„Weiter, immer weiter.“ Oliver Kahn wusste, wie der Hase zu laufen hat – vor allem nach schmerzlichen Niederlagen. „Eier, wir brauchen Eier“, ist ein anderes unvergessenes Bonmot des Titans im Bayern-Kasten. Doch was machen, wenn es wirklich weh tut? Wenn die Pleite gegen Manchester United im Mai 1999 in Barcelona, die bislang als die Mutter aller Niederlagen galt, plötzlich wie ein Kindergeburtstag erscheint? Wenn die Witze über „Vizekusen“ nicht mal nach dem dritten Weißbier ein müdes Lächeln entlocken wollen? Denn der große FC Bayern hat das gleiche vollbracht wie weiland 2002 die Werkself aus Leverkusen: drei Mal zweiter Sieger in einer Saison.

 

Was tun? Bayer hat sich das „Vizekusen“ 2010 urheberrechtlich schützen lassen. Bayern kann da nicht mehr nachziehen. Aber trotz gegenwärtiger Schockstarre kann und muss der deutsche Rekordmeister etwas ändern. Zum Beispiel künftig auf die Verpflichtung von niederländischen Egomanen (ohnehin die geborenen Zweitplatzierten) verzichten. Und auf die französischen ebenso. Elfmeterschießen üben und einen zusätzlichen Psychologen einstellen. Die gesamte Offensivabteilung von Borussia Dortmund abwerben. Und, genau, den Blick nach vorne richten. Immerhin die Frauenabteilung des FC Bayern München hat mit dem DFB-Pokal einen Titel in dieser Saison geholt.

 

Genug der Häme. Die Niederlage gegen Chelsea war so überflüssig, so unverdient, so schlimm – selbst amtsbekannte Bayernhasser können dem nicht widersprechen. Zumal sich deren Hass gegen die vermeintliche Arroganz der „Großkopferten“ aus München richtet. Was aber bitte ist mit einem Club, der mit Milliarden finanziert wird, an denen Blut und Öl klebt?! Wird überhaupt noch hinterfragt, wie Roman Abramovich zu seinem Geld gekommen ist? Kann man sich als anständiger Mensch mit so jemandem freuen? Dazu noch der Fußball zum Abgewöhnen, der auch schon dem FC Barcelona das Genick brach. Immer weiter. Und auf den Fußballgott vertrauen, dass so etwas nicht mehr vorkommt.

 

Dominik Bloedner