Der Braten ist verkohlt, das Kind sitzt heulend in der Ecke und die letzten Geschenke fehlen auch noch. Ein ganz normales Weihnachtsfest? Ab jetzt nicht mehr, denn das chilli hat Freiburger Experten um Hilfe gebeten und daraus einen SOS-Ratgeber für die Festtage zusammengestellt.

 

 

Notfall Nr. 1:

 

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Fünf Geschenke, sieben Gäste. Kurzfristig hat sich Onkel Paul noch zum Weihnachtsessen angekündigt. Und das für Oma Liesl im Internet bestellte Topfset ist nicht mehr rechtzeitig angekommen.

Ein altes Buch, ein Teppichmesser, eine Schachtel – fertig ist das Last-Minute-Geschenk. Die Freiburger Kunsthandwerkerin Analia Linder weiß, wie man aus Dingen, die fast jeder zu Hause hat, in nur wenigen Minuten ein Geschenk bastelt: Buch in der Mitte aufschlagen, mit dem Teppichmesser die Konturen der Schachtel nachfahren und so tief einschneiden, dass man die Schachtel in dem entstehenden Hohlraum versenken kann. In nur wenigen Minuten hat man so ein Wertsachenversteck, für das man im Geschenkeladen einige Euro auf den Tresen legen müsste.

Für alle, die zwei linke Daumen haben, hat Kochbuchautorin Dagmar von Cramm noch einen Geschenketipp aus der Küche: Für ihre „gebrannten Mandeln light“ werden Mandeln oder andere Nüsse und Kerne, die man gerade im Haus hat, ohne Fett in der Pfanne angeröstet. Puderzucker und weihnachtliche Gewürze wie Zimt, Nelken oder Kardamom darüber sieben und unter rühren schmelzen lassen. Damit das Ganze dann auch schön aussieht, die ausgekühlten Nüsse in eine Butterbrottüte geben und eine rote Schleife darumbinden.

 

 

Notfall Nr.2:

 

Das Kind kommt heulend aus der Schule: „Mama, Papa! Die Lisa hat gesagt, den Weihnachtsmann gibt’s gar nicht!“ Jahrelang hat es keinen Zweifel daran gegeben, wer die Geschenke unter den Baum gelegt hat, und plötzlich entpuppt sich die Gewissheit als Lüge. Die Geschichte vom Weihnachtsmann oder dem Christkind verzweifelt aufrechtzuerhalten, hält Tanja Metzger, Familientherapeutin der Freiburger Psychologischen Beratungsstelle, jedoch für falsch. „Prinzipiell sollten die Eltern das Gefühl von Enttäuschung bei ihren Kindern aushalten“, rät sie, „jedoch ohne den Zauber der Weihnacht zu zerstören.“

Wie das aussehen kann, ist nach Ansicht der Psychologin von der Familie abhängig: Wer selbst an höhere Mächte glaubt, kann etwa vermitteln, dass das Christkind stellvertretend für diese Mächte steht. Man könne dem Kind jedoch auch aufzeigen, dass es nicht nur die eine, unumstößliche Wahrheit gibt, so dass manche an den Weihnachtsmann, andere ans Christkind oder an keine der beiden Figuren glauben. Das Kind kann so selbst entscheiden, an was es glauben möchte.

 

 

Notfall Nr. 3:

 

Der Weihnachtsbraten erinnert an ein Brikett, die Sauce klumpt und der Kartoffelbrei hat einen höheren Salzgehalt als das Tote Meer. „Der Braten selbst lässt sich einfach retten“, weiß die Freiburger Kochbuchautorin Dagmar von Cramm. Das Entscheidende sei der Bratenfond, der ersetzt werden müsse, sobald er verkohlt schmeckt. Ihr Tipp: Den Fond weggießen und eine neue Sauce aus Zwiebeln, Wurzelgemüse, Tomatenmark, Fond aus dem Glas und einem Schuss Sahne ansetzen. Beim Braten reiche es, die dunklen Stellen wegzuschneiden. Danach den Braten am besten in Scheiben schneiden, in die Sauce einlegen und durchziehen lassen.

Auch versalzenes Essen ist noch kein Grund, den Pizzalieferanten zu rufen: Einfach eine geschälte Kartoffel mitkochen, sie zieht das Salz aus dem Essen. Ist es dafür bereits zu spät, weil das Essen schon auf dem Tisch steht, hilft nur noch verlängern. Auch Milch und Honig mildern laut Expertin sehr salzigen Geschmack ab.

Und selbst Klumpen in der Sauce sind kein Grund zu verzweifeln. Mit ihnen wird man am einfachsten fertig: Pürieren reicht.

 

 

Notfall Nr. 4:

 

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Der Christmettenbesuch steht noch an, doch ob Onkel Heinz den Weg zur Kirche noch schafft, ist fraglich: Er hat zu tief ins Glühweinglas geschaut.

Raus an die frische Luft, literweise Kaffee trinken oder den Alkohol im Magen durch Brot aufsaugen lassen – warum solche Methoden meist von wenig Erfolg gekrönt sind, weiß Thomas Hodel, Leiter der Suchtberatung Freiburg: „Ist der Alkohol erstmal in der Blutbahn, kann man nichts mehr machen.“ Außer warten, dass sich der Alkohol von selbst wieder abbaut, was mit einer Geschwindigkeit von rund 0,1 Promille in der Stunde passiert. Deshalb der Tipp des Suchtberaters: Schon vor dem Glühweingenuss daran denken, dass man noch in die Christmette möchte, und rechtzeitig aufhören zu trinken.

 

 

Notfall Nr. 5:

 

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Am Weihnachtsbaum fängt es leise an zu knistern, eine kleine Flamme arbeitet sich den Ast entlang und schon wütet ein Waldbrand mitten im Wohnzimmer.

Wer nicht allein zu Hause ist, ist deutlich im Vorteil. Alle anderen sollten noch schnell ihre Multi-Tasking-Fähigkeiten perfektionieren, denn laut dem Freiburger Feuerwehrmann Harald Spengler sollten sofort zwei Sachen gleichzeitig passieren: erste Löschversuche und ein Anruf bei der Feuerwehr. Im Idealfall macht ein über den Brandherd gekipptes Glas Wasser den Feuerwehreinsatz im Nachhinein überflüssig, die Männer in den roten Wagen rücken dennoch vorsichtshalber an. „Wir sind auch nicht böse, wenn wir gleich wieder gehen können“, so Spengler. Die Kosten für den Einsatz muss der Weihnachtsbaumbesitzer übrigens nicht übernehmen.

Spenglers Tipp, damit es gar nicht erst anfängt zu brennen: „Der heißeste Punkt ist nicht in der Flamme, sondern darüber. Deshalb müssen die Kerzen immer genügend Abstand zum nächsten Ast haben.“

 

Text: Tanja Bruckert / Bilder: pixelio.de