Wie meldet man ein Patent an, was kostet’s und welche Erfindungen können überhaupt geschützt werden? Der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (wvib) beantwortet mit Patentanwälten jeden ersten Dienstag im Monat solche Fragen von Tüftlern aus Freiburg, der Ortenau und dem Dreiländereck. Und das schon seit 34 Jahren. Seither nutzten knapp 4000 Erfinder den Service.

Vom Erfinder zum Millionär: Laut Edgar Jäger bleibt dieser Traum oft unerfüllt

Vom Erfinder zum Millionär: Laut Edgar Jäger bleibt dieser Traum oft unerfüllt

 

Ob Wolfgang Hiss’ Traum vom eigenen Patent in Erfüllung gehen wird, ist fraglich. Der Techniker sitzt seit Kurzem selbst im Rollstuhl, der seiner Meinung nach großes Potential für Verbesserungen bietet. Er möchte etwa die Greifreifen, mit denen Rollstuhlfahrer die Räder anschieben, dicker und aus einem anderen Material fertigen. „Ich bin 1,97 Meter groß und habe entsprechend große Hände“, erklärt Hiss. Die dünnen Greifreifen drückten ihm ständig in die Handflächen, „zudem werden die Aluminiumreifen im Winter so kalt, dass man sie ohne Handschuhe nicht anfassen kann.“

Damit seine Idee zur Erfindung wird, muss sie laut Patentrecht mehrere Voraussetzungen erfüllen: Sie muss ausführbar, gewerblich anwendbar und neu sein sowie auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhen. Und daran könnte Hiss scheitern, denn erfinderisch ist nur, was nicht in naheliegender Weise aus dem Stand der Technik hervorgeht – wie es bei dickeren Greifreifen möglicherweise der Fall ist.

Edgar Jäger, Qualitätsmanager des wvib, weiß, dass der Weg zum marktfähigen Produkt einige Hürden bereithält: „Meiner Erfahrung nach kommt es in den wenigsten Fällen überhaupt zum Patent.“ Die einen würden bereits durch die Kosten der Patentprüfung abgeschreckt, die sich mit Anwalt schnell auf rund 5000 Euro belaufen. Andere würden nur bis ans Ende ihrer Idee denken und die Vermarktung außen vor lassen. Doch der Unternehmergeist sei ebenso wichtig wie eine gute Idee: Die Erfinder müssten auch bereit sein, Klinken zu putzen und ihre Erfindung den Unternehmen anzubieten.

Mancher Tüftler scheitere auch schon an der Idee, erzählt Jäger, dem bereits mehr als ein Perpetuum Mobile vorgestellt wurde: „Wenn jemand einen Propeller aufs Auto setzen will, der durch den Fahrtwind angetrieben wird und selbst wiederum das Auto antreibt – dann hat der im Physikunterricht geschlafen.“

Mersad Bihorac und Eduard Werwein kann solch ein Denkfehler angeblich nicht mehr unterlaufen, sie haben sich die Funktionsfähigkeit ihres Produkts von einem Labor bestätigen lassen. Auf den ersten Blick sieht das hellgelbe Pulver wenig spektakulär aus, es sei jedoch „das einzige Bioprodukt, das zu hundert Prozent wasserabweisend ist“. Würde man das Pulver etwa beim Bau eines Hauses unter den Zement mischen, könne Bihorac dafür garantieren, dass der Keller 50 Jahre lang wasserfest bleibt.

Selbst erfunden haben die beiden Männer den Stoff nicht, sie haben stattdessen für einen dreistelligen Betrag ein 18 Jahre altes Patent aus Ungarn aufgekauft. Genau hier liegt für wvib-Berater Jäger das Problem. Bihorac und Werwein können dasselbe Produkt nicht einfach in Deutschland erneut zum Patent anmelden – wenn das ungarische Patent in zwei Jahren ausläuft, darf jeder das Pulver herstellen und vertreiben.

Es ist nicht der erste Erfindertraum, den Jäger platzen lässt: „Die meisten glauben, dass sie durch ihre Idee bald zum Millionär werden. Ich habe bisher allerdings von kaum einem der Erfinder gehört, dass er den großen Durchbruch geschafft hat.“

Sprechstunde für Tüftler
Nächster Termin: 7. Mai, 15 Uhr
Merzhauser Straße 118
79108 Freiburg
Anmeldung: 0761 45670
www.wvib.de

Text& Foto: Tanja Bruckert