Nachbarn mögen sich nicht immer – sei es im Mietshaus, beim Fußballderby oder dann, wenn zwei Nationen im Wettstreit sind. Von wegen: Liebe Deinen Nächsten. Das Verhältnis von Spanien und Frankreich ist zerrüttet, seit Napoleon den Spaniern um 1800 herum seine Kriege aufzwang und ein zerstörtes Land hinterließ. Auch das demonstrative Händchenhalten von Rajoy und Hollande vergangene Woche ist kein Ausdruck von Zuneigung: Beiden steht die Wirtschaftskrise bis zum Hals, beide suchen einen Freund, der auch ein Feind von Merkel ist.

 

Auf dem Fußballplatz datiert die Rivalität bis zurück in die 20er Jahre. Spanien hat dabei die Bilanz von zwölf Siegen, vier Unentschieden und zehn Niederlagen. Das Spiel zur WM-Qualifikation am Dienstag in Madrid war das 26. Aufeinandertreffen. Die Fans im Stadion Vicente Calderóón waren dabei alles andere als gastfreundlich: Beim Abspielen der „Marseillaise“ pfiffen sie lautstark. Warum? Aus Neid, weil ihre eigene Hymne, die altehrwürdige „Marcha Real“ von 1761 keinen Text hat? Oder weil der Text der kriegerischen Franzmänner auch nach über 200 Jahren noch Angst macht? Da heißt es nämlich ganz unpazifistisch: „Zu den Waffen, Bürger! Schließt die Reihen, Vorwärts, marschieren wir! Das unreine Blut tränke unserer Äcker Furchen!“ Das ist eine klare Ansage, eine verbale Blutgrätsche.

 

Die spanischen Fans wussten wohl, was sie erwartet. Es war kein Spaziergang wie weiland 1929, als „La Roja“ mit 8:1 gegen „Les Bleus“ gewann, oder wie beim EM-Viertelfinale in diesem Sommer. Zum ersten Mal seit 2162 Tagen hat wieder ein Gastteam einen Punkt aus Spanien entführt – und das völlig verdient. Vor allem Karim Benzema hat seinen Vereinskollegen von Real Madrid kräftig zugesetzt, der Ausgleich für die Franzosen fiel in der allerletzten Minute (was die deutsche Fans trösten mag). Spanien ist keine Übermacht mehr. Und ein Unentschieden ist ohnehin das beste Ergebnis – wenn es um eine gute Nachbarschaft geht.