Das Wörterbuch „100 Prozent Jugendsprache“ zum Jugendwort des Jahres feiert sein zehnjähriges Bestehen mit einer neuen Ausgabe. chilli-Autor Philip Thomas hat es sich angeschaut und gemerkt, dass er alt wird. Ein Buch, wie eine Schulbank in der letzten Reihe, findet der Archäologie-Student.

 

Gewählt: Das neue Jugendwort heißt “I bims”, soll heißen: Ich bin’s.

 

Um die ewig währende Frage zu klären, wie viel Ironie eigentlich noch Humor ist, hat Langenscheidt auf 156 Seiten, alphabetisch sortiert und mit Bildern eines biederen Instagram-Accounts garniert, ein kunterbuntes Päckchen geschnürt. Ob das Büchlein bei der eng anliegenden Hosenmode etwas für unterwegs ist, sei mal dahingestellt. Trotzdem ist Jugendsprache an sich überall dabei und als solche natürlich ernst zu nehmen.

 

Auf geradezu Turnschuh-gedämpften Sohlen schleichen sich eben doch immer mal wieder Wörter und Begrifflichkeiten von Jugendlichen und jung gebliebenen in den hochdeutschen Sprachgebrauch. Auch in den von Leuten, die bei Longboard noch an ein Surfbrett denken. Anfangs noch augenzwinkernd und spöttisch, irgendwann dann unreflektiert und postironisch. So sind liebreizende Menschen mittlerweile ahnbar (angenehm, gut, hübsch) und wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, der pedaliert, um wie selbstverständlich das Money am getten.

 

Dieses Jahr mit dabei: Perlen wie Nicenstein (perfekt, allen Wünschen entsprechend), Senpai (eine Vorbildfigur, die man um Aufmerksamkeit bittet) und Nokia 3210. Letzteres kenne ich noch aus der Hosentasche, wird 2017 allerdings als “unzerstörbar” übersetzt.

 

Ich erinnere mich noch genau: Schon damals schrieb man sich mit diesem sogenannten Handy handfest Nachrichten. Einige Jahre später beschwert man sich nun über die voranschreitende Verrohung der Whatsapp-Emojis auf empfindsameren Geräten, die seit irgendeinem Punkt in den vergangenen zehn Ausgaben der Jungendsprach-Serie traurigerweise auch nicht mehr Smileys heißen. Empfindsamer wurden wohl nicht nur die Handys.

 

Vielleicht auch um das Wörterbuch als Produkt im seitwärts geschorenen Kopf der Jugend zu behalten, gibt es nun die zehnte Ausgabe dieser ulkigen Übersetzungshilfe. Wenn die coolen Kids von heute auf etwas abfahren (sagt man das noch so?), dann sind es ganz bestimmt keine Wörterbücher – vor allem in physikalischer Form nicht. Diese Bücher mit all ihren Seiten sind umständlich zu bedienen. Und man muss das Alphabet stumm mitmurmeln. Voll Peinlich.

 

Was die Jugend hingegen sehr schätzt, sind sogenannte Top-Listen. Natürlich sind diese alle wissenschaftlich berechnet und stets mit dem Anspruch, faktisch absolut korrekt und unwiderlegbar zu sein. Hier also in jugendgerechter Form die finale Antwort auf die Frage: Was ist lit und was nicht?

 

Zum Jugendwort des Jahres hat die Jury “I bims” gewählt. Das heißt so viel wie “Ich bin’s”. Unsere Tops und Flops im Folgenden:

 

 

Top

1) ahnbar, hübsch
2) Scurr, Ausdruck, wenn man einen Satz cool beenden will
3) Squad, Extrem coole Gruppe. Häufige Verwendung von 2)
4) Dönieren, Döner essen gehen
5) Faxgerät, Person die ständig faxen macht

 

Flop

1) Seriensuchticorn, jemand der Einhörner und Serien liebt
2) Mollo, Mischung aus Moin und Hallo
3) Cocktime, mit dem besten Kumpel intensive Gespräche führen
4) Tumblr, perfekt, makellos
5) Hirnschale, Mütze

 

 

Das Buch

 

Langenscheidt: 100 Prozent Jugendsprache 2018 – Das Buch zum Jugendwort des Jahres.
156 Seiten
Langenscheidt

 

Text: Philip Thomas; Foto: pixabay