Hörsäle, die wie ein Konzern heißen? So etwas gibt es in Freiburg noch nicht. Trotzdem wird zwischen Seminarraum und Mensa an allen Enden und Ecken geworben – eine gute Geldquelle für Studentenwerk und Universität. Das Career Center kooperiert dabei sogar mit einem umstrittenen Finanzdienstleister.

 

Die gute Nachricht zuerst: Noch gibt es in Freiburg keinen „Aldi-Hörsaal“ (wie in Würzburg), keine Stuhlpatenschaften (Uni Hamburg) und keine Hochschule, die den Namen einer Firma trägt (Jacobs University Bremen). Trotzdem ist die Uni keine werbefreie Zone – ein Spaziergang auf dem Campus genügt, um die Ausmaße zu erahnen: Auf Stellwänden, Plakatrahmen und der Rückseite der Unicard prangt Reklame. Ganz zu schweigen von den Verkäufern, die in der Mensa lauern.
Während Plakate als Werbung erkennbar sind, bringen manche Unternehmen ihre Produkte subtiler an die Kunden. So arbeitet das Career Center der Uni seit 2007 mit dem Finanzdienstleister MLP zusammen. MLP gehörte damals zu den Hauptsponsoren des 550-jährigen Uni-Jubiläums. Der Heidelberger Konzern hat sich auf Akademiker spezialisiert, verkauft Geldanlagen und Versicherungen. Das Prinzip ist dabei immer gleich: Studenten werden kostenlose Workshops angeboten, die oft in Verkaufsgespräche münden.

Nein, die ehrwürdige Albert-Ludwigs -Universität wird ihren markanten Schriftzug „Die Wahrheit wird Euch freimachen“ nicht einem Slogan für Werbepartner opfern.

 

Schon mehrfach kam es wegen des aggressiven Geschäftsgebarens zum Eklat. Die Stiftung Warentest bezeichnet die MLP-Workshops als „Köder für Akademiker“; die Süddeutsche Zeitung berichtet von Doktoranden, die nach dem Seminar zur „Nachbesprechung“ gebeten worden seien – inklusive Vertragsabschluss. Auch in Freiburg gibt es solche Kurse. Über die Homepage des Career Centers sind Angebote wie „Steuertipps für Studierende“ oder „3 Module Förderprogramm für Doktoranden“ zu finden. Auf derselben Seite rühmt sich MLP, über 9500 Freiburger zu betreuen („Finanzberatung, so individuell wie Sie“).

 

Beschwerden habe es deswegen noch nicht gegeben, beteuert das Rektorat. „Vorteil der Kooperation ist, dass uns das Geld finanzielle Möglichkeiten eröffnet, die wir (…) sonst nicht hätten“, erklärt Uni-Sprecherin Rimma Gerenstein. Allerdings: Für Tabak, politische und religiöse Gruppen und pornografische Angebote dürfe an der Uni nicht geworben werden. Tabu sind auch Wettbewerber – etwa juristische Repetitorien. Die wichtigsten Werbepartner sind die Deutsche Hochschulwerbung, das Jazzhaus und die Varifast GmbH, eine Marketing-Firma. Monatlich kämen durch diese drei Hauptakteure rund 2500 Euro zusammen. Macht 30.000 Euro im Jahr. Wie hoch die Einnahmen insgesamt sind, will die Uni – wegen möglicher „Rückschlüsse auf Vertragsbedingungen“ – nicht verraten.

 

Der Rubel rollt auch in der Mensa. „Im unteren fünfstelligen Bereich“ bewegten sich die jährlichen Werbeeinnahmen, sagt Ulrich Stelter vom Studentenwerk Freiburg. Promotionsstände seien als Aktionsform am beliebtesten. Ins Auge fällt besonders die „FAZ Lounge“ im Uni-Innenhof. In dem gesponserten Lesecafé darf neben der BZ nur noch die Frankfurter Allgemeine Zeitung ausliegen. Ob der 2014 auslaufende Vertrag verlängert wird, steht laut Stelter noch nicht fest. Sicher ist hingegen, was nicht angepriesen werden darf: „Wir würden in der Mensa keine Plakate für McDonald’s aufhängen.“

 

Mit schmalerem Budget muss die PH Freiburg auskommen. Auch sie ist eine öffentliche Hochschule, kommt wegen ihrer pädagogischen Ausrichtung traditionell schwer an Drittmittel – und funktioniert trotzdem. Zwischen 6000 und 7000 Euro nehme man pro Jahr durch Werbung ein, erklärt PH-Sprecherin Helga Epp. Und nein: „Wir haben da keine Null vergessen.“

 

Text und Foto: Steve Przybilla

 

Werbung in Freiburg – Kultobjekt Litfaßsäule: http://chilli-freiburg.de/02-freiburg/totplakatierte-leben-langerkultobjekt-litfassaule/