Mit der überraschenden Loslösung vom Euro hat die Schweizer Notenbank die eigene Wirtschaft vor enorme Aufgaben gestellt, den einen oder anderen Spekulanten abgeschreckt, in der Schweiz arbeitende Deutsche über Nacht mit einer satten Lohnerhöhung beschenkt, andererseits deutsche Auftragnehmer bei den Eidgenossen vor neue Herausforderungen gestellt.

 

Es gibt aber auch auf der privaten Ebene Auswirkungen: Finanzierungen, insbesondere von Immobilien, wurden aufgrund der hohen Zinsdifferenzen bisher oft in fremder Währung abgeschlossen. Die Wechselkursrisiken wurden dabei bewusst, zuweilen auch unbewusst, in Kauf genommen. Dabei sind sie erheblich: So sank der Wechselkurs des Schweizer Franken seit 2010 von etwa 1,50 Euro pro Franken auf aktuell rund 1,07 Euro. Der Euro hat in dieser Zeit also rund 30 Prozent an Wert verloren.

 

Ungezählte Anleger, Investoren und Darlehensnehmer fragen sich nun, ob und wenn ja wie insbesondere Kursverluste steuerlich angesetzt werden können. Im Rahmen privater Veräußerungsgeschäfte zählen zu den Wirtschaftsgütern (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG) auch Devisen. Demnach sind Gewinne oder Verluste, die innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr erzielt werden, steuerpflichtig.

 

Realisiert werden sie durch Zurücktausch in den Euro oder eine andere Fremdwährung. Ein Wechselkursgewinn über den Freibetrag von 600 Euro ist steuerpflichtig, ein Verlust nur innerhalb der sonstigen Einkünfte nutzbar und rück- oder vortragbar.

 

Es liegt kein „Spekulationsgeschäft“ vor, wenn wegen der Ausnutzung von Zinsdifferenzen in einer Fremdwährung Darlehen aufgenommen werden, die innerhalb eines Jahres nach Abschluss des Vertrages zurückgezahlt werden, schrieb das Bundesfinanzministerium im Oktober 2004. Hier liegt aktuell eine Revision (BFH IX R 38/07) beim Bundesfinanzhof.

 

Auch Kapitalerträge auf Guthaben in fremder Währung führen bei einem Umtausch nicht zu einem privaten Veräußerungsgeschäft, da diese nicht angeschafft wurden (BMF 25.10.2004 TZ 42). Zudem sind Wechselkursgewinne oder -verluste außerhalb der Spekulationsfrist nicht steuerbar.

 

Laufende Kapitaleinkünfte (etwa Veräußerungsgewinne aus Aktien, gewerbliche Einkünfte oder aus nicht selbstständiger Arbeit) sind dagegen im Bezugszeitpunkt mit den aktuellen Wechselkursen umzurechnen.

 

Gewinne oder Verluste aus der Umrechnung in Euro (zu einem gegenüber der Vorperiode geänderten Wechselkurs) werden dann im Rahmen der Einkünfteermittlung besteuert. Nimmt ein deutscher Steuerzahler ein Darlehen in ausländischer Währung auf, um damit den Kauf einer vermieteten Immobilie zu finanzieren, sind (gem. BFH-Urteil vom 09.11.1993) die Kursverluste bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung übrigens nicht als Werbungskosten absetzbar, weil sie nicht direkt durch die Vermietung veranlasst wurden, sondern, weil sich die in ausländischer Währung zu tilgende Kreditverbindlichkeit umgerechnet in Euro erhöht hat. Dieser Mehraufwand ist daher der Vermögenssphäre zuzuordnen – ebenso wie die reguläre Tilgung eines Darlehens in inländischer Währung.

 

Bei weiter fallenden Kursen haben Immobilienkäufer noch ein ganz anderes Problem: Das Beleihungsobjekt, die Immobilie, wird in Euro bewertet, ergo sinkt der Beleihungswert in Schweizer Franken mit jeder Aufwertung desselben gegenüber dem Euro. Unterschreitet der Beleihungswert dann eine kritische Grenze, wird die finanzierende Bank eventuell weitere Sicherheiten vom Darlehensnehmer fordern – oder eine Umschuldung in Euro verlangen. Das kann sogar bis zur Kündigung des Darlehens führen. Dies geschieht für den Darlehensnehmer oftmals zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, der mögliche Kurserholungen nicht mehr abwarten kann.

 

Fazit: Die Finanzierung in einer Fremdwährung wie dem Schweizer Franken ist auf Grund der erheblichen Wechselkursrisiken für einen Großteil der Privatpersonen nicht zu empfehlen. Die begrenzte steuerliche Abzugsfähigkeit von Verlusten verstärkt nur noch das Wechselkursrisiko. Die aktuell bestehenden Zinsdifferenzen zwischen dem In- und Ausland kompensieren diese Risiken nicht.

 

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Kompetent in Steuerfragen:  Mathias Hecht.

 

 

 

 

Mathias Hecht
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