Warum Freiburger Studenten das Land- dem Stadtleben vorziehen

In Zeiten, in denen die Wohnungssuche in Freiburg immer schwieriger und Wohnraum immer teurer wird, suchen und finden auch junge Leute immer öfter eine Alternative in den umliegenden Dörfern. Durch die extrem großen Jahrgänge der vergangenen Jahre, aber auch durch G8 und den Wegfall der Wehrpflicht, kommen immer mehr Studenten nach Freiburg. Einer von ihnen ist der 20-jährige Sven Seelinger aus Rülzheim bei Karlsruhe. Er lebt seit einem Jahr in Tiengen – und ist dort rundum zufrieden.

 

Es ist Spätsommer. Die Sonne strahlt, ringsum Felder und Weinberge so weit das Auge reicht. Es riecht nach frisch gemähtem Gras und blühenden Blumen. In Freiburg-Tiengen, einem 3300 Seelen-Dorf, bekommt man all das geboten – und zwar direkt vor der Haustür. Hierher hat es den Geschichtsstudenten Sven verschlagen. Warum er ausgerechnet auf dem Land wohnt, wo er doch auch in der Studentenstadt Freiburg leben könnte? „Ich komme vom Dorf und bin es gewohnt nachts ruhig zu schlafen, daher ist das genau das Richtige für mich. Außerdem sind die Wohnungen hier bezahlbar“, berichtet der Student. Er zahlt zusammen mit seiner Freundin für eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 60 Quadratmetern 510 Euro. In der Stadt legt man derzeit für 16 Quadratmeter in einer WG locker an die 350 Euro hin. Eine 60 Qua-dratmeter-Wohnung in der City kann sich ein Student kaum leisten. Unter 600 Euro ist gar nichts zu finden, die Preise liegen eher zwischen 700 und 900 Euro.

Schöne Aussicht, Ruhe und faire Preise, Studentenherz, was willst du mehr? Wie wäre es mit Party? In den Dörfern selbst findet selten etwas statt. „Vielleicht einmal ein Dorffest oder eine kleinere Feier, aber nichts wirklich Spektakuläres. Dafür muss man dann schon in die Stadt fahren“, gesteht Sven. „Aber die Verbindungen nach Freiburg sind wirklich super. Mit Bus und Straßenbahn ist man in 30 Minuten in der Stadtmitte“, erzählt der 20-Jährige, „alle halbe Stunde fährt ein Bus, an Werktagen und sogar am Wochenende. Der letzte Bus zurück fährt so um halb eins.“ Für die Feierwütigen unter den Studenten recht früh, „aber das ist nicht schlimm“, fügt er hinzu, „denn in Freiburg und Umgebung gibt es auch Nachtbusse.“ An den Wochenenden fahren die zwischen 1.11 und 4.44 Uhr in alle Himmelsrichtungen. Für 2,50 Euro kommen dann auch die Leute vom Dorf noch nach Hause. Und wenn eine Ortschaft nicht angefahren wird, kommt man – für gerade einmal vier Euro – von der nächsten Bushaltestelle mit Kleinbus oder Taxi sogar bis vor die Haustür. „Wenn ich morgens um acht Uhr Uni habe, muss ich nicht viel früher aufstehen als zuvor in der Schule“, erklärt Sven die Vorzüge der guten Verbindungen in die Stadt. „Es ist auch möglich, mit dem Fahrrad zur Uni zu fahren. Das habe ich zu meiner Schande noch nicht ausprobiert, aber die Radwege sind gut ausgeschildert.“

Auch den täglichen Einkauf kann man in den Dörfern rund um Freiburg super erledigen. Ein Auto ist nicht unbedingt nötig, wenn man außerhalb der Stadt wohnt. „Hier findet sich alles: Apotheke, Supermarkt, Bäckerei, Metzgerei, frisches Obst und Gemüse vom Bauer – alles da.“

Ganz wichtig – die Hobbys dürfen bei einem Studenten auch nicht zu kurz kommen. Sport- und Musikvereine gibt es in jedem Dorf. „Für ausgefallenere Sachen muss man dann allerdings schon in die Stadt fahren. Oft ist man dazu aber einfach zu faul“, räumt der 20-jährige Wahl-Tiengener ein.

Trotz allem stellt das Wohnen auf dem Land für ihn eine gute Alternative zum Stadttrubel dar. Grüne Wiesen, erntereife Weinreben und ein Blick über ganz Freiburg – das ermöglicht Ablenkung und Erholung vom Uni-Leben. Und wenn der Geldbeutel am Monatsende noch nicht komplett leer ist, und man nicht für die Miete hungern muss, dann hat das ja auch etwas.

Text & Foto: Sandra Koob