Ein ausreichendes Angebot an Wohnungen, bezahlbar und differenziert nach den unterschiedlichsten Bedürfnissen der Menschen sowie eine soziale Durchmischung der Stadtteile“ – so sieht laut Gemeinderat ein idealer Wohnungsmarkt in Freiburg aus. Dass die Stadt davon noch ein weites Stück entfernt ist, wird dem Freiburger spätestens bei der Wohnungssuche klar. Doch wie weit ist der Wohnungsmarkt eigentlich von diesem Ideal entfernt?

 

Wachsen wollen? Wachsen müssen!
„Wir haben kein Einwohnerwachstumsziel, sondern müssen aus dem Dampfkessel Druck ablassen“, sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon. Freiburg will nicht wachsen, Freiburg muss. Damit die Mietpreise nicht durch die Decke gehen, werden im Schnitt 1000 neue Wohnungen jährlich gebraucht. Doch gebaut wurden in den vergangenen fünf Jahren viel weniger, wie Baubürgermeister Martin Haag neulich bei einem Hintergrundgespräch erzählte. Darum geht auch für ihn kein Weg an einem neuen Stadtteil vorbei.

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Eigentumspreise auf Höhenflug
Eine Neubauwohnung, eine Wohnung im Wiederverkauf oder doch lieber einen Bauplatz für ein Mehrfamilienhaus? Bei den rasant steigenden Mietpreisen ist Wohneigentum die Alternative. Doch auch hier befinden sich die Preise auf Höhenflug. Kostete ein Quadratmeter neuer Wohnraum 2007 im Schnitt „nur“ 2648 Euro, kostete er 2012 schon 3784 (+42,9 Prozent). Bei gebrauchten Wohnungen war es nicht viel besser: 2007 lag der Preis bei 1781 Euro, 2012 bei 2249 Euro (+26,2 Prozent). Tendenz? Eher steigend.

Eigentumspreise

 

Top Ten der Mietpreise
Ein Abstieg: Während die Mietpreise in Freiburg 2012 nur noch von München und Frankfurt überboten wurden, liegt die Stadt im Sommer 2013 nur noch auf Platz 8. Zu verdanken hat das die Stadt allerdings nicht einem sinkenden Mietpreis – der lag 2012 bei 10,12 und 2007 noch bei 6,91 Euro pro Quadratmeter – sondern einem rasanten Anstieg der Wohnungspreise in Städten wie Stuttgart, Hamburg oder Mainz. Aber: Beim Verhältnis Kaufkraft zu Miete, liegt der Freiburger mit 28,1 Prozent bundesweit immer noch an der Spitze.

Top10-Mietpreise

 

Wem gehört Freiburg?
Freiburg erstreckt sich auf 153 Millionen Quadratmeter oder 22.000 Fußballfelder. Auf dieser Fläche, die zu einem Drittel aus Wald besteht, stehen etwa 108.000 Wohnungen in rund 25.300 Gebäuden. Knapp 20 Prozent der Wohnungen sind in der Hand von nur sechs Eigentümern. Die Grafik bezieht sich auf nur diese 20 Prozent.

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Gefördertes Wohnen
Für Geringverdiener oder Arbeitslose, die sich eine Wohnung auf dem freien Markt nicht leisten können, gibt es in Freiburg stolze 13.000 geförderte Wohnungen, deren Miete für einige Jahre bezuschusst wird. Bis 2028 werden aber 3.311 Freiburger Wohnungen aus dieser Mietpreisbindung herausfallen, ohne dass in gleicher Anzahl nachgebaut werden kann. Die Verwaltung plant deshalb die Bindung bei 421 Wohnungen um fünf Jahre zu verlängern und will dafür 2,8 Millionen Euro in die Hand nehmen. Zudem soll die Freiburger Stadtbau jährlich 150 bis 300 geförderte Wohnungen bauen. Reicht das aus?

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Hier wird’s heiß: Umstrittene Neubaugebiete
„Unsere Erfahrung hat gezeigt: Wenn es darum geht, dass wir mehr Wohnraum brauchen, ist die Zustimmung groß, doch wenn es dann konkret wird, gibt es Probleme“, benennt Baubürgermeister Martin Haag das Dilemma. Hier eine Auswahl an „Problemen“, die auf die Stadtverwaltung zukommen könnten:

Schlierberg:
Wo sich heute Reben aneinanderreihen, sollen laut einer Drucksache des Gemeinderats zwischen 440 bis 680 neue Wohnungen entstehen. Bereits 2007 wurde die Bebauung des Hangs in der Wiehre geplant, damals sammelten die Anwohner tausende Unterschriften und besetzten das Gebiet.

St. Georgen West:
Auf der Suche nach einem neuen Stadtteil werden zwei Alternativen geprüft: St. Georgen West und Dietenbach. Eine Bürgerinitiative protestiert gegen eine mögliche Enteignung der Felder: Die Bebauung der Äcker würde die Existenz mehrerer Landwirte gefährden.

Dietenbach:
Ebenso wie das Gebiet St. Georgen West ist die Fläche im nördlichen Rieselfeld mehr als 60 Hektar groß und kann mit bis zu 5000 Wohnungen bebaut werden. Den betroffenen Grundstückseignern bietet die Stadtverwaltung, die das Dietenbachgelände präferiert, 15 Euro pro Quadratmeter Land an, die Initiative Zukunft-Dietenbach spricht von einem „Spottpreis“.

 

Baulandpreise steigen
Weil Bauplätze in der Stadt Freiburg vor allem im Innenbereich äußerst rar sind, kletterten auch hier die Preise: So kostete 2007 ein Bauplatz für ein Mehrfamilienhaus 535.000 Euro, 2012 mussten Investoren aber 1,3 Millionen Euro hinlegen. Die Preise haben sich aber nur auf den ersten Blick verdoppelt, denn im vergangenen Jahr waren die Bauplätze im Schnitt mit rund 2000 Quadratmetern auch fast doppelt so groß. Der Quadratmeterpreis stieg trotzdem: Von 477 Euro (2007) um knapp 17 Prozent auf 558 Euro. Kurioserweise fiel im gleichen Zeitraum der Bauplatzpreis für ein Ein- oder Zweifamilienhaus von 478 auf 433 Euro.

Baulandpreise

 

 

Recherche: Tanja Bruckert, Lars Bargmann
Quellen: empirica-systeme, Immobilienmarktbericht Freiburg 2012, statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Online-Statisik der Stadt Freiburg, Stadtbau Freiburg

 

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Collage: Claudia Fakler
Grafiken: chilli