Fahrgeschäfte allein reichen nicht. Davon ist der Europa-Park in Rust bei Freiburg überzeugt. Denn die Besucher von heute wollen schon vorab im Internet bespaßt werden. Um diesem Trend gerecht zu werden, baut der Freizeitpark seine Tochterfirma Mack Media aus. Noch aber fehlt Personal, das die Vision umsetzt.

 

Trends sind eine knifflige Sache. Wer sie erkennt, kann groß aufsteigen. So wandelte sich das finnische Unternehmen Nokia, das Anfang des 20. Jahrhunderts noch Gummistiefel produzierte, zum (ehemals) mächtigsten Mobilfunkkonzern der Welt. Trend erkannt, Geschäft gemacht. Nach der Jahrtausendwende verschliefen die Finnen den Hype um schicke Smartphones. Trend verpasst, Geschäft ruiniert.

Machen Geld mit selbst produzierten Filmen: Michael Mack und sein Kameramann Fabian Primsch

 

Der Europa-Park hatte bisher immer den richtigen Riecher. „Wenn wir vor 20 Jahren jemanden gefragt hätten, ob wir ein Hotel eröffnen sollen, hätten viele gelacht“, sagt Michael Mack. Heute stehen fünf Hotels und ein Gästehaus auf dem Gelände – alle gut besucht, wie Mack versichert. Der 35-jährige Sohn des Parkchefs Roland Mack arbeitet in leitender Position und will als Vertreter der jungen Generation das Familienunternehmen auf der Höhe der Zeit halten.

 

Ganz oben auf der Agenda: Der Freizeitpark soll digitaler werden. Auf Facebook, Twitter und Youtube ist man schon aktiv – und natürlich auf der eigenen Website. „Bei den Hotels haben wir einen Trend früh erkannt“, sagt Mack, „und so ist es diesmal hoffentlich auch.“ Als Geschäftsführer des Tochterunternehmens Mack Media erinnert er sich an die erste DVD, die 2001 im eigenen Haus produziert wurde: eine Dokumentation über den Park. „So etwas gab’s damals nicht. Mein Vater hatte sogar Angst, dass irgendwo ein unaufgeräumter Backstage-Bereich zu sehen ist.“

 

Heute gehören selbst produzierte Videos zum Alltagsgeschäft. Man kann sie im Souvenirshop kaufen, auf DVD bestellen oder im Internet anklicken. Das jüngste Projekt: der 4D-Film „Das Geheimnis von Schloss Balthasar“, der im Park-eigenen Kino läuft (4D = Geruch, Wasser, Wind, wackelnde Stühle). Um den Film zu produzieren, hat Mack einen zweiten Kameramann eingestellt, damit stehen nun fünf Menschen bei Mack Media auf der Lohnliste.

 

Gleich 550.000 stehen derweil auf der Fanliste bei Facebook; den Youtube-Kanal haben 12.300 Personen abonniert. „Die wollen unterhalten werden“, sagt Matthias Schilling, Leiter digitale Medien im Europa-Park. Meist geschieht das klassisch mit Fotos auf Facebook oder Einträgen im Achterbahn-Baustellenblog. Darüber hinaus bespielen die Mitarbeiter aber auch einen eigenen Fernsehkanal, der in den Hotelzimmern als Endlosschleife läuft. Sogar eine eigene Musik-CD („Rustis“) wurde schon produziert.

 

Da ein großer Teil der Besucher aus Frankreich kommt, muss auch die Digitalisierung des Parks zweisprachig sein. „Wir wollen wachsen“, sagt Mack, „der Markt ist da.“ Deswegen sucht er noch mehr Personal. „Die Grundfrage ist, wie wir unsere Marke auch außerhalb des Parks noch stärker aufbauen. Dafür suchen wir die richtigen Leute.“

 

Aber lohnt sich die ganze Mühe auch? „Man kann den wirtschaftlichen Effekt schwer messen“, gesteht Mack. „Was bringen denn 300.000 Likes? Stellen sich die Leute am nächsten Morgen alle in die Warteschlange?“ Trotzdem ist er überzeugt, dass an der digitalen Strategie kein Weg vorbeiführt. Vieles werde inzwischen einfach erwartet – so auch die Ausstattung des Parks mit 14 Wlan-Hotspots, die momentan allerdings noch kostenpflichtig sind.

 

Das meiste Geld mache man derzeit mit selbst produzierten Filmen, sagt Mack. Allein „Schloss Balthasar“ sei inzwischen 16 Mal an andere Freizeitparks verliehen worden. Rund 1,7 Millionen Euro Umsatz macht Mack Media derzeit im Jahr. In welchem Verhältnis das zum Gesamtumsatz steht, bleibt allerdings ein Geheimnis: Zu diesen Zahlen macht der Europa-Park traditionell keine Angaben.

 

Text & Foto: Steve Przybilla