Langsam macht sich Ernüchterung breit, die Entzugserscheinungen sind zur Normalität geworden. Man schaltet abends den Fernseher an, holt sich ein hübsches kühles Bier – und fängt an zu weinen. Kein Usedom-Strand mehr mit Kahn und der Müller-Hohenstein. Nicht, dass die beiden gut gewesen wären, im Gegenteil. Es war langweilig, nahezu komplett spaßfrei und lud zum Fremdschämen ein. Aber es wäre immer noch besser als „Verbotene Liebe“, „WISO“, Pilawas Quizshow oder endlose Tatort-Wiederholungen. Im spanischen Fernsehen ist das Elend nicht minder groß. Fútbol? Fehlanzeige. Die EM ist vorbei.

Wir sind mitten im Sommerloch, im „agujero del verano“ sozusagen, in der Saure-Gurken-Zeit, „en el tiempo del pepino acedo“. Was machen? Vorbereitungsspiele sind in der Regel öde, auch wenn Málaga in diesem Sommer sogar gegen Juventus und Piräus spielt, beides bekanntlich keine Gurkentruppen. Que hacer?! Die Formel 1 ist nicht wirklich Sport, oder? Auch wenn da ein Spanier und ein Deutscher recht passabel ihre Runden drehen. Die Tour de France? Zum Glück wird, zumindest in Deutschland, über dieses absurde Doping-Spektakel so gut wie nicht mehr berichtet. Tennis? Da sind seit Boris Becker und Steffi Graf … ach ja, es ist zum Heulen. Auch der Mallorquiner Rafa Nadal machte dieses Mal in Wimbledon den ganz schnellen Schuh zurück auf seine Insel.

Bleibt Olympia. Die 30. Spiele finden ab 27. Juli in London statt. Deutschland kann auf seinen Achter hoffen, wir (männliche) Fernsehzuschauer freuen uns auf den Beachvolleyball-Wettbewerb der Frauen. Ansonsten werden bis über die Ohren vollgepumpte Leichtathleten für fragwürdige Rekorde sorgen. Immerhin, es wird auch Fußball gespielt. Allerdings kann es nicht zu einer Neuauflage des EM-Halbfinals Italien gegen Deutschland kommen. Beide U-21-Teams haben die Qualifikation für Olympia verpasst. Spanien hingegen ist dabei. Und wird wohl auch dort den Titel holen. Wie langweilig. Wie ernüchternd.

Dominik Bloedner