chilli-Redakteur sucht Freiburgs Altgold-Händler auf

Wenn man sich schon von seinem Gold trennen muss, dann soll das Edelmetall wenigstens das Geld bringen, das es wirklich wert ist.“ Mit solchen Sätzen wirbt das Goldankaufgeschäft „Der Goldmann“ seit Wochen flächendeckend in Freiburger Medien. Nach einem Zahnarztbesuch hatte chilli-Redakteur Felix Holm ein paar Goldkronen über. Was die wirklich wert sind und was er dafür angeboten bekommen hat, lesen Sie hier.

Goldhaus-Mann Serhat Cirasun: „Manche wiegen unter dem Tisch ab.“

 

Ein Raum mit einem schweren Holztisch, eine Lederauslage, eine Lampe, eine Waage, verschiedene Chemikalienproben und ein Taschenrechner. Ich bin im „Deutschen Goldhaus“ an der Schwarzwaldstraße. Hinter dem Schreibtisch sitzt, im Anzug mit Krawatte, Serhat Cirasun. Der 22-jährige Ex-Student arbeitet hier als Edelmetallankäufer – kein eingetragener Ausbildungsberuf, Cirasun hat das Wichtigste bei einer halbjährigen Fortbildung gelernt. Wichtig sei, dass man die Waage sieht, wenn die Goldmenge bestimmt wird. „Manche verkünden einen tollen Tageskurs, wiegen dann aber unter dem Tisch ab und unterschlagen das eine oder andere Gramm“, behauptet er. Sein Kurs heute sind 36 Euro pro Gramm – etwas mehr als fünf Euro unter dem Börsenkurs. Der Überhang ist sein Gewinn. Goldzähne hätten im Schnitt einen Goldanteil von 50 Prozent – die Hälfte meiner 1,66 Gramm schweren Inlays ist also aus purem Edelmetall. 0,83 Gramm mal 36 ergibt großzügig gerundet einen Betrag von 30 Euro. So viel bekomme ich hier für meine ehemaligen Kauhilfen.

Aber wie viel Gold steckt tatsächlich in meinen Zähnen? „Das ist ganz unterschiedlich und kommt auf die Krone an“, erklärt der Freiburger Zahntechniker Ulrich Wolf, „das Gold, das wir bei Inlays verarbeiten, hat einen Anteil von 71 Prozent Reingold.“ 71 Prozent, das hieße doch …

Szenenwechsel: Der „Goldmann“ befindet sich in einem ehemaligen Versicherungsgebäude hinter der Schwarzwaldcity. Es bedient der Filialleiter Markos Özdemir persönlich. Das Verfahren gleicht dem im Goldhaus: Es wird gewogen, in den Taschenrechner eingetippt und eine Zahl genannt. 30 Euro. Gewicht gleich, Kurs gleich, der vermeintliche Gold- anteil in meinen Inlays gleich.

Holt den Goldkurs live aus dem Netz: Sherazade Or-Mitarbeiter Tolga Palanteken.

 

Kaum 100 Meter weiter, gegenüber vom Siegesdenkmal, betrete ich das „Sherazade Or“ – und werde überrascht. Tolga Palanteken will mir 40 Euro geben. Den Goldkurs von 41,79 Euro pro Gramm holt er sich live aus dem Netz, „der wechselt ja minütlich“. Bei ihm werde Zahngold mit 65 Prozent Goldanteil berechnet und er ziehe nur zwei Euro vom Kurs ab. Hm: 1,66 Gramm mal 65 Prozent mal 41,79 Euro minus 2 – wären 43,09 Euro. Sei’s drum. Ich schlage trotzdem ein. Diesen Kurs hätte ich, heißt es später am Tag aus der Goldmann-Zentrale, übrigens auch in der Freiburger Filiale haben können. Wenn die Kunden, sei es fürs Altgold oder fürs Zahngold, irgendwo anders mehr bekämen, biete man den besten Preis.

Text: Felix Holm / Fotos: Felix Holm, fotolia.com