geld zu fluten, verstärke aber, dass sich das Geld an den falschen Orten staue. Dabei werde es in anderen Bereichen gebraucht: „Bildung, Kultur, Soziales!“

 

Ein Prozent der Weltbevölkerung habe mehr als 50 Prozent des Geldes. Reiche suchten verzweifelt nach Schuldnern. „So viel Unfug können die gar nicht machen, um das alles auszugeben.“

 

Auch in Sachen Bargeld werde sich einiges ändern. „Wasser kann man nicht digitalisieren, Geld aber schon.“ Crowdfinancing oder Online-Systeme wie PayPal und Google Play zeigten jetzt schon, wie Finanzgeschäfte im Netz abgewickelt werden. Auch bei der GLS Bank gehe der Trend zu digital: 60 Prozent der Kunden regelten ihre Geschäfte über das Internet.

 

Und wie sehen die Banken in zehn Jahren aus? „Wir machen dann vieles nicht mehr selbst. Wir sind vielmehr der Ansprechpartner, um die richtigen Ansprechpartner zu vermitteln. Und zwar für eine Geldanlage, um anderen zu helfen – nicht um Gewinn zu machen.“ So gesehen, spielt der Umbruch der GLS voll in die Karten. Denn dort ist schon heute die Philosophie: „Der Kunde kommt zu uns wegen des Mehrwerts, nicht wegen der Rendite.“ Ein Freiburger Student, der seit einigen Monaten GLS-Kunde ist, bestätigt das: „Finanzielle Rendite ist mir absolut egal. Sinn und ein gutes Gefühl sind ja auch eine Rendite.“

 

Infobox:

 

• Die GLS Bank investiert ausschließlich in sozial- ökologische Projekte.
• Kunden können selbst bestimmen, wo ihr Geld angelegt wird.
• Die GLS hat 188.000 Kunden
(+ 14 Prozent im Jahr 2014).
• Die Bilanzsumme für 2014 beträgt
3,64 Milliarden Euro (+ 12 Prozent).
• In Freiburg ist eine von bundesweit si
eben Filialen. Diese hat 11.062 Kunden
(+ 12,5 Prozent im Jahr 2014).

 

Text: Till Neumann / Foto: GLS-Bank