Superman ist einer, Nelson Mandela sicherlich auch und Lionel Messi zählt für den einen oder anderen bestimmt ebenso dazu. Die Rede ist von Helden. Und genau mit diesen beschäftigen sich nun im neuen Sonderforschungsbereich „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ Wissenschaftler der Freiburger Universität. Ist die Grundlage für Helden längst weggebrochen? Gibt es eine Renaissance des Heroischen? Gibt es langweilige Helden?

Held_1
In Sonderforschungsbereichen (SFB) werden ausschließlich fächerübergreifende Themen erörtert – und wer kann Helden schon ausschließlich etwa der Geschichte, der Soziologie oder der Archäologie zuordnen? Lange zehn Jahre ist es her, dass verschiedene Disziplinen der Freiburger Geisteswissenschaften so konzertiert zusammengearbeitet haben. Wie lange sich das neue Projekt halten kann, hängt von der Förderung ab. Denn obwohl der SFB „Helden“ auf zwölf Jahre ausgelegt ist, fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft zunächst nur vier Jahre – dies allerdings mit mehr als fünf Millionen Euro. Damit werden unter anderem 15 Professoren und 30 studentische Mitarbeiter finanziert.

In den ersten vier Jahren richtet sich der Blick in die Vergangenheit: Unter die Lupe kommt das Heldentum von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. An das komplexe Feld des heutigen Helden werden sich die Forscher erst danach wagen, denn obwohl außer Frage steht, dass es sie in der Vergangenheit gegeben hat, ist sich die Wissenschaft über die gegenwärtige Existenz von Helden im Unklaren.

So glaubt etwa Martin Warnke von der Uni Hamburg, dass das Heldentum längst passé ist – zumindest wenn man einen Blick aufs Militär wirft. Für ihn ist der typische Held ein Kriegsheld, der bestimmte Werte mit dem Einsatz seines Lebens schützt: „Doch im Kampf entscheidet heute nicht mehr die Tapferkeit des Einzelnen, sondern die Waffentechnik, damit ist eine jahrtausendealte Grundlage für Helden entfallen.“

Auch Susanne Lüdemann von der Uni München findet, dass Helden ihren Siegeszug lediglich noch im Kinderzimmer oder in Kinofilmen feiern. Und dennoch gebe es – da seien sich die Wissenschaftler einig – eine Renaissance des Heroischen. In den Tageszeitungen und Boulevardmagazinen wimmelt es von Sporthelden, Helden der Straße oder des Alltags. Muss man Helden heute anstatt auf dem Schlachtfeld vor der Haustür suchen?

Für Lüdemann ist auch das keine Lösung, denn selbst im Alltag gebe es keine Werte mehr, für die ein Held mit Manneskraft, Tatendrang, Opferbereitschaft oder Listen kämpfen könnte: Im Rechtsstaat hat der Beamte den Helden längst ersetzt.

Forschung beendet, SFB gescheitert, der Held ist tot. So einfach machen es sich die Wissenschaftler nicht – zunächst wollen sie dem Problem mit einer geeigneten Begriffsdefinition begegnen. SFB-Sprecher Ralf von den Hoff weiß, dass der heutige Sprachgebrauch dafür ungeeignet ist: „Der Begriff des Helden wird stetig ausgeweitet, bis dahin, dass jeder der Held seines eigenen Wirkungskreises ist.“ Diese Definition eignet sich für die Forschung jedoch ebenso wenig wie die der Antike, als lediglich gefallenen Kriegern der Heldenstatus zuerkannt wurde.

Statt einzelne Heldentypen stehen bei der anlaufenden Forschung jedoch die Rolle des Helden in der Gesellschaft und soziale Strukturen im Vordergrund, die Helden hervorbringen. Die Forscher erwartet ein interessantes Feld, denn „langweilige Helden gibt es per Definition nicht“.

Text: Tanja Bruckert / Foto: istock.com